Die Titelseite der Nassauische Neue Presse vom 27.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Ein schlechter Start ins digitale Zeitalter
Wenn er Freunde besucht, versteckt er seine ausgemusterten Töpfe bei ihnen im Schrank. Seiner Tochter macht er kein Frühstück und behauptet, sie dadurch auf das Leben vorzubereiten. Trotzdem mag man Evers. Mit feiner Ironie nimmt der schnoddrige Erzähler nämlich nicht nur seine Mitmenschen, sondern sich selbst aufs Korn. So muss man den faulen und bisweilen verantwortungslosen Antihelden ins Herz schließen.
Mit kindlicher Bewunderung beschreibt der Erzähler den Prototyp eines modernen Bahnreisenden, der gleichzeitig telefoniert, Emails checkt, isst und Zeitungen durchsieht. Evers befindet: «Für das, was dieser Mann allein während des Einsteigens in einen Zug macht, brauche ich ungefähr anderthalb Wochen.»
Horst Evers hatte einen schlechten Start «in dieses Zeitalter des Internets», wie er schreibt. Als er zum ersten Mal seinen Namen googelte, schlug ihm die Suchmaschine «worst ever?» vor. Seine Geschichten machen Spaß, weil sie mitten aus dem Leben gegriffen sind. Stellenweise bewegt er sich jedoch an der Grenze zum Klamauk etwa wenn er sich bei einem Arztbesuch vorstellt, dass ihm «plötzlich Feenflügel aus der Nase wachsen».
Horst Evers: «Für Eile fehlt mir die Zeit». Rowohlt, Berlin, 160 Seiten, 14,95 Euro


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