Es wird gestreikt und keiner merkt‘s

Normalbetrieb am Flughafen – viele Passagiere buchen frühzeitig um und meiden Frankfurt

Streik auf dem Flughafen. Eine kleine Gruppe von Spezialisten versucht, den Betrieb lahmzulegen. Doch das gelingt immer weniger. Gestern war ein fast normaler Tag auf Europas drittgrößtem Luftdrehkreuz.

Frankfurt. Beschauliches Bild im Terminal 1: Nur wenige Gäste warten auf einen Flug. Foto: Schmidt Starts und Landungen von Flugzeugen, Maschinen, die zum Gate rollten, be- und entladen des Gepäcks, Fluggäste, die in Frankfurt aus- oder umstiegen: Auf dem Flughafen herrschte gestern business as usual. Fast. Immerhin 200 von 1200 Flügen fielen im Lauf des Tages aus. Zeitweise war in den Terminals so wenig los, dass sich die Angestellten der Fraport und der Fluggesellschaften zu langweilen begannen.

"Das täuscht", wehrte sich ein Mitarbeiter des Informations-Points in Terminal 1. Fluggäste sind weit und breit nicht zu sehen, er unterhält sich mit einer Kollegin. "Da braucht nur ein Flug noch auszufallen, dann kommen sofort wieder alle auf einmal und wollen wissen, wie es weitergeht." Sein Geschäft sei ein Stoßgeschäft, so der Service-Mitarbeiter.

Doch viele Passagiere blieben weg. Die Lufthansa hat gestern noch 160 Flüge annulliert, wie bislang vor allem innerdeutsche und europäische Flüge. "Die Fluggäste können sich im Internet informieren und auch online auf die Bahn umbuchen", sagte eine Sprecherin. So dürften viele Passagiere erst gar nicht mehr nach Frankfurt kommen.

Streikopfer Taxifahrer

Das merkte gestern auch Taxifahrer Jiri Zizlavsky. "Ich habe in sieben Stunden gerade drei Kurzstrecken gefahren. Umsatzmäßig ist das einer der schlechtesten Tage, die ich in den vergangenen Jahren erlebt habe", schimpft der 62-jährige Unternehmer. "Ich bin ein Opfer dieses Streiks."

Wer trotzdem zum Flughafen kam und auf den Flug wartete, war mit dem Service meist zufrieden. Manche haben von dem Streik der Vorfeldmitarbeiter gar nichts mitgekriegt. So wie Ulrich Nowotny aus Freiburg. "Die Maschine aus Los Angeles ist pünktlich gelandet, und jetzt fahre ich mit dem Zug nach Hause", sagte er.

Rosemarie Wagner aus Gießen hat sich und ihrem Mann ein Geburtstagsgeschenk gewünscht: "Eine Woche Türkei, eine Kulturreise", sagt die 62-Jährige. Die Maschine soll pünktlich gehen, die Anzeigen auf den Bildschirmen bestätigen es. "Abflug um 14.35 Uhr, auf die Minute", liest Rosemarie Wagner ab. "Hoffentlich", murmelt ihr Mann etwas besorgter. Noch sind gut 90 Minuten Zeit, das Gepäck ist schon aufgegeben.

Zittern um die Urlaubstage

Dagegen zitterten Dr. Karlheinz Krichel (64) und seine Tochter Marietheres (22) im Terminal 2 um den gemeinsamen Urlaub in der Türkei. "Um 15.55 Uhr soll unsere Air-France-Maschine nach Paris gehen", sagt der Vater. "Der Flug hat sich extrem verspätet. Hoffentlich bekommen wir in Paris noch den Anschluss nach Istanbul." Wenn nicht, stehen Vater und Tochter vor einem Problem. Die Verspätung sei eine Folge des Streiks, als dessen Geisel die Aachener sich fühlen.tjs

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