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Negative Folgen zu erwarten
Nassauische Heimstätte hat im Landkreis über 400 Wohnungen, Verkaufspläne für den Landanteil
Es geht um über 400 Wohnungen. Etwas über 200 in Weilburg, etwas unter 200 in Limburg. Es sind vor allem ältere Mieter und die Bezieher von geringeren Einkommen, die in ihnen wohnen. Die Eigentumsverhältnisse könnten sich bald ändern.
Limburg/Weilburg.. ![]()
Weilburgs Bürgermeister Hans-Peter Schick (l.): An eine Veräußerung der Nassauischen Heimstätte knüpfe ich keine positiven Erwartungen. SPD-Chef Tobias Eckert (r.): Die Nassauische Heimstätte hat vor allem Wohnungen für Menschen, die auf dem freien Markt nichts finden werden. Eigentümer ist die Nassauische Heimstätte (NH). An ihr ist das Land mit über 50 Prozent beteiligt. Wie lange noch? Im Dezember vergangenen Jahres räumte Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) gegenüber der FAZ Verkaufspläne für die Anteile des Landes ein. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat eine Unterschriftenaktion gegen den Verkauf gestartet, die SPD in Hessen unterstützt dieses Anliegen.
„Bei einer Veräußerung der Nassauischen Heimstätte sind negative wirtschaftliche und soziale Konsequenzen zu erwarten, da sich eine Investition bekanntlich ,rechnen’ muss“, verdeutlich der Weilburger Bürgermeister Hans-Peter Schick (parteilos) seine Position. Eine Übernahme der Wohnungen kommt für die Stadt aus finanziellen Gründen nicht in Betracht. Nach Angaben von Schick geht es in seiner Stadt um rund 240 Wohnungen. Diese in der Regel preiswerten Wohnungen würden überwiegend von Rentnern genutzt.
Aufgabe des Landes
„Die Nassauische Heimstätte hat vor allem Wohnungen für Menschen, die auf dem freien Markt nichts finden werden“, sagt Tobias Eckert, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Limburg-Weilburg und ab Jahresmitte als Nachrücker Mitglied des hessischen Landtags. Bezahlbarer Wohnraum für alle, das ist nach seiner Einschätzung auch eine Aufgabe des Landes. Deshalb gibt es von ihm auch ein klares Nein zu einem Verkauf.
In der Kreisstadt Limburg verfügt die Nassauische Heimstätte nach eigenen Angaben über 192 Wohnungen. Nach Informationen der NNP wurde eine gerade der Familie zur Verfügung gestellt, die am vergangenen Wochenende durch einen Brand in einem Mehrfamilienhaus in Blumenrod ihre Wohnung verlor.
In Limburg gibt es mit dem „Gemeinnützigen Siedlungswerk“ noch ein zweites großes Wohnungsunternehmen, das in der Region über rund 900 Wohnungen verfügt und in Limburg mit einer eigenen Geschäftsstelle vertreten ist. Hinzu kommen in der Kreisstadt noch zwei Wohnungsbaugenossenschaften.
In Weilburg ist die Situation anders, denn dort ist die NH nach Informationen der NNP als öffentliche Wohnungsbaugesellschaft die Nummer 1, auch wenn das Gemeinnützige Siedlungswerk dort auch mit Wohnungen vertreten ist.
Bürgermeister Schick macht deshalb auch deutlich, dass sich die Nassauische Heimstätte in der Weilburger Wohnungswirtschaft über Jahrzehnte bewährt habe.
Wenn das Land nun seine Anteile an der Gesellschaft verkaufen wolle, sollte es zuvor die Kommunen, die mit der NH zusammenarbeiten, am Entscheidungsprozess beteiligen, fordert Schick. „An eine Veräußerung der Nassauischen Heimstätte knüpfe ich keine positiven Erwartungen“, macht er deutlich. Ganz im Gegenteil. Er erwarte auf Dauer eine gravierende Verschlechterung der Situation für Mieter und Stadt, sollten bestimmte Interessenten als Käufer zum Zuge kommen.
Unter Wert?
Von dem Unternehmen selbst gibt es keine Stellungnahme zur aktuellen Situation. Aus dem Gewerkschaftshaus in Frankfurt sind dagegen recht klare Signale zu vernehmen. 41 Prozent der Mieterinnen und Mieter seien über 60 Jahre alt und hätten ein durchschnittliches Einkommen von 1450 Euro pro Monat. Ein Verkauf des Landesanteils bedeute einen tiefen Einschnitt in die soziale Struktur Hessens.
Nach Angaben von DGB-Sprecherin Ute Fritzl gibt es derzeit verschiedene Möglichkeiten, über die im „politischen Wiesbaden“ nachgedacht werde. Die Landesbank Hessen-Thüringen steige als Käufer mit der Option auf einen Weiterverkauf ein. Eine andere Möglichkeit seit der Verkauf vieler Wohnungen an die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG. Klar ist auf jeden Fall für den DGB, dass bei einem Verkauf Vermögen verloren gehe. Nach seiner Einschätzung liegt der Wert der Wohnungen bei rund drei Milliarden Euro. Der erwartete Erlös hingegen bewegt sich in einem dreistelligen Millionenbereich.
Nicht nur in Hessen
Nach einem Bericht der FAZ verfügt die NH über 62 500 Wohnungen an 150 Standorten im Land. Seit 2010 gibt es Bestrebungen, den Bestand zu restrukturieren und sich vor allem im strukturschwachen Nordhessen von Wohnungen zu trennen. Der Verkauf verläuft bisher jedoch schleppend.
Mit Wohnungen im großen Ausmaß auf den Markt zu gehen, ist derzeit aber nicht nur in Hessen geplant. Nach einem Bericht von Spiegel online hat sich die Landesbank Baden-Württemberg gerade von 21 000 Wohnungen getrennt und die Landesbank in Bayern will Wohnungstochter GBW mit 33 000 Wohnungen verkaufen. Für die neuen Besitzer, so die Befürchtung des Deutschen Mieterbundes, zählt vor allem die Rendite – oft zu Lasten der Mieter. j



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