Der Pirat geht über die Planke

Nach nur acht Monaten ist das Experiment mit Holger Stanislawski in Hoffenheim gescheitert

Der als Sympathieträger geholte Stanislawski ist in Hoffenheim entlassen worden. Nachfolger Babbel soll heute unterschreiben.

Hoffenheim. Sie geben sich wohl die Hoffenheimer Klinke in die Hand: Holger Stanislawski (re.) mit seinem voraussichtlichen Nachfolger Markus Babbel. Foto: dapd Holger Stanislawski kam mit dem Image des liebenswerten Piraten aus St. Pauli – doch schon im ersten Sturm lässt der allmächtige Dietmar Hopp seinen Trainer bei 1899 Hoffenheim über die Planke laufen. Nach rund acht Monaten beendete der Mäzen das Experiment mit seinem Sympathieträger vom Kiez, der das sterile Bild des Retortenvereins aufpeppen sollte. "Stani" muss nach dem Pokal-Aus gegen Zweitligist Greuther Fürth (0:1) gehen. Zurück bleibt ein Club in der Krise, der ein chaotisches Bild abgibt und mit Markus Babbel als Nachfolger verhandelt.

Heute soll der erst am 18. Dezember bei Hertha BSC entlassene Trainer bereits vorgestellt werden und am Samstag gegen Bremen auf der Bank sitzen. "Ich gehe davon aus, dass wir morgen einen Vertrag unterschreiben", sagte Manager Ernst Tanner am Donnerstagabend. "Wir schätzen Holger Stanislawski als Menschen und als fachkundigen Trainer", hatte er in der offiziellen Trennungsmitteilung betont und angefügt: "Nach einem langen, konstruktiven Gespräch mit ihm sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, die Zusammenarbeit zu beenden. Die jüngsten sportlichen Entwicklungen waren hierfür ausschlaggebend."

Der Mäzen sägt selbst

An Stanislawski gesägt hatte zuletzt vor allem Mäzen Dietmar Hopp, der sich immer kritischer äußerte und so das Meinungsbild in den oberen Etagen des immerhin auf dem achten Tabellenplatz liegenden Bundesligisten prägte. "Es ist schwer, eine Linie zu erkennen. Bei Ralf Rangnick war zu sehen, dass er ein Pressing spielte", hatte der 71 Jahre alte Milliardär vor der Pokalpartie gekrittelt. Zudem fragte sich Hopp, ob "die Spieler die Köpfe freihaben" oder "die Kraft fehlt". Das war schon das finale Urteil.

Bereits kurz nach dem Spiel gegen Fürth verweigerte Tanner Stanislawski – im Gegensatz zu den Spielern – die Rückendeckung. Ja, man habe eine "kämpfende Mannschaft" gesehen. Aber: "Unterm Strich ist wenig Produktives aufs Tor gekommen." Nicht das erste Mal, dass sich zwischen den Zeilen heraushören ließ, dass das Verhältnis zwischen Stanislawski und der Führungsriege irreparabel beschädigt war. Letztlich scheiterte der Hamburger Kult-Coach an der speziellen Hoffenheimer Clubkultur.

Das Verhältnis zu den Profis war hingegen wohl intakt. "Meine Enttäuschung ist groß, vor allem, weil wir als Mannschaft mit Ergebnissen dafür sorgen wollten, dass wir weiter zusammenarbeiten können", sagte Verteidiger Andreas Beck. Auch der große Zuspruch der Fans konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Vor der Partie hatten sie mit Sprechchören und Spruchbändern Stanislawski ihre Unterstützung zukommen lassen, nach der Begegnung forderten sie ihn lautstark auf, vor die Kurve zu treten.

Stanislawski ging einige Schritte auf den Anhang zu, um dann doch winkend und mit enttäuschtem Blick abzudrehen – sein Abschiedsgruß. "Natürlich freut es einen, wenn die Zuschauer ein Gespür für die Situation haben", sagte er. Sichtlich schwer war ihm im Sommer der Abschied vom FC St. Pauli, dem Club seines Herzens, gefallen. Der Abgang in Hoffenheim verlief weit weniger sentimental.sid/dpa

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FC Augsburg – Hamburger SV
1:0
Hannover 96 – 1. FC Kaiserslautern
2:1
Hertha BSC Berlin – TSG 1899 Hoffenheim
3:1
VfB Stuttgart – VfL Wolfsburg
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