Jan Ullrich gibt Kontakt zu Fuentes zu

Der CAS hat Jan Ullrich wegen Dopings schuldig gesprochen. Die erwartete Doping-Beichte blieb jedoch zunächst aus. Immerhin gab der Toursieger von 1997 erstmals zu, dass er Kontakt zu dem mutmaßlichen Dopingarzt Fuentes hatte.

Von Andreas Zellmer und Manuel Schwarz

Der ehemalige Radsport-Star Jan Ullrich rückt nach dem Urteil ein bisschen mit der Wahrheit heraus. Lausanne. Die ganze Nation lag ihm einst zu Füßen, jetzt bestätigte der CAS am Donnerstag: Jan Ullrich war ein Doper. Knapp 12 Stunden nachdem das Urteil gefällt war, meldete sich Ullrich zu Wort. In einer Erklärung auf seiner Homepage bestätigte der 38-Jährige erstmals, Kontakt zum umstrittenen spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gehabt zu haben. Allerdings gab der einzige deutsche Tour-Sieger (1997) nicht direkt zu, gedopt zu haben.

"Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich bei allen aufrichtig entschuldigen - es tut mir sehr leid", schrieb der Wahl-Schweizer. Den Beweis für den Kontakt hatte die Staatsanwaltschaft Bonn allerdings schon vor fünf Jahren erbracht.

Er kündigte an, den CAS-Spruch nicht anzufechten. "Nicht, weil ich mit allen Punkten in der Urteilsbegründung übereinstimme, sondern, weil ich das Thema endgültig beenden möchte", betonte er in der kurz vor Mitternacht veröffentlichten Erklärung. "Persönliche Konsequenzen habe ich ja bereits 2007 mit dem Rücktritt vom Profiradsport gezogen."

Ullrich beschrieb in der Erklärung auch den Druck, unter dem er 2006 stand: "Ich wollte für die Tour 2006 nochmal alles rausholen. Nach meinem Toursieg 1997 und fünf zweiten Plätzen war der Druck der Öffentlichkeit, der Sponsoren und auch mein Eigendruck immens groß. Alle wollten einen zweiten Toursieg, besonders nach dem Rücktritt von Lance Armstrong", sagte er.

Nach seiner Suspendierung kurz vor dem Tour-Start 2006 fühlte er sich überfordert. "Die ganze Welt wollte mich an die Mauer stellen und dann bin ich instinktiv in Deckung gegangen, habe mich erst mal zurückgezogen", meinte er. "Ich wollte schon damals, kurz nach meiner Suspendierung, den Fehler, den ich gemacht habe, öffentlich eingestehen, aber mir waren die Hände gebunden." Auf Anraten seiner Anwälte habe er zu den Vorwürfen geschwiegen. Seine spätere Burnout-Erkrankung sei auch Folge des Drucks gewesen.

Weitere Statements, die über die Erklärung hinausgehen, will Ullrich nicht mehr abgeben. "Für mich ist damit das Kapitel meiner aktiven Radsportkarriere endgültig abgeschlossen und ganz persönlich ist es für mich und meine Familie das Ende einer über Jahre hinweg schwierigen Zeit."

Fünf Jahre nach seinem Rücktritt war der ehemalige Radsport-Held am Donnerstag vom CAS überführt worden, Blutdoping betrieben zu haben. Ihm wurden sämtliche Erfolge vom 1. Mai 2005 bis zu seinem Karriereende aberkannt. Zudem sperrte der Internationale Sportgerichtshof CAS den Wahl-Schweizer für zwei Jahre bis 21. August 2013. Der CAS hatte sein Strafmaß mit den erwiesenen Verstrickungen Ullrichs in die Affäre um Fuentes begründet - die schon die Staatsanwaltschaft Bonn 2007 mit einem positiven DNA-Abgleich offengelegt hatte.

Mit dem Eingeständnis, Kontakt zu Fuentes gehabt zu haben, will Ullrich einen Schlusspunkt unter seine seit vergangenem Jahr vorsichtig versuchte Resozialisierung. Nachdem er 2010 an Burnout erkrankt war, hatte er sich behutsam zurück in die Öffentlichkeit getastet. Einen Tag vor dem Urteil wirkte der dreifache Familienvater auf einem PR-Termin in Bielefeld bei seinem neuen Werbepartner Alpecin ("Doping für die Haare") sogar so gelöst, wie man ihn aus aktiven Zeiten nicht kannte.

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