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Ausgebrannt - Diesel wird für Neuwagenkunden unattraktiver

Seit der Abgasskandal bekannt wurde und die Städte sich ihrer Schadstoffbelastung bewusst werden, ist das Image des Diesels im freien Fall und mit ihm die Zulassungszahlen. Wer ein neues Auto kauft, sollte deshalb gut überlegen, auf welchen Antrieb er setzt.
Heißes Eisen Diesel: Viele Verbraucher sind verunsichert - was ist zu tun? Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn Heißes Eisen Diesel: Viele Verbraucher sind verunsichert - was ist zu tun? Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn

Flensburg(dpa/tmn) - Die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg sprechen eine deutliche Sprache. Im ersten Halbjahr 2017 ist der Anteil der Diesel-Zulassungen auf 41,3 Prozent gesunken. Haben die Selbstzünder früher noch den Markt dominiert, sind ihre Zulassungen mittlerweile im freien Fall.

Während das KBA für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zwei- und dreistellige Zuwachsraten meldet und die Benziner immerhin um 11,7 Prozent zulegen, haben die Ölbrenner 9,1 Prozent verloren.

Aus gutem Grund, sagt Hans-Georg Marmit: „Erst der Abgasskandal, dann die drohenden Fahrverbote in den Innenstädten zum Beispiel in Stuttgart, Hamburg oder München und dann noch die Diskussion um die blaue Plakette - das hat zu einer massiven Verunsicherung der Verbraucher geführt”, sagt der Experte von der Sachverständigenorganisation KÜS in Losheim am See.

Langfristig hegt mittlerweile kaum mehr jemand Zweifel daran, dass erst die Tage des Diesels und dann womöglich auch die der Benziner gezählt sind. Doch wird dieser Prozess noch Jahrzehnte dauern. Und selbst progressive Marken wie Volvo, die vor ein paar Wochen den Abgesang auf die Verbrenner angestimmt haben, rudern mittlerweile wieder zurück und präzisieren, dass sie die aktuellen Aggregate sehr wohl weiter einsetzen und modernisieren, jedoch keine neuen Diesel mehr entwickeln werden, sagt Lutz Stiegler aus der Motorenentwicklung. Wie es kurzfristig mit dem Diesel weitergeht, ist deshalb nur schwer abzuschätzen.

Mit konkreten Ratschlägen tun sich die Experten aus diesem Grund schwer. Doch mahnen sie generell zu überlegtem Handeln. „Wer früher beim Neuwagenkauf wie selbstverständlich zum Diesel gegriffen hat, sollte jetzt lieber zweimal darüber nachdenken”, sagt Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Wer auf dem Land wohnt, lange Strecken fährt und sein Auto lange behält, für den könne der Selbstzünder womöglich auch weiterhin die erste Wahl bleiben. Doch für Großstädter, Kurzstreckenfahrer und Menschen, die jedes Jahr ein neues Auto kaufen, seien andere Antriebe womöglich die bessere Alternative, sagt der Experte.

Dabei darf man nicht nur an den Kauf und die Benutzung denken, sondern muss auch den Widerverkauf berücksichtigen, sagt KÜS-Experte Marmit. Denn auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt haben der Dieselskandal und die drohenden Fahrverbote schon ihre Spuren hinterlassen.

Zwar registriert der Marktbeobachter DAT aus Ostfildern noch keine nennenswerten Preisunterschiede zwischen gebrauchten Benziner und Dieseln. Doch stünden die Selbstzünder im Schnitt 14 Tage länger, bis sie einen neuen Besitzer fänden.

Außerdem rechnen die Experten mit einem drohenden Überangebot: „Etwa ein Viertel aller Dieselfahrer will sich schneller als sonst vom eigenen Pkw trennen, weil Unsicherheit bei drohenden Fahrverboten oder Angst vor Wertverlust herrscht”, schreibt das Unternehmen in seinem „Dieselbarometer”.

Des einen Leid ist jedoch auch des anderen Freud: Selten waren gebrauchte Dieselfahrzeuge so billig zu bekommen wie heute. Wer also für kleines Geld ein sparsames Langstreckenfahrzeug sucht und keine Gedanken an Restwerte oder langfristige Einschränkungen verliert, kann jetzt echte Schnäppchen schießen.

Weiter einen Diesel kaufen, lieber auf Benzin oder Gas wechseln oder doch gleich ein Elektroauto nehmen - fürs Erste muss das noch jeder selbst entscheiden und dabei genau abwägen, was ihm wichtiger ist. Sein Gewissen oder sein Geldbeutel, sagt Marmit. Denn selbst wenn nicht alle dem Selbstzünder eine so deutliche Absage erteilen wie Volvo-Chef Hakan Samuelsson, haben die ersten Hersteller ihre Entwicklungsbudgets bereits umgeschichtet.

(Von Thomas Geiger, dpa)
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