150 Jahre "Eintracht"

Jubilämskonzert, Matinee und zwei Tage Dorffest in Niederselters

In 150 Jahren hat der MGV nur 23 Dirigenten und acht Vorsitzende gehabt – ein Zeichen hoher Kontinuität. Und er ist der älteste Ortsverein in Niederselters. Deshalb heißt der MGV im Nassauer Dialekt schlicht und treffend bis heute "das (!) alte Verein".

Selters-Niederselters. Keine Frage, dass ein solch seltenes Jubiläum gebührend gefeiert werden soll. Das Veranstaltungsprogramm steht und sieht zu Beginn einen Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Mitglieder des Vereins am Samstag, 18. Februar, 19 Uhr, in der katholischen Kirche vor. Währenddem dieser "Jubiläums-Auftakt" noch relativ intern abläuft, werden zu dem akademischen Abend am Sonntag, 4. März, eine Reihe Honoratioren und illustre Gäste sowie eine stattliche Besucherzahl erwartet.

Der Festakt beginnt um 10.30 Uhr im Kulturzentrum "Alte Kirche". Es wird natürlich einigen Chorgesang geben. Das "Geburtstagskind" wird zu Beginn und zum Schluss des Festaktes mit jeweils zwei Werken seine Güte aufblitzen lassen. Der katholische Kirchenchor "Cäcilia" wird seinem "großen Bruder" gesanglich die Glückwünsche überbringen. Einige Grußworte (und Geburtstagsgeschenke) wird es von Politikern und Gesangs-Funktionären geben. Dieser feierliche Rahmen ist bestens geeignet, Ehrungen verdienter Mitglieder vorzunehmen. Etwas zu essen und zu trinken gibt es im Anschluss im katholischen Pfarrheim ("Alte Schule"), wohin sich die Feier-Gesellschaft zurückzieht.

Dorffest

Keine typische Jubiläumsveranstaltung ist das Gruppensingen der Gruppe I "Goldener Grund", das vom Jubiläumschor am Sonntag, 29. April, 17 Uhr, ausgerichtet wird. Als nächste Veranstaltung steht das Dorffest an, dass an zwei Tagen, am 23./24. Juni, gefeiert wird. Der Kreis der Jubiläumstermine schließt sich mit einem Chorkonzert am Sonntag, 18. November, 18 Uhr, unter Mitwirkung des Projektchores des katholischen Kirchenchors Salz und des Ensembles vocapella Limburg.

Anekdoten

Seit der Gründung des MGV in 1862 ist eine Menge Wasser den Emsbach herunter gelaufen. Die Menschen von heute können sich nur schwer in die Lebens- und Gesellschaftsverhältnisse der damaligen Gründer und Sänger hinein versetzen. Doch bestehen blieben einige Grundzüge, nämlich die Freude am gemeinsamen Singen im Chor. Familienfeiern und vereinsinterne Anlässe finden durch Chorgesang einen würdigen Rahmen. Geblieben ist das Mitwirken des Chores bei dörflichen Feiern und Festen aller Art. Das schweißt die dörfliche Zusammengehörigkeit. Nicht nur gemeinsam leben und arbeiten, sondern auch gemeinsam feiern. Geblieben sind auch die Auftritte des Chores bei zahlreichen Veranstaltungen, sowohl bei eigenen Konzerten, als auch bei auswärtigen Wettstreiten, Gruppensingen, Kritik- und Wertungssingen.

Viele Preise

Dass es im Laufe der Zeit auch mit der Qualität des Chores stetig bergauf ging, ist nicht nur den hervorragenden Sängerstimmen, sondern auch den durchweg ausgezeichneten Chorleitern zu danken, die ihre "Mannschaft" formten und zu großer Klasse reifen ließen. Unvergessen sind zum Beispiel das Weinpreissingen in Hallgarten 1980, bei dem der MGV gleich vier Preise mit nach Hause nahm, nämlich den Klassenpreis, den Ehrenpreis, den höchsten Ehrenpreis und den Dirigentenpreis.

Außerdem erhielt der MGV die höchste Punktwertung aller teilnehmenden Vereine. Oder der Wettstreit 1981 in Oppershofen: Hier errang der MGV mit 1,41 im Chor und 1,14 im Volkslied die besten Wertungen unter 32 teilnehmenden, teilweise zahlenmäßig weit größeren Chören und damit den Tageshöchstpreis.

Beim anschließenden Festzug zogen Sänger und Angehörige im improvisierten Tanzschritt durch das Dorf und wurden von den Einwohnern begeistert gefeiert. Herausragendes musikalisches Ereignis war in 1995 die Fahrt nach Tschechien. Erstmals in der Vereinsgeschichte unternahm die "Eintracht" eine Konzertreise ins Ausland, besuchte vier Tage das Nachbarland. Nach einen Zwischenstopp in Eger wurde in Karlsbad Quartier bezogen. Im Rahmen eines Freiluftkonzertes in der Mühlbrunnenkolonade sang der Chor 18 Stücke, darunter erstmals das "Saltarelle" von Camille Saint-Saens in französischer Sprache.

Das Bier läuft . . .

Unvergessen und immer wieder in Selterser Sängerkreisen gerne erzählt wird die Veranstaltung, an der die "Eintracht" gesanglich wenig zu bestellen hatte, gleichwohl aber in die MGV-Geschichte einging. Beim Wettstreit 1926 in Langgöns bei Gießen passierte im Festzelt ein Missgeschick. Wie der Chronist schreibt, war es direkt nach dem Festzug, dass die Sänger "mitten in den Festplatz hinein zwei schwere Fässer Bier auf einen Tisch schlugen, womit der Krahnen undicht wurde.

Jetzt hieß es ,Gläser herbei‘, damit das schöne Getränk seinen ihm vorbestimmten Weg nehme." Die wackeren MGVler müssen sich in unmittelbarer Nähe des Geschehens aufgehalten haben, denn beim anschließenden Wertungssingen rangierten sie unter "ferner liefen" – kein Wunder bei diesem Konsum. Es wird sogar von einigen Sängern berichtet, die drei Tage lang "auf Tauchstation" waren. Wie sich später rausstellte, hatten sie mit auswärtigen Sängern drei Tage lang gefeiert.wu

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