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27.01.2012

Vom Superbike bis zum Roller

Von Hans-Joachim Mag

Zwar sind Zweiräder in den derzeit kalten Tagen noch eine Seltenheit auf den Straßen. Doch die Fangemeinde scharrt ungeduldig mit den Füßen in Erwartung der neuen Saison. Und nicht wenige wälzen bereits Kataloge und Internetseiten, um den Auftakt auf einem der brandneuen Modelle des Jahrgangs 2012 genießen zu können. Deren gibt es einige, darunter wirklich spannende, die den Motorradmarkt beleben sollten.

Dabei war das vergangene Jahr war für die Motorrad-Industrie kein schlechtes. Im Durchschnitt stand unter dem Strich ein kleines Plus von 3,73 Prozent. Doch die Sonne lachte nicht für alle Hersteller: Während BMW, Triumph oder auch Harley-Davidson teilweise starke Zuwächse einfuhren, verzeichneten Yamaha, Suzuki und Honda Minuszeichen. Von den japanischen Marken konnte einzig Kawasaki ein Plus vermelden.

Doch das ist Schnee von gestern; vor allem die Modell-Highlights 2012 sollten dafür sorgen, dass die gute Stimmung anhält. Allen voran der neue Renner von Ducati, die 1199 Panigale. Zudem steht das erste Modell der wieder belebten Marke Horex, die VR6 Roadster, in den Startlöchern. Hier ein Überblick in alphabetischer Reihenfolge.

Roller aus Bayern



Aprilia hat noch keine Neuheiten vermeldet, deshalb starten wir mit BMW. Bevor die Münchner die erwähnte R 1250 GS vom Stapel lassen, schicken sie eine neue Variante der R 1200 GS mit dem Zusatz Rallye ins Rennen. Sie kommt serienmäßig mit dem elektronischen Fahrwerkssystem ESA sowie Bordcomputer und Drahtspeichenräder. Preis: 13 300 Euro. Eine Überarbeitung erfuhr auch der Supersportler S 1000 RR, der nun mit kürzerer Übersetzung, neuen Farben und einem schlankeren Heck auf Rundenhatz geht. Ganz neu positioniert sich BMW im Rollersegment mit den Modellen C 600 Sport und C 650 GT. Trotz der unterschiedlichen Bezeichnung weisen die Motoren beider den gleichen Hubraum auf, nämlich 647 cm³ und leisten 60 PS. Preise gibt es noch nicht .

Den Kracher liefert in diesem Jahr die Sportbike-Schmiede Ducati. Die Panigale 1199 hat das Zeug dazu, die Liga der Supersportler aufzumischen. 195 PS leistet der neu konstruierte Zweizylinder-V-Motor bei einem Gewicht mit vollem Tank von nur 192 Kilo. Damit diese Kräfte unter Kontrolle bleiben, spendiert man jede Menge elektronische Helfer wie Integral-ABS, Traktionskontrolle, Schaltautomat, diverse Fahrmodi sowie für das Topmodell Tricolore ein elektronisch justierbares Fahrwerk. Die Preise beginnen bei knapp über 19 000 Euro, für die S-Version sowie die S Tricolore muss man noch fünf beziehungsweise neun Tausender mehr hinblättern. Die Italiener bringen 2012 zudem eine kleinere Version der Streetfighter namens 848 mit 125 PS und einem Leergewicht von 185 Kilo. Die Preise beginnen bei 12 190 Euro.

Sechs neue Harleys



Geradezu der Gegenentwurf zu Ducati stellt Harley-Davidson dar. Die Amerikaner setzen auf Entspanntheit und zählten zu den Gewinnern 2011. Sie haben sich trotzdem nicht auf die faule Haut gelegt und zaubern nun sechs neue Bikes aus dem Hut. In allen Softails bis auf die neue Blackline werkelt nun der Big Twin mit 1690 Kubikzentimetern Hubraum. Die Dyna-Reihe wird auf Can-Bus-Elektronik modernisiert und erhält ABS. Nach kurzer Pause kehrt die Sportster 1200 Custom mit auf 16 Zoll geschrumpftem Vorderrad ins Programm zurück. Zudem kommt die Ultra Classic Elektra Glide wieder nach Deutschland zurück. Erwähnenswert ist das Jubiläumsmodell V-Rod 10th Anniversary, eine Farbvariante der Night Rod Special mit neu abgestimmten Federbeinen hinten, Upside-Downgabel und leichteren Gussrädern.

Preisgünstige Hondas



So richtig was los ist auch bei Honda. Nicht nur, dass man dem Supersportler Fireblade ein Update angedeihen ließ, die Optik modernisierte sowie Gussräder und einen Laptimer spendierte. In der Mittelklasse bringen die Japaner mit der 700er-Serie drei preisgünstige Bikes, die alle auf derselben Motor-Chassis-Kombination aufbauen. Den Reigen eröffnet die NC 700 S, ein Allrounder mit Reihenzweizylindermotor und 48 PS, der 5500 Euro kostet. Die Schwester NC 700 X kommt mit längerem Federweg und 790 mm Sitzhöhe und besitzt die etwas offroadigere Anmutung. Sie kostet 5990 Euro. Aus dem Konzept entsteht zudem noch der Roller Integra. Alle Hondas über 125 cm³ Hubraum besitzen von 2012 an ABS serienmäßig. Damit nicht genug: Die Reiseenduro Crosstourer mit V4-Motor auf Basis der VFR 1200 F löst die altgediente Varadero ab. Sie soll – wie sollte es anders sein – der BMW R 1200 GS das Leben schwer machen und kostet ab 13 490 Euro.

Das Horex-Comeback



Lange schon angekündigt, schickt die wieder auflebende Marke Horex ein erstes Bike auf die Straßen. Zwar nicht wie angekündigt mit aufgeladenem VR6-Motor, aber auch saugende 160 PS aus sechs Zylindern sind nicht von schlechten Eltern. Der Roadster kommt mit feinstem Finish, Alu-Brückenrahmen, ABS und einem Preis von 21 700 Euro im Frühjahr.

Etwas schneller war eine weitere Traditionsmarke, die sich jetzt unter dem BMW-Dach befindet: Schon Ende 2011 hat Husqvarna seine Nuda 900 (auch als R-Version) vorgestellt, ein schlanker Flitzer für enge und kurvenreiche Straßen, der von einem 105 PS starken Reihenzweizylinder befeuert wird, dessen Basis aus der F 800 R stammt. Die R-Version besitzt zudem noch eine einstellbare Gabel und ein Öhlins-Federbein. ABS gibt es noch nicht.

Kawasaki-Feuerwerk



Ein Feuerwerk brennt auch Kawasaki 2012 ab. So präsentierte man vor kurzem den Crossover Versys 1000, eine Mischung aus dem Vierzylinder der Z 1000, einem 17-Zoll-Fahrwerk, dem Styling der kleinen Versys, 17-Liter-Tank und viel Tourenzubehör. Aufgebessert hat Kawasaki den Big-Bike-Boliden ZZR 1400, der nun 200 PS aufbietet. Diese werden eingebremst von Traktionskontrolle und regulierbarem Leistungseinsatz (Power Modus). Preis: 15 595 Euro. Gefeilt wurde auch an den Bestsellern ER 6n und f. Mit gefälligerer Optik und etwas schlanker kostet die nackte n 6995, die f 7495 Euro.

KTM widmete sich vor allem seinen kleineren Modellen. So wurde die 690 Duke überarbeitet und mit dem Motor der bisherigen R-Version, ergänzt durch eine Doppelzündung, versehen. Der Einzylinder leistet 70 PS bei nur 160 Kilo Gewicht. Für gemäßigte Offroader bietet sich die Freeride 350 an (6995 Euro). Wer noch weniger braucht, greift zur 200 Duke mit 26 PS und einem Leergewicht von 127 Kilo. Knackig kommt die 690 SMC R (8495 Euro) rüber, die 67 PS mit nur 140 Kilo Gewicht verbindet.

Moto Guzzi hat sich den V7-Motor und die damit rollenden Bikes vorgenommen. Nach eigenen Angaben hat man das Triebwerk komplett renoviert. Mit 51 PS treibt es nun die ebenfalls erneuerte V7 an wie auch die V7 Special, den V7 Racer und die Nevada 750.

Sportliche Fahrer mit exklusivem Geschmack freuen sich auf die MV Agusta F3/Oro. Befeuert von einem Reihen-Dreizylinder leistet der schicke Renner 126 PS, kommt mit einer ganzen Reihe elektronischer Helfer, 185 Kilo Gewicht und einem rekordverdächtigem Radstand von 1380 Millimeter. Der Preis für das Nobelteil steht noch nicht fest, dürfte aber bei etwa 12 000 Euro liegen.

Weniger spektakulär geht es bei Suzuki zu. Die modellgepflegte V-Strom wurde bereits im Sommer vorgestellt, nun schieben die Japaner die überarbeitete GSX-R 1000 nach. Der Renner wiegt nur noch 205 Kilo, die Bremsen und Optik wurden überarbeitet. Leider spendiert Suzuki dem Supersportler keine elektronischen Helfer.

Triumph-Enduro legt zu



Auch bei Triumph steht ein GS-Konkurrent in den Startlöchern, die Tiger 1200 Explorer. Die Reiseenduro kostet 13 790 Euro und fällt damit günstiger aus als die bayrische Konkurrentin, kommt mit eigenständigem, kräftigerem Dreizylindermotor, bringt aber auch einige Kilo mehr auf die Waage. Auch eine Traktionskontrolle ist an Bord. Ein elektronisch verstellbares Fahrwerk fehlt allerdings. Der im vergangenen Jahr überarbeiteten Speed Triple stellt man nun die R-Version zur Seite. Öhlins-Fahrwerk und Brembo-Bremsen, etwas Carbon und ein rotes Rahmenheck kennzeichnen die R, der Preisaufschlag liegt bei 2500 Euro (14 990 Euro).

Nicht viel passiert ist bei Yamaha. Einzig der Supersportler YZF-R1 ist nun aggressiver gezeichnet und verfügt über eine sechsstufige Traktionskontrolle.