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27.01.2012

Kommunen gestalten die Wende

Dr. Knut Zschiedrich Dr. Knut Zschiedrich

Wenn es im vergangenen Jahr ein Ereignis gegeben hat, mit dem sich fast jeder auseinandersetzen musste, dann war es die Atomkatastrophe in Fukushima mit dem darauf folgenden Kurswechsel der deutschen Energiepolitik. Auch 2012 wird die Energiepolitik im Blickpunkt bleiben – in kleinen Kommunen ebenso wie in Berlin. Darauf zielte der Neujahrsempfang der Gemeinde Waldbrunn ab, zu dem der Vorstandsvorsitzende des Energieunternehmens Süwag, Dr. Knut Zschiedrich, als Hauptredner gekommen war.

Grüner und kommunaler wolle die Süwag werden und sich damit weiter als mittelständisches Unternehmen profilieren. "Die Süwag wird keinen Cent in Anlagen auf hoher See und ins Ausland investieren", versprach Knut Zschiedrich. Vielmehr sollten Stromerzeugung und -verbrauch nahe beieinander liegen. Das verringere nicht nur die technischen Probleme des Langstrecken-Stromtransports, sondern schaffe auch eine breite Akzeptanz für die Energiewende und versorge zahlreiche kleinere Unternehmen und Handwerker mit Aufträgen.

Der Schwenk weg von großen Kraftwerken und hin zu Windkraft, Solaranlagen und anderen Energiequellen in der Fläche habe eine politische Dimension. "Die grüne Produktion von Energie kann und soll von den Kommunen gestaltet werden", sagte Knut Zschiedrich. Da passe es ins Bild, dass der Energiekonzern RWE seine Anteile an der Süwag verkaufen wolle. Zschiedrich warb dafür, dass die Kommunen in der Region die Gelegenheit nutzen, um sich an seinem Unternehmen zu beteiligen.

Zu dieser Veränderung in seinem Unternehmen komme die große technische Herausforderung der Energiewende. Allein die Süwag wolle in den kommenden drei Jahren 100 Millionen Euro in den Umbau der Energieversorgung und -verteilung investieren. "Die Komplexität ist höher als die bei der Vorbereitung der ersten Mondlandung", sagte Knut Zschiedrich. Dass dies seiner Branche alles abverlange, sehe man an den Massenentlassungen beim Energiekonzern Eon. Er plädierte dafür, dass eine Art "Projektleiter" die Energiewende in Deutschland begleite.

Windpark



Auch Bürgermeister Lothar Blättel griff das Thema auf, wenn auch aus lokaler Sicht. Er berichtete, dass Waldbrunn nicht nur mit den Nachbarn aus Dornburg und Elbtal wegen eines gemeinsamen Windparks zwischen Hausen und Langendernbach verhandelt, sondern auch Gespräche mit Mengerskirchen führt, um nördlich von Fussingen einen kommunenübergreifenden Windpark anzulegen. "Wir haben in Waldbrunn in unserem begrenzten Raum bereits viel für die Energiewende getan", sagte Blättel und verwies auf die große Solar-Freiflächenanlage bei Fussingen, die im vergangenen Jahr ans Netz ging.

Weniger zukunftsfroh stimmte den Bürgermeister die Finanzlage. "Trotz des Aufschwungs im vergangenen Jahr bleiben die Einnahmen der Kommunen weit unter dem Niveau von 2008", sagte Blättel. Er forderte eine umfassende Gemeindefinanzreform. Eine erfreuliche Entwicklung sei dagegen die Einstellung einer gemeinsamen Jugendpflegerin mit Merenberg im vergangenen Jahr.

Ehrungen



Da Fussingen der Veranstaltungsort des Neujahrsempfangs war, trugen auch Vereine aus dem Ort zum musikalischen Rahmenprogramm bei: die Original Waldbrunner Blaskapelle, der Frauenchor und der Männergesangverein "Liederkranz". Ebenso galt es, vier Fussinger auszuzeichnen, die sich seit Jahren um die Dorfgemeinschaft verdient machen. Karl-Heinz Eisenkopf kümmert sich beim Verschönerungsverein darum, dass Fussingen ansehnlich bleibt. Renate Zipp und Marlene Keller sind im Frauen- und Mütterverein aktiv. Lothar Blättel lobte ihre Hilfe unter anderem bei den Seniorentagen und bei Beerdigungskaffees. Egid Heep schließlich hat als Jugendleiter im Sportverein, als Mitglied des Ortsbeirats, in der KAB und als Küster in Fussingen gewirkt und tut es immer noch. Für ihr ehrenamtliches Engagement sollen die Vier sich nun auf Kosten der Gemeinde einen vergnügten Abend gönnen. vt