Lehrer aus Leidenschaft

Wolfgang May hat im Jugendzentrum ein neues Betätigungsfeld gefunden

Im Ruhestand hat der frühere Lehrer Wolfgang May ein neues Betätigungsfeld gefunden: Als Lehrer für die Hausaufgabenbetreuung im Diezer Jugendzentrum.

Von Rolf-Peter Kahl

Diez. Wolfgang May (hinten) kann nicht loslassen: "Wieso soll ich mein Wissen nicht auch künftig an Kinder und Jugendliche weitervermitteln?" Foto: KahlFast vier Jahrzehnte lang stand Wolfgang May (65) tagtäglich vor Schülerinnen und Schülern in Hahnstätten. Zuletzt, bis zu seiner Versetzung in den "wohlverdienten Ruhestand" im Juli des vergangenen Jahres, an der Realschule plus. Doch mit dem Gedanken, zukünftig "zu ruhen", konnte sich der in Diez wohnende May nicht anfreunden. "Nach 37 Jahren, von jetzt auf gleich einfach aufzuhören, das war für mich die reinste Horrorvorstellung" so der Pädagoge aus Leidenschaft. Daher lag es für ihn nahe, auch in seinem "Rentnerleben" Kindern und Jugendlichen bei den Hausaufgaben zu helfen.

Bereits im September 2011 "heuerte" er im Jugendzentrum in Diez (JUZ) an und betreut dort dreimal in der Woche für jeweils zwei Stunden (aktuell) zwei Jungs und ein Mädchen.

"Betreuen" heißt für Defrim (12), dass ihm Wolfgang May ebenso bei der Erledigung der "normalen" Schulaufgaben zur Seite steht, wie dem 15-jährigen Andreas, der gerade an der Konstruktion von Dreiecken und Vierecken knabbert. "Und wenn wir unser tägliches Hausaufgabenpensum erledigt haben, dann fängt es erst richtig an, Spaß zu machen", erzählt Andreas begeistert über die zusätzlichen Angebote vom ehrenamtlich arbeitenden Wolfgang May.

Sie schreiben Übungsdiktate, sie lösen Mathe-Aufgaben, sie machen Ausflüge in die Geschichte, sie beschäftigen sich mit Geografie und Erdkunde oder surfen "lernend" durchs Internet. "Das machen wir alles in spielerischer Form, und dabei gehe ich sehr oft auf die Wünsche meiner Schüler ein", so May. Derzeit lernen sie begeistert "Eselsbrücken" wie: "Iller, Lech, Isar, Inn, fließen rechts zur Donau hin. Altmühl, Naab und Regen kommen ihr von links entgegen", "333 – Issos Keilerei" oder "Wer nämlich mit h schreibt ist dämlich".

Keine Spielerei

Doch Spielerei ist die Hausaufgabenbetreuung keinesfalls. Die immer für ein halbes Jahr angelegten Perioden werden "vertraglich" belegt. Immer drei Schülerinnen oder Schüler kommen unter die Obhut von Wolfgang May (auch die hauptamtlich arbeitenden "Chefs" des Zentrums, Thomas Konschak und Mathias Fischer betreuen jeweils drei). "Und dann läuft das wie in der Schule ganz seriös", so May, der aufklärt, dass es bei dreimaligem, unentschuldigtem Fehlen zur Auflösung des Vertrages komme.

Doch das Gegenteil scheint der Fall. Die Schülerinnen und Schüler kommen gern. Mittwochs, donnerstags und freitags. Und May bekommt "gute Noten" von seinem "Trio": dreimal die zwei plus. "Ich mache die Arbeit nicht umsonst, die Kinder geben mir soviel zurück", erklärt May, dem man ansieht, dass ihm diese Tätigkeit Freude bereitet. Er betont, dass es für die Jungs und Mädels zwar bereits ein Erfolg sei, am anderen Tag richtige Hausaufgaben vorweisen zu können, doch genauso wichtig findet er die soziale Funktion der Betreuung.

Kommunikation

Es gebe wenig Aggressionen, "die Kinder vertrauen uns, und sie helfen sich gegenseitig". Und es wird sehr häufig miteinander geredet. "Da erfährt man eine Menge", sagt Defrim und ist überaus stolz, dass er seit ein paar Tagen weiß, dass der Geburtsort von Wolfgang May, St. Goarshausen, bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter napoleonischer Herrschaft stand.

Ach ja – an seiner alten Schule ist May vormittags auch noch zu finden. Als "Mann für gewisse Stunden" ist er für die Schulleitung eine feste Größe in der Stundenplangestaltung.

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