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Minusgrade? Kein Problem!
Sie trotzen nicht bloß der Kälte, sondern ziehen sich richtig an und genießen die Sonne – Ein Tag im Waldkindergarten
Von Petra Hackert
Bad Camberg. ![]()
Jetzt wird gekocht. In der Spielküche gibt es gleich eine leckere Matschsuppe. Die Eltern halten die Luft an, doch die „Wurzelzwerge“ genießen die Sonne, halten sich durch viel Bewegung fit und erleben die Natur von ihrer schönen Seite. Zum Aufwärmen geht’s in den Bauwagen. Aber während die Mädchen Stofftiere nähen, zieht es die Jungs schon wieder nach draußen.
"Was, Deine Tochter ist jetzt im Wald?" – "Frieren die Kinder denn nicht?" – "Den ganzen Tag?" Es stimmt, Jette ist heute einen ganzen Tag im Waldkindergarten, und wer das kleine, blonde Mädchen mit den roten Backen gemeinsam mit seinen Freunden im Hotel "Waldschloß" beim Mittagessen sieht, hat seine helle Freude.
"Das ist der Herr Urban", zeigt ein Junge. "Der Herr Urban" arbeitet im "Waldschloß" und stellt den Mittagskindern eine große Schüssel "deutsche Spaghetti", für Erwachsene Spätzle, auf den Tisch. Und Soße. Und Salat. Und nachher gibt es noch einen Nachtisch. Das Verteilen übernehmen die Kinder selbst. Einer teilt aus, alle anderen reichen ihre Teller. Das ist immer so im Waldkindergarten. Reihum ist ein Kind zuständig – sei es für das Verteilen der Rucksäcke vor dem Heimweg oder eben beim Essen im warmen Hotel. ![]()
Nein, Schnee ist noch nicht gefallen – darauf warten die Kinder noch. Aber Rauhreif ist auch interessant. Fotos: Hackert
Doch halt: Die vielen, die in den letzten Tagen gefragt haben, was die Waldkinder jetzt machen, wollen natürlich etwas über den Wald hören, und dieser Tag ist besonders schön. Wir blenden zurück: Die Kinder werden morgens gebracht. Dann verbringen sie die ersten Stunden gemeinsam mit den beiden Erzieherinnen Gaby Müller und Marion Maute. Der Tag bei den Wurzelzwergen beginnt um 8 Uhr. Auf dem Gelände können die Kinder frei um den Bauwagen herum spielen. Dann begrüßen sie im Morgenkreis mit einem Lied, einem Gedicht oder einer Geschichte den neuen Tag. Das ist heute interessant: Als die Kinder kamen, war schon alles weiß. Das war aber noch gar kein Schnee, sondern Raureif.
Jetzt wird es spannend: Ein Vater, er ist Physiker, ist zufällig noch mit dabei und hat Zeit. Also nutzt er die Gunst der Stunde und erklärt den Kindern, was da so passiert. Sie stehen auf der Wiese und sehen Tautropfen auf dem Grashalm durch die Sonne wandern. Dann nehmen sie ihre Lupen und schauen sich den kälteren Raureif an. Ari erzählt: "Der Wassertropfen ist zu Eis geworden." Deshalb ist er so weiß. Und die beweglichen Tautropfen? Der Viereinhalbjährige überlegt kurz und erklärt das Phänomen dann so: "Der Wassertropfen hat sich im Sonnenstrahl bewegt, weil er so leicht ist, und die Luft hat ihn weggepustet." – "Stimmt beides!", sagt Erzieherin Gaby Müller stolz. Ari freut sich. Das hat er gelernt. Aber nicht nur er. Seine Spielgefährtin Jette ergänzt: "Mit der Lupe kann man den Eisfleck größer sehen. Wir konnten sehen, wie die kleinen Kristalle aneinanderwachsen!" ![]()
Aufwärmen im Bauwagen: Erzieherin Gaby Müller liest gleich eine Geschichte vor, und die Kinder legen als erstes Handschuhe und Mützen ab.
Das ist für die Kinder alles neu und auch ein wenig anstrengend. Deshalb ist nach dem vielen Lernen Spielen angesagt. Liv (5) greift zum Malwachs im Bauwagen. Ari schnappt sich draußen eine Kette und wirbelt damit herum. Jette fährt mit dem Kinderschubkarren durch den Matsch, und Silas, mit zweieinhalb Jahren das jüngste Kind im Waldkindergarten, "kocht" eine Matschsuppe im Kindertopf. Lesen Sie weiter: Sinneserfahrungen
Sinneserfahrungen
18 Kinder sind zurzeit im Bad Camberger Waldkindergarten, der vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurde und von einem gemeinnützigen Verein getragen wird. Am Anfang stand die Idee, den Kindern mehr Natur zu ermöglichen. Christine Schäfer, die ihr Kind zur Mittagszeit abholt, erklärt das so: "Die Sinneserfahrung im Wald ist für uns besonders wichtig. Wann haben die Kinder das sonst schon? Wenn die Schule beginnt, gibt es dafür nicht mehr diese Möglichkeiten." Beate Weller ergänzt: "Unser Robin war schon immer gerne draußen. Deshalb haben wir nach so etwas gesucht. Robin ist jetzt fünf und besucht seit zweieinhalb Jahren den Waldkindergarten. Das hat ihn gesundheitlich sicher auch ein bisschen abgehärtet." Matthias Jansen kann das nur bestätigen: "Jette hat draußen immer schnell gefroren und wollten wieder rein. Das ist hier ganz anders. Was sie bei uns nicht geschafft hat, das geht hier sehr gut. Das ganze Umfeld, der Rahmen, die Kinder, tragen mit dazu bei, dass sich alle so wohl fühlen."
So entsteht Wärme
Wenn es in Strömen regnet, haben die Kinder den gut beheizten Bauwagen. Dort wird jeden Morgen das Holz in den Ofen gesteckt. Die Kinder sehen, dass Wärme nicht vom Nichtstun kommt. Und wenn sie sich zum Geschichtenvorlesen zwischendurch im Bauwagen versammeln, gilt der erste Handgriff dem Kopf: Mützen ab! Und Handschuhe aus!
Alle Kinder sind im "Zwiebellook" angezogen. Es wird sich "entpellt", wenn es wärmer ist. Und das ist, kaum zu glauben, erst ein paar Tage her. An diesem Tag sind die beiden Nachmittags-Betreuerinnen Eter Kaya und Mariola Sobczak den Kindern begegnet. Sie kamen gerade zum Waldkindergarten zurück von einem kleinen Ausflug. Dann ist der Bollerwagen immer dabei, gefüllt mit Zweitkleidung in einem wasserdichten Sack und Wasser, das man immer mal zum Reinigen braucht. Auf dem Rückweg war der Leiterwagen voller Mützen, kleiner Jacken, Schals und Handschuhen. Die Kinder kamen in ihren Pullovern singend auf das Kindergartengelände – sie hatten einen richtig schönen, sonnigen, herrlichen Ausflug an der frischen Luft.![]()
So ein Kleiderberg entsteht, wenn sich vier Kinder im Foyer des Hotels "Waldschloß" erst einmal "entzwiebeln".
"Manchmal sehen wir eine Schafherde, manchmal bekommen wir Tipps von außen", schmunzelt Erzieherin Marion Maute. Sie erinnert sich an den älteren Herrn, der die Kinder im Wald sah. "Da vorne rennen noch welche", rief er den Erzieherinnen zu. "Ich weiß, die bleiben gleich stehen", beruhigte die Erzieherin. Die Kinder lernen nämlich, aufeinander aufzupassen, und das geht so: Wenn die Gruppe irgendetwas unternimmt, wird große Rücksicht genommen. Wenn also zum Beispiel ein Baumstamm im Weg liegt, ist es ein großer Spaß, darüber zu steigen oder zu klettern. Doch wer das nicht gleich schafft, bleibt nicht auf der Strecke. Alle Kinder warten, bis das Hindernis überwunden ist. Alle lernen gemeinsam und alle geben aufeinander acht. Das ist auch so, wenn die Gruppe zur Mittagszeit getrennt wird. Ein Kind verteilt alle Rucksäcke, dann setzen sich die Kinder, die noch am Nachmittag bleiben, hin, die anderen bleiben stehen. So weiß jedes Kind, wer dableibt, und wer nicht. "Sie lernen Eigenverantwortung und Rücksichtnahme. Und sie verbessern natürlich beim Spielen auch die Feinmotorik. Ich habe aus der Schule bisher nur Positives über unsere Waldkinder gehört", sagt Matthias Jansen, der nicht nur Vater sondern auch im Verein aktiv ist. Die Eltern sind überzeugt: Für ihre Kinder ist das genau das Richtige. Wer die kleinen so hingebungsvoll im Freien spielen sieht oder beim sehr familiären Essen im "Waldschloß" kann das nur bestätigen.



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