Die Bühne der Integration

Theater-Projekt mit Behinderten

Die Holzheimer Theatergruppe Fairy-Tale ist immer wieder für eine Überraschung gut. Im 26. Jahr ihres Bestehens haben die Theaterleute um die Regisseurin und Vorsitzende Monika Birlenbach ein Gemeinschaftsprojekt der besonderen Art angepackt: Sie haben ein Märchen in Kooperation mit dem Funkenflugtheater der Stiftung Scheuern auf die Bühne gebracht.

Holzheim/Nassau. Die schwarzen "Schatten" von Fairy-Tale störten den Handlungsablauf auf der Bühne nicht im Geringsten. Im Vordergrund das Schaf, authentisch dargestellt von Fabio Nelde.Es war ein außergewöhnliches Projekt, das in der Region sicherlich eine Seltenheit darstellt. Die Idee dazu entstand vor einigen Jahren; denn die Gäste aus Scheuern zählen jährlich bei den Weihnachtsmärchen von Fairy-Tale in Holzheim zu den Stammgästen. So reifte die Idee, auch mal gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

Monika Birlenbach, die "so ganz nebenbei" auch mit dem Theater verheiratet zu sein scheint, hatte eine brillante Vorstellung, wie diese Kooperation in die Tat umgesetzt werden könnte. So sollten die Aktiven des Funkenflugtheaters im Vordergrund agieren, und die Fairy-Tale-Schauspieler sollten als Schatten im Hintergrund stehen und bei Bedarf einspringen.

So war schließlich jede Sprechrolle doppelt besetzt, und das Experiment in der gut besetzten Stadthalle von Nassau konnte beginnen. Alle hatten ihren Spaß daran, und das Publikum war sichtlich begeistert. Die Schauspieler und ihre Schatten ergänzten sich prächtig, das Geschehen auf der Bühne kam trotz der Doppelbesetzungen verständlich rüber. Die Schauspieler mit Behinderungen konnten angstfrei agieren, und die Fairy-Tale-Leute, die ihre Texthefte in der Hand hielten, sprangen im Zweifelsfall ein, und das störte niemanden. Es war eben eine ganz andere Art von Theater, interessant, integrativ, unterhaltsam. Soufflieren war dabei allerdings nicht möglich – und auch nicht nötig.

Das außergewöhnliche Experiment kam beim Publikum gut an. Das bestand aus Heimbewohnern, Familienangehörigen der Schauspieler, aber auch aus anderen Bewohnern der Region. Es war für alle eine Premiere, die überaus gelungen war.

Große Ehre

Durch diese Kooperation war es dem Funkenflugtheater erstmals vergönnt, in der Stadthalle aufzutreten. Auch das war ein Novum und für die Schauspieler mit Behinderungen eine besondere Herausforderung und Ehre. Eine große Ehre war es außerdem, dass der CDU-Landtagsabgeordnete und -Kreisvorsitzende Matthias Lammert die Schirmherrschaft übernommen hatte. Lammert als auch Eckhard Bahlmann, Direktor der Stiftung Scheuern, äußerten sich in ihren kurzen Ansprachen positiv überrascht, dass eine solche Kooperation in diesem Maße möglich ist. Ähnlich äußerten sich auch Monika Birlenbach und die Leiterin des Funkenflugtheaters, Steffi Legde. Sie wollten mit ihrem ehrgeizigen Experiment unter Beweis stellen, dass die Integration von Menschen mit Behinderung spielend gelingen kann. Beide Theatergruppen wollten mit ihrem Experiment ein Zeichen setzen, keine Abwehrhaltung einzunehmen, wenn man es mit Menschen zu tun hat, die behindert sind. Dieses Ziel haben sie in hervorragender Weise erreicht. Und haben damit verdeutlicht: Auch Menschen mit einer Behinderung haben ihren Platz in der Gesellschaft. Ebenfalls anwesend waren – eine weitere Ehre für die Theaterleute – der Holzheimer Ortsbürgermeister Werner Dittmar und Udo Rau, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nassau.

Zum guten Gelingen der Veranstaltung trugen das Engagement der Mitspielerinnen und Mitspieler, aber auch die farbenfroh gestalteten Kostüme und Kulissen bei, die überwiegend vom Holzheimer Fairy-Tale-Theater zur Verfügung gestellt worden waren. Für das auf ein Minimum beschränkte Bühnenbild zeichneten Mara Lenhardt und Monika Birlenbach verantwortlich. Kommentar der Theaterleiterin: "Man kann auch mit wenig Mitteln viel bewirken."

Ein großes Lob erfuhr die Holzheimer Truppe auch von Steffi Legde: "Was Ihr da geleistet habt mit all den Requisiten, dem Bühnenbild, Euer ganzer Einsatz – das war so, so spitzenmäßig."

Gespielt wurde das Märchen "Das Zauberkissen" von Peter Klusen. Das Märchen handelt von der Prinzessin Paloma, die mit ihren Freundinnen in der Höhle der Kälte war und seitdem sterbenskrank ist. Nur das Zauberkissen kann das Leben der kranken Prinzessin noch retten. So beginnt eine abenteuerliche Suche nach diesem Zauberkissen, das von griesgrämigen Zwergen bewacht wird. Nur ein einfacher Schafhirte und sein treues Schaf (übrigens hervorragend in Szene gesetzt) stellen sich schließlich für die gefährliche Mission zur Verfügung, und so steht einem umjubelten Happy-End nichts mehr im Wege.tam

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