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Kapelle dominiert Bischofssitz 4 Kommentare
Neues Projekt am Dom soll spiritueller Ort werden Bauantrag in dieser Woche Kosten noch offen
Blick auf den Domberg. Das Bischofshaus mit Nebenräumen (3) und die Kapelle (4) entstehen auf der freien Fläche vor dem Diözesanmuseum (5). Zum Projekt gehören außerdem die alte Vikarie (1), in der Büros und Funktionsräume untergebracht werden, und das Küsterhaus (2), wo künftig Schwestern wohnen werden. Foto: Thamm
Das ebenso interessante wie sensible Projekt beschäftigt nicht nur die Verantwortlichen im Bistum seit mehr als drei Jahren: Jetzt ist das Konzept für den Bischofssitz am Limburger Dom fertig.
Limburg. Bischof Karl Klein wollte bereits im 19. Jahrhundert seinen Amtssitz an den Dom verlegen, das Domkapitel traf im Sommer 2007 die Grundsatzentscheidung, und nach langem Hin und Her soll das Vorhaben nun bis zum Frühjahr 2012 umgesetzt werden. In dieser Woche stellt das Bistum einen Bauantrag für das «Haus der Bischöfe» auf dem Domberg. Die Verantwort-
lichen legen Wert auf den Plural: «Wir bauen weit in die Zukunft», sagt Generalvikar Dr. Franz Kaspar.
Der Verwaltungschef des Bischöflichen Ordinariats (BO) stellte das Konzept gestern gemeinsam mit Diözesanbaumeister Tilmann Staudt und Pressesprecher Prof. Gernot Sydow der NNP im Beisein von Bürgermeister Martin Richard (CDU) vor. Im Zentrum des Projektes steht keineswegs das Bischofshaus, das sich mit Nebenräumen eher bescheiden eingeschossig hinter den historischen Mauern zwischen Alter Vikarie und Diözesanmuseum «versteckt», sondern eine acht Meter hohe und 85 bis 90 Quadratmeter Meter große Kapelle.
«Sakraler Charakter»
«Wir wollen den sakralen Charakter hervorheben», sagt Kaspar. Sydow spricht von einem «spirituellen Ort». Dazu soll auch eine weitere Schwesterngemeinschaft beitragen, die in das ehemalige Küsterhaus einziehen und die neuen Bistumsräume auf dem Domberg unterhalten soll. In der Kapelle soll der Bischof beten und Eucharistie feiern.
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Kommentare
gast schrieb am 09.02.2010 16:27 Uhr
Wofür???
Wäre es nicht besser, wenn der Bischhof, der sich so für die Bildung von Jungen einsetzt, stattdessen eine neue Jungenschule, oder eher gesagt Priesterschule baut, anstatt ein Anwesen mit Kapelle, aus dem keiner Nutzen zieht?!
Aber natürlich, es ist ja viel günstiger die zukünftigen Priester in der Marienschule ausbilden zu lassen!!!
Haben wir nicht schon einen Dom oder soll ganz Limburg die Privatstadt mit eigenem Spielplatz des Bischhofs werden?
Fromm schrieb am 10.02.2010 08:37 Uhr
Ein guter Versuch
mit aller Sensibilität hat man im Hinblick auf die vergangenen Monate versucht, diesen Plan der Öffentlichkeit vorzustellen. An allen Ecken und Enden dieser Präsentation wird deutlich, dass der Bischof Franz-Peter aus der Schusslinie genommen werden soll. Sicherlich: Ihm ist, insbesondere um den Fernseh-Weihnachtsgottesdienst herum, einiges an Unrecht angetan worden. Besonders auch durch Kommentare in diesem Medium.
Jetzt liegen die Fakten, liegt der Plan auf dem Tisch und die Diskussion bekommt eine objektive Grundlage.
Für mich ist es nicht einsichtig, warum der Bischof eine Privatkapelle benötigt, die acht Meter hoch ist und entsprechende Kosten verursachen wird. Das er eine Kapelle in seiner direktren Umgebung haben sollte, daran zweifele ich nicht. Aber fühlt sich der Dreieinige Gott nicht auch in einer bescheideneren, sakralen Umgebung wohl?
Hätte man nicht auch in der alten Vikarie die bischöflichen Arbeits- und Privaträume unterbringen können unter Nutzung der Küsterwohnung?
Als Mitglied eines Verwaltungsrates muss ich die Maßnahmen um "Sparen und Erneueren" umsetzen und den Gemeindemitgliedern unserer Gemeinde erklären. Wir heizen nicht mehr jeden Tag alle Räume, und das ist gut so. Die unterschiedlichen Gruppen müssen zeitlich näher zusammenrücken um das Heizen zu optimieren. Auch das ist gut so. Aber das notwendige renovierungen zurückgestellt oder abgelehnt werden, dass ist nicht gut und lässt unser "Kaptal" vor Ort verrotten.
Insofern hat das Bistum für meine Begriffe die Latte immer noch zu hoch gelegt. Weniger wäre mehr gewesen und hätte bestimmt auch zu´r breiteren zustimmung geführt. Und trotz aller Sensibilität des Generalvikars und Anderer kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass das Bauensemble auf dem Domberg Bischof Franz-Peters Handschrift trägt
gast schrieb am 13.02.2010 15:07 Uhr
Bürgermeister aller Bürgerinnen und Bürgern
Zunächst habe ich mich schon sehr darüber gewundert, dass der Bürgermeister von Limburg überhaupt (als erster) eingeladen wurde und Herr Heidersdorf eine quasi Exklusiveinladung bekommen hat. Warum wohl? Andere Zeitungen wurden, sofern ich es beurteilen kann, nicht berücksichtigt oder eingeladen. Der Bürgermeister der Stadt Limburg, der doch Verantwortung trägt für alle Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, nicht nur für den Bischof,ergreift wohl am Schluss das Wort und lobte den Entwurf von Prof. Karljosef Schattner. Der Neubau werde nicht nur den bischofssitz Limburg, sondern als Konsequenz daraus die gesamte Stadt stärken. Und dann wörtlich: "Ich hoffe, dass die kleinkarierte Diskussion über dieses Projekt endlich aufhört". Und dann weiter: "In Wiesbaden oder Frankfurt würde niemand ein Wort darüber verlieren." Völlig abgesehen davon, dass er die Dreistigkeit besitzt ein Großteil der Bürgerinnen und Bürgern einfach als "kleinkariert" abzustempeln und damit seine Verantwortung als Bürgermeister grob vernachlässigt hat, möchte ich gerne wissen was da eigentlich abgeht. Wird hier ein 'Bündnis' zwischen Rathaus/Bischofshaus geschmiedet? Was verspricht sich dieser Mann davon? Eine deutlichere 'Schleimspur' vom Rathaus zum Domberg hätte nicht gelegt werden können. Die Reaktionen in der Presse machen deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger und auch 'das Volk Gottes' so dumm nun wirklich nicht sind. Die Zukunft wird es zeigen.
Harrie schrieb am 14.02.2010 16:57 Uhr
Aus aktuellem Anlaß und ich der Überzeugung bin, nicht schweigen zu dürfen
Aus aktuellem Anlaß und weil ich der Überzeugung bin, nicht schweigen zu dürfen.
Im Evangelium kommt heute der Satz vor: „Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“ Er hat mich besonders berührt, diesen Text, und das ausgerechnet an Fasching wo Lachen, Freude und Humor im Mittelpunkt stehen. Er geht mir nicht mehr aus den Kopf heraus, er ist einfach drin, wie ein ‚Ohrwurm’. Ob es damit zu tun hat weil die katholische Kirche, eine ‚Kirche der Armen’ sollte sie sein, wieder allerorten in der Presse ist. Das Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) sollte eine Generalreform der katholischen Kirche werden und die ‚Option für eine Kirche der Armen’ sollte dabei eine zentrale Bedeutung erhalten. Das betraf vor allem dem von sozialen Gegensätze, Massenarmut, Analphabetismus und nicht zuletzt das von Diktaturen geprägten Lateinamerika. Während des Konzils hat eine Gruppe Bischöfe daraus die Konsequenz gezogen um ihre Kirche aus dem Geist des Urchristentums zu erneuern. Sie konstituierten sich als ‚Kirche der Armen’. Die Distanz zwischen Klerus und Volk Gottes sollte stark verringert werden. Sie gelobten möglichst so zu leben, wie die Menschen an der Basis auch leben und ‚allen scheinbaren und realen Reichtum’ abzulegen. Damit einher ging der Verzicht auf Titel (Eminenz, Excellenz) diese könnten nämlich soziale Macht und Prestige zum Ausdruck bringen. Von diesem Geist wurde in den Jahren nach dem Konzil auch das Bistum Limburg stark geprägt, ich denke an Bischof Wilhelm Kempf und Weihbischof Walter Kampe und nicht zuletzt an Bischof Franz Kamphaus, der Wohnung nahm im Priesterseminar. Er hätte das nicht tun müssen, er tat es und wurde dadurch, ungewollt, zum Beispiel für das ganze Bistum. Niemand im Bistum hat erwartet, dass seinen Nachfolger es genau so halten würde, es war eine ureigenste, persönliche Entscheidung von Bischof Kamphaus. Mit Papst Johannes Paul II setzte eine Gegenreform ein, obwohl viele Beschlüsse des Konzils überhaupt noch nicht um gesetzt wurden, er behielt allmählich die Überhand und wurde dabei kräftig unterstützt durch den damaligen Kardinal Josef Ratzinger. Eine stark konservative päpstliche Personalpolitik prägte seitdem die Leitungsstrukturen der kath. Kirche und hat inzwischen mit Papst Benedikt XVI einen deprimierende und erschreckende Höhepunkt erreicht. Wozu diese kontinuierliche Entwicklung geführt hat müssen die Christinnen und Christen in unserem Bistum in den letzten Jahren äußerst schmerzhaft erfahren und spüren. Dabei darf nicht ‚sträflicherweise’ übersehen werden, dass das Bistum Limburg durch seine Synodalordnung und Kirchenstrukturen geprägt ist wie kaum ein anderes Bistum. Wenn die Synodalstruktur im Bistum Limburg, was kaum jemand will, aufgehoben werden sollte, werden die Folgen fatal sein. Dann hätte die alte, kirchliche Hierarchie vollends über die Volkskirche, und nicht zuletzt über die Ziele des Zweiten Vatikanischen Konzils, gesiegt und würde die Kirche, zur Sekte werden. Wer den Glauben (und sogar auch die katholische Kirche) noch etwas bedeutet muss für seine christliche Überzeugung Zeugnis ablegen. Ob es passt oder auch nicht. Das muss jede und jeder einzelnen mit seinem Gewissen ausmachen und zwar so, dass er morgens noch in den Spiegel schauen kann.
Im Internet entdeckte ich den Text: Matthäus 23 - heute. Daraus möchte ich kurz zitieren:
„Wehe euch, ihr Päpste und Bischöfe, die ihr euch auch nach 2000 Jahren noch so verhaltet, wie die Hohenpriester damals. (Mt. 23,3; 9-10) Ihr Toren und Blinden!
Wehe Euch, ihr Kardinäle und Bischöfe, die ihr die Götzen der Macht und der Kirchensteuern anbetend in euren Palästen sitzt und schön Abstand haltet von den Kranken, den Armen, den Schwachen.“ (Text von Norbert Piechotta).
Mit diesem Zitat meine ich nicht nur die Päpste und Bischöfe, ich möchte das ausdrücklich betonen, ich meine damit uns allen, die wir uns Christin und Christ nennen, denn ‚wir alle sind Kirche’, und somit tragen wir alle für das, was in unserer Kirche geschieht, Verantwortung.
Pfarrer Hubertus Janssen
Eschhofen