Das Tibethaus braucht mehr Platz

Im Interview erklärt Elke Hessel, warum die Räume in Bockenheim zu klein sind

Zu Tibet gehört mehr als Buddha und Mönche in orangefarbenen Kutten. Das Tibethaus arbeitet mit über 300 Veranstaltungen jährlich daran, ein ganzheitliches Bild der fernen Kultur zu vermitteln. Im Interview spricht Geschäftsleiterin Elke Hessel über Klischees und Wünsche.

Elke Hessel ist Geschäftsleiterin im Tibethaus, das aus allen Nähten platzt. Foto: Martin WeisWovon träumen Sie, Frau Hessel?

ELKE HESSEL: Unser großer Wunsch wäre ein eigenes Haus, nicht nur ein paar Räume wie jetzt. Dort könnten wir große Gruppen besser empfangen und die Bibliothek ausbauen. Das Haus soll ein Ort zum Vorbeikommen sein, ein offenes Angebot. Mittelfristig planen wir ein Tibetmuseum. Zwei Frankfurter haben uns Sammlungen hinterlassen, die im Archiv niemanden erfreuen. Für all das brauchen wir Unterstützung von außen.

Haben Sie einen Lieblingsort im Tibethaus?

HESSEL: Ich habe zwei. Wir haben hier eine Bibliothek, auch mit tibetischen Büchern. Ich mag es, hier und da eines herauszuziehen, darin zu blättern. Der zweite Lieblingsplatz ist unser Meditationsraum mit Buddhastatuen.

Wie kamen Sie zum Tibethaus?

HESSEL: Vor über 20 Jahren war ich erstmals in Osttibet. Seitdem hat mich die Region nicht losgelassen. Ich begann in Bonn Tibetologie zu studieren. Dort lernte ich den Wissenschaftler Dagyab Rinpoche kennen. In seinem buddhistischen Zentrum wurde ich Schülerin und offiziell Buddhistin. Als Rinpoche in Ruhestand ging, schloss ich mich einer Gruppe an, die ein Tibethaus in Frankfurt gründen wollte. 2005 war es so weit. Wir sind neben dem Mutterhaus in New Delhi und dem tibetischen Kulturinstitut in New York die einzige Einrichtung, die sich so nennen darf.

Was fasziniert Sie an dieser Kultur?

HESSEL: In Peking besuchte ich als junge Studentin zufällig einen tibetischen Tempel. Es war Liebe auf den ersten Blick: Diese Ausstrahlung, das Farbenfrohe, auch das Geheimnisvolle faszinierten mich. Puntsok Tsering Duechung, mit dem ich das Haus leite, ist ebenfalls am modernen Tibet interessiert, nicht am romantischen Klischee, das im Westen oft vorherrscht.

Was macht das moderne Tibet aus?

HESSEL: Es ist vielschichtig. Ich persönlich kenne weltoffene und gut ausgebildete Tibeter, darunter viele Künstler. Sie haben oft in China studiert, waren im Ausland und suchen nach einer modernen tibetischen Identität, an der sie auch arbeiten. Dass die Tibeter im Westen auf Gebetsmühlen drehende Mönche und die dramatischen Unruhen 2008 reduziert werden, ist schade. Wir werden Ende Februar hier eine Ausstellung eröffnen mit moderner tibetischer Fotografie, die die Entwicklungen zeigt.

Das Tibethaus beschreibt sich als eine Art "tibetisches Goethe-Institut". Was ist damit gemeint?

HESSEL: Damit betonen wir zum einen das ganzheitliche Bild, das wir von Tibet vermitteln wollen, zum anderen den kulturellen Fokus. Es ist spannend, Künstler, Wissenschaftler und auch normal Interessierte zur Diskussion zu bringen. Außerdem bieten wir dreijährige philosophische Studienprogramme an, Yoga, Meditation, verschiedene buddhistische Veranstaltungen, aber auch Stressbewältigung und Wirtschaftsethik. Das mag seltsam klingen. Aber das wichtige Konzept der buddhistischen Lehre vom abhängigen Entstehen, davon, dass alles miteinander zusammenhängt, kann man auf viele Lebensbereiche ausdehnen. Auch auf die Wirtschaft, die ethische Maßstäbe braucht.

Dann ist das Publikum so bunt wie das Angebot.

HESSEL: Ja. Gerade bei den weniger buddhistischen Vorträgen kommen Banker, Studenten, Hausfrauen. Praktizierende Buddhisten finden hier ebenso einen Platz zum Meditieren wie Leute, die Ruhe brauchen. Wir empfangen auch Schulklassen. Das dreijährige Studienprogramm nutzen viele Menschen, die eine neue ethische Orientierung suchen.jro

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