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Pirat aus Überzeugung
Seit drei Jahren ist Ronald Meier bei der etwas anderen Partei und setzt auf Jugendschutz im Internet
Der Erfolg bei der Berlin-Wahl hat die Piratenpartei ins politische Scheinwerferlicht katapultiert. Bei bundesweiten Umfragen kommt die Partei auf Werte jenseits der fünf Prozent. Ronald Meier ist ein Pirat – nicht erst seit dem jüngsten Hype.
Von Anken Bohnhorst-Vollmer
Hahnstätten. ![]()
Ronald Meier trat schon vor drei Jahren der Piratenpartei bei. Foto: Bohnhorst-Vollmer Mit Säbelrasseln und Augenklappe hat das alles nichts zu tun, sagt Ronald Meier. "Ich will etwas bewegen, und das geht nur mit dieser Partei." Deshalb trat er vor drei Jahren in die Piratenpartei ein und nahm im August 2009 am Landesparteitag in Koblenz teil. Ein wenig merkwürdig sei das schon gewesen, erinnert er sich an die Veranstaltung, in der die rheinland-pfälzische Organisation der Partei "in der Findungsphase" war. Zwar habe man eine Geschäftsordnung gehabt und sich auch sonst an Regeln bestehender Parteien gehalten – aber "irgendwie chaotisch".
Außerdem entspricht Ronald Meier so gar nicht dem in der Öffentlichkeit gezeigten Bild der "Piraten". "Das sind typischerweise Freaks zwischen 20 und 30 Jahren", erklärt der 43-jährige Familienvater und betont, "ich habe mich bis dahin nie politisch engagiert." Und auch jetzt fehle ihm die Zeit, um aktiv mitzumachen. Lediglich seine Erfahrung und sein Know-how könne er den Piraten zur Verfügung stellen, um das Thema zu "entern", das Ronald Meier am meisten unter den Nägeln brennt: Die Einhaltung und Durchsetzung des "Jugendmedienschutz-Staatsvertrages".
Jugendschutz ist als Ziel
Dieser sperrige Titel, der Ronald Meier so flüssig und leicht von den Lippen geht, soll den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien gewähren. "Das Ziel muss sein, den Jugendschutz auch auf das Internet zu transportieren", formuliert er. Das aber setze voraus, dass Personen im Netz identifiziert und deren Alter verifiziert werden. Und damit kennt Meier sich aus. Denn seit Jahren arbeitet er im Marketing und Vertrieb eines Unternehmens, das sich genau hierauf spezialisiert hat. "Es darf nicht sein, dass im Internet nach wie vor jugendgefährdende Spiele heruntergeladen werden können", beschreibt er die Initialkraft, die ihn zur Piratenpartei trieb.
"Ich musste einfach meiner inneren Gesinnung Ausdruck verleihen", formuliert er. Die Familie habe das gut gefunden und unterstützt. Die Reaktionen aus dem Freundes- und Kollegenkreis seien dagegen unterschiedlich ausgefallen. "In meinem Internetprofil bei ,Xing‘ habe ich meine politische Entscheidung angegeben." Da haben einige Leute gesagt, dass politische Meinungen nicht in soziale Netzwerke gehörten. Dennoch: Für die Interessen von Ronald Meier gab es nur die damalige Splitterpartei der Piraten.
Keine Konzepte
Denn seine bisherige politische Lobbyarbeit war ohne Wirkung geblieben. Bis zu Ursula von der Leyen, der damals zuständigen Bundesministerin für Familie und Jugend, sei er gegangen, um den Jugendschutz im Internet festzudübeln. Doch die Erfahrung war ernüchternd. Seiner Meinung nach ist der Bund gar nicht an pragmatischem Handeln interessiert. Es wurde "überhaupt nicht darauf reagiert, dass die kommerziellen Anbieter im Internet den Jugendschutz zwar theoretisch verwirklichen wollen, aber praktisch eben rein profitorientiert agieren". Tatsächlich gebe es bei den etablierten Parteien keine Konzepte für Kontrollinstanzen im Netz, weil "die das Internet gar nicht verstehen."
Da seien die Piraten ganz anders, weiß Ronald Meier, der selbst seit rund 15 Jahren in der Internet-Branche tätig ist. "Es geht der Piratenpartei nicht darum, das Internet zu reglementieren, sondern zu regulieren." Dieses System funktioniere nach bestimmten Regeln, die die Piratenpartei im Gegensatz zu den anderen kenne und beherrsche, weil da "junge Menschen dabei sind, die mit dem Internet aufgewachsen sind und eine hohe Medienkompetenz haben". Deren Technik- und Kommunikationsaffinität sei das große Potenzial, aus dem die Partei schöpfen könne und das auch für Ronald Meier attraktiv ist. "Ich fühle mich repräsentiert", versichert er.
Zum Bundesparteitag
Natürlich müssten die Piraten ihr derzeitiges Parteiprogramm noch mit anderen innen- und außenpolitischen Themen anreichern, räumt Ronald Meier ein. Der derzeitige Erfolg erkläre sich auch sicher nicht allein mit den Forderungen im Internet-Bereich. "Die Piratenpartei wird im Moment aus Protest gegen die Etablierten gewählt", analysiert der Marketing-Profi. "Wer die wählt, sagt, dass er nicht zum Mainstream gehören will." So wie Ronald Meier. Er fährt im Dezember zum Bundesparteitag der Piraten nach Offenbach. Die Einladung kam per E-Mail.



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