Von Beethoven bis Piazzolla

Guter Auftakt des 5. Orchesterfestivals

Mit einem anspruchsvollen Eröffnungskonzert im Pater-Richard-Henkes-Saal der Pallottiner-Unterkirche hat am Samstag das fünfte Limburger Orchesterfestival begonnen.

Von Anken Bohnhorst-Vollmer

Limburg. Das Orchester der Justus-Liebig-Universität in Gießen unter der Leitung von Stefan Ottersbach. Foto: Bohnhorst-Vollmer. Das Großartige an Anton Dvoraks sinfonischen Dichtungen ist ihre musikalische Klarheit. Es ist Musik, die aller böhmisch-schwungvollen Romantik zum Trotz sehr geradlinig angelegt ist. Das gilt auch für das 1896 geschaffene Werk "Die Waldtaube", eine durch und durch romantische, fast kitschige Geschichte, die von einer unaufrichtigen und unglücklichen Liebe erzählt, ohne dabei musikalisch auseinander zu fallen. So beginnt die Komposition mit einem sehnsuchtsvollen Trauermarsch, den das Orchester der Gießener Justus-Liebig-Universität unter der Leitung von Stefan Ottersbach sehr ausgewogen spielte.

Breit und klangvoll ist das Ensemble aufgestellt, bei dem in diesem Konzert insbesondere die Holzbläser auffielen. Präzise und pointiert setzten diese Musiker hier die Akzente, führten das Ensemble zu gewaltigen Tutti-Passagen und boten dabei ungemein virtuose Tempi- und Dynamik-Variationen. Glänzend bei dieser Interpretation von Dvoraks "Waldtaube" waren auch die Trompeten, deren strahlender Glanz seinen Widerpart eigentlich in der Stimme der Hörner hätte finden müssen. Vielleicht waren sich die an diesem Abend nicht der akustischen Möglichkeiten des Saals bewusst und verschwammen leider allzu oft im Ungefähren.

Sehr eindrucksvoll bei diesem Ensemble ist zudem die gewaltige Präsenz der Kontrabässe. Über sieben Bässe verfügt dieses ansonsten eher kleine Orchester. Und diese Sieben präsentierten sich in dem zweiten Dvorak-Beitrag des Konzerts, der Sinfonie Nr 8 in G-Dur (opus 88), so eindringlich, als müssten sie ihre zahlenmäßige Überlegenheit anderen Registern gegenüber rechtfertigen.

Grandiose Läufe

In grandiosen Läufen brausten die Bassisten durch das Adagio des zweiten Satzes. Das Herzstück dieser Sinfonie ist indes der dritte Satz, Allegretto grazioso, eine heitere, im Walzerrhythmus schwingende Musik, bei der wiederum die Holzbläser brillierten.

Als "musikalischen Gegenpol" hatte das Universitätsorchester von Stefan Ottersbach gemeinsam mit dem jungen, sehr spielfreudigen Aramis-Trio Ludwig van Beethovens "Tripel-Konzert" in C-Dur (opus 56) vorbereitet. Interessant ist dieses Werk, weil hier der Klang eines sehr fein ziseliert auftretenden Klaviertrios (Heiner Reich, Violoncello; Martin Emmerich, Violine; Fabian Wankmüller, Klavier) mit der Fülle eines Orchesters verknüpft wird. So innig gelang dieses Miteinander, dass die Schwere von Beethovens Komposition nicht nur ein wenig abgefangen, sondern auch sehr bekömmlich vorgetragen wurde.

Mit lang anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum – und bekam schon vor der Pause eine Zugabe: Astor Piazzollas "Oblivion" für Violoncello, Violine und Klavier.

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