13.07.2010 Rhein-Main/Hessen

Ratlose Sozialverbände

Viele hoffen, dass Zivis ihren Dienst freiwillig verlängern – aber wie will man sie dazu bringen?

Bereits im Frühjahr hat Verteidigungsminister zu Guttenberg seine Pläne zur Verkürzung des Wehrdiensts und damit auch des Zivildiensts vorgetragen. Doch kaum ein Sozialverband hat bisher eine Strategie entwickelt, wie man die jungen Männer zur freiwilligen Verlängerung bewegen kann.

Frankfurt. Wegen des Gezerres um Wehrpflicht und Zivildienst hängen die hessischen Sozialverbände weiter in einer Warteschleife. «Die Informationslage ist chaotisch. Wir wissen nicht, wie es auf lange Sicht weitergeht», sagt Klaus Golisch, vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Hessen in Wiesbaden. «Wir stochern im Nebel.»

Fest steht bislang nur, dass der erneut abgespeckte Wehrdienst die nötigen Gremien passiert hat: Die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag hatte im Juni im Eilverfahren eine Verkürzung der Wehrdienstzeit zum 1. Juli von neun auf sechs Monate beschlossen. Der Bundesrat hat dem am vergangenen Freitag zugestimmt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) stellt die Wehrpflicht aber weiterhin ganz infrage. Die Folgen für den Zivildienst will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) prüfen lassen. Im September sollen Entscheidungen fallen.

Aus für den Zivildienst?

Viele Stellen in Hessen sind betroffen. Nach Angaben des Landessozialministeriums hatten Ende vergangenen Jahres mehr als 6000 junge Männer Zivildienst geleistet. Für Susanne Magnus von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Hessen-Süd in Frankfurt steht fest: «Der Zivildienst ist auf dem sterbenden Ast.» Ihrer Meinung nach will ihn die Regierung auslaufen lassen. «Was die Alternative sein soll, weiß ich nicht.» Auch der Zivildienstreferent der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) in Kassel, Klaus Tschenscher, sagt: «Wenn man den Zivildienst streicht, sollte man gute Konzepte haben, was danach kommt. Die sehe ich noch nicht.»

Doch diese Befürchtungen betreffen die langfristige Perspektive. Kurzfristig ist zunächst geplant, dass Zivis ihren Dienst erstmals freiwillig verlängern können – um bis zu sechs Monate. Familienministerin Schröder hat sogar schon eine Vorstellung, wie viele das sein könnten: «Wir gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Zivis freiwillig verlängern wird – in der Regel die besonders Engagierten».

Zum einen also diejenigen mit ausgeprägtem Hilfsbedürfnis, andererseits wohl auch manche, die ganz pragmatische Beweggründe zur freiwilligen Verlängerung umtreiben. Für viele Zivildienstleistenden könnte sie eine willkommene Überbrückung bis zum Studienbeginn darstellen, glaubt Axel Geerlings-Diel vom Caritasverband der Diözese Mainz, zu der unter der Hessen-Caritas die Diözesen Fulda, Limburg und Mainz gehören. Wenn sich aber ein Ausbildungs- oder Studienplatz direkt an das Zivildienstende anschlösse, «dann hätten wir sicher keine Chance». Deshalb habe die Caritas bislang auch keine weiteren Maßnahmen geplant, ihre vornehmlich im Bereich der Kinder-, Jugend- und Altenhilfe eingesetzten Zivis von weiterem Einsatz zu überzeugen.

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