"Es geht um Neubesinnung, nicht um Askese"

Pater Harald (41) ist Kapuzinermönch im Kloster Liebfrauen. Er hat uns verraten, was er sich für die Fastenzeit vorgenommen hat.

Frankfurt. Will den Ordensalltag intensiver gestalten: Pater Harald im Liebfrauenkloster. Foto: WeisDer Karfreitag (6. April) ist für Pater Harald in diesem Jahr ein ungewöhnlicher Tag, denn da hat er Geburtstag. Der christliche Gedenktag an den Tod des Gottessohnes am Kreuz steht für ihn aber eindeutig im Vordergrund, sein 42. Geburtstag ist nicht wichtig. Gefeiert wird er nicht.

Im gemeinsamen Gespräch mit der Köchin hat man sich im Kloster darauf geeinigt, dass es in der Fastenzeit nur dreimal in der Woche Fleisch geben wird. Was jeder einzelne darüber hinaus tun will, steht ihm offen. Pater Harald hat sich vorgenommen, in der Fastenzeit auf das Glas Bier beim Abendessen ebenso zu verzichten wie auf Schokolade, die er so gerne isst. Kein Alkohol, nichts Süßes – und ins Kino will er in den 40 Tagen zwischen Aschermittwoch und Ostern auch nicht gehen. "Das ist zuletzt vielleicht etwas zu häufig gewesen", hat er selbstkritisch festgestellt.

Vor Jahresfrist hat er sich in der Fastenzeit ein totales Fernsehverbot auferlegt. Den sonntäglichen "Tatort" sieht er gern, Radrennen ebenso. Der Ordensmann von der Schwäbischen Alb tritt selbst gern in die Pedale – aber in Frankfurt eher selten. "Da muss man zu weit rausfahren zum Radeln", sagt er. In der Stadt selbst ist es ihm zu gefährlich, da steigt er lieber in Busse und Bahnen. Seit 2009 – damals wurde er zum Priester geweiht – ist er in Frankfurt und gern im Kloster Liebfrauen. Dem Kapuzinerorden gehört er seit dem Jahr 2000 an.

Alles ein bisschen reduzieren, den Ordensalltag ein wenig intensiver, nachdenklicher angehen – das hat sich Pater Harald für die Fastenzeit außerdem vorgenommen. Und konsequenter an den Terminen (Vesper etc.) in der Liebfrauenkirche teilzunehmen. "Da wird man doch schnell ein wenig bequem."

Manche Menschen glauben, Ordensleute müssten in der Fastenzeit 40 Tage lang fasten, aufs Essen weitgehend verzichten. "Darum geht es gar nicht", sagt Pater Harald, "nicht um Askese, sondern um eine Neubesinnung." Man müsse offen sein für neue Einsichten, Dinge loslassen können. Das hört sich einfach an, ist aber schwer. Auch für Kapuzinerpater Harald.wa

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