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Nieder-Erlenbach im Aufwind
Immer mehr Menschen zieht es in den nördlichsten Frankfurter Stadtteil, aber das Wachstum stößt auch an Grenzen
Nieder-Erlenbach ist beliebt zum Wohnen, der Stadtteil wächst stetig. Gerade entsteht ein neues Wohngebiet. Doch das Wachstum schafft neue Probleme, die jener der gesamten Metropole Frankfurt in vielem ähneln.
Nieder-Erlenbach. ![]()
Mit dem Baugebiet "New Erlenbach" wächst der Stadtteil um 86 Einfamilienhäuser an. Foto: ChristesDer Stadtteil im Nordosten Frankfurts boomt. Seit der Eingemeindung 1972, als in Nieder-Erlenbach noch 2700 Menschen lebten, verdoppelte sich die Einwohnerzahl fast: Wenn im Sommer "New Erlenbach" – so nennt der Investor das Neubauviertel auf dem früheren "Büro actuell"-Gelände – bezogen ist, wird die 5000 Einwohner-Grenze übersprungen. Vor allem junge Familien – da ist Nieder-Erlenbach typisch für Frankfurt – zieht es hierher. In 20 Jahren stieg die Zahl der unter 18-Jährigen um 20 Prozent von 645 auf 770. Noch mehr Parallelen gibt es mit dem großen Frankfurt: Der Stadtteil platzt aus allen Nähten.
Lange wurde diskutiert, was nach dem Wegzug von "Büro Actuell" mit dem Gelände an der Umgehungsstraße geschehen sollte. Weil die Ansiedlung neuer Firmen misslang, entstand wie anderswo in Frankfurt auf der Gewerbebrache ein Neubaugebiet für Familien mit 86 Einfamilienhäuschen.
In den vergangenen 40 Jahren wuchs Nieder-Erlenbach vor allem innerhalb bestehender Wohnviertel. Baulücken wurden geschlossen, alte Häuser durch größere ersetzt. Doch es wird langsam eng: In Vorbereitung ist noch ein weiteres Baugebiet für 130 bis 150 Häuser an der Umgehungsstraße, zwischen Nieder-Eschbacher Straße und Erlenbacher Stadtweg. Erste Investoren zeigen bereits Interesse. Laut Flächennutzungsplan bliebe eine weitere Fläche, nördlich des Friedhofs, als Baugebiet. Dafür gibt es noch keinen Bebauungsplan. Und danach ist alles dicht.
Kita-Bau stockt
Das Wachstum bringt Nieder-Erlenbach ähnliche Probleme wie in ganz Frankfurt: Es fehlen ausreichend Betreuungsplätze, Freizeitangebote und Sportstätten. Immerhin: Die Grundschule wurde für gut vier Millionen Euro ausgebaut. Außerdem gibt es die weiterführende private Anna-Schmidt-Schule. Aber der Bedarf an Kita-Plätzen ist größer als das Angebot. Zurzeit entsteht in der Straße Zur Obermühle eine fünfgruppige Kita für 80 Kinder, doch der Bau stockt. Obwohl die Arbeit weit fortgeschritten ist, rechnet die Stadt mit einer Eröffnung nicht vor 2013.
Wahrscheinlich eröffnen in der früheren Post in Alt-Erlenbach zwei weitere U3-Gruppen, aber noch laufen Verhandlungen über den aufwendigen Umbau. Geplant ist auch die Ausweitung der 20 Plätze der schulischen Übermittagbetreuung zu 40 quasi-Hortplätzen als "erweiterte schulische Betreuung". Klappt all dies, geht es Nieder-Erlenbach im Stadtvergleich gut: Die dann 168 Kindergarten-Plätze bedeuten 107 Prozent Abdeckung, die 140 Hortplätze immerhin 68 Prozent bei stadtweit angestrebten 65 Prozent. Die 51 U3-Plätze decken 43 Prozent des Bedarfs.
Sporthalle fehlt
Mit der TSG Nieder-Erlenbach hat der Stadtteil einen Sportverein, doch ihm fehlen Sportstätten. Weil es keine Turnhalle gibt, treiben die TSG, der Tanzsport- und Karnevalclub "Die Bodentrampler" und die Schulen im Saal des Bürgerhauses Sport. "Wir könnten unser Programm leicht ausbauen, Interesse genug gäbe es", sagt der TSG-Vorsitzende Christoph Kratzer. Doch ohne Halle gehen Sportinteressierte zu Vereinen in Harheim, Bonames oder Dortelweil. "Wer einmal in einem anderen Verein und dort zufrieden ist, kommt nicht zurück." Kletterwand und Volleyballfeld sind draußen und nur im Sommer nutzbar, der Fußballplatz war mehrfach von Wasser oder Schlamm überschwemmt. Dass bald eine Halle entsteht, ist zweifelhaft: Auf dem vorgesehenen Grundstück steht der Schul-Neubau. Im März will eine Kommission ein neues Grundstück suchen.
Trotz Umgehungsstraße ist die Gasse Alt-Erlenbach seit Jahren überlastet, vor allem im verwinkelten Teil nahe der evangelischen Kirche. Hier muss der Bus durch, viele Geschäfte sind dort und der Eingang zur Anna-Schmidt-Schule. Selbst die Einrichtung einer Gemeinschaftsstraße beruhigte die Situation nicht wie geplant. Eine Planungswerkstatt soll Abhilfe schaffen. Das Wachstum Nieder-Erlenbachs ist endlich. "Der Erlenbach und die Umgehungsstraße sind Grenzen, über die wir nicht hinauskommen", sagt Ortsvorsteher Matthias Mehl (CDU). Auch hier gleicht Nieder-Erlenbach im Kleinen dem großen Frankfurt: Neue Wohngebiete gibt es kaum. Eine Lösung ist, hier wie dort, die Nachverdichtung: Häuser und Menschen rücken zusammen.hau



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