E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 14°C

Der elegante Mercedes 500 K Spezialroadster

Gemessen an Rolls-Royce und Bentley ist ein Mercedes heute fast schon gewöhnlich. Technisch vielleicht weiter als die Briten, fehlt selbst der S-Klasse das letzte Quäntchen Prestige. Vor 80 Jahren war das noch anders, wie der 500 K beweist - er galt damals als Nonplusultra.
Der mächtige Kühlergrill steht steil im Fahrtwind und üppige Kotflügel wölben sich über den Rädern. Foto: Constantin von Kageneck/Daimler AG Foto: dpa Der mächtige Kühlergrill steht steil im Fahrtwind und üppige Kotflügel wölben sich über den Rädern. Foto: Constantin von Kageneck/Daimler AG
Stuttgart. 

Als der 500 K auf der Automobilausstellung 1934 in Berlin als „Sonderanfertigung für hohe Geschwindigkeiten” präsentiert wurde, lockte er die Reichen und Schönen.

Mit Preisen ab schier unvorstellbaren 28.000 Mark mit einer bis dahin ungekannten Kombination aus Fahrkomfort und Leistungsstärke - und einem Grad an Individualisierung, den heute nicht einmal Rolls-Royce oder Bentley bieten können, zog der 500k die Aufmerksamkeit auf sich. „Denn jedes Exemplar des 500 K wird einzeln angefertigt und bis ins Detail auf die Kundenwünsche zugeschnitten”, kann man im Mercedes-Museum nachlesen und erfährt dabei von einer Manufaktur, die insgesamt acht Karosserievarianten in petto hatte.

Schon als Limousine, Cabriolet oder als offener Tourenwagen war der 500 K ein absoluter Blickfang. Doch die mit Abstand spektakulärste, eleganteste und natürlich teuerste Version ist der Spezialroadster. Diese Eleganz ist offenbar für die Ewigkeit gemacht.

Denn auch heute dreht sich nach dem über fünf Meter langen Luxusliner alles um: Die Scheinwerfer riesig, der Kühler stolz im Wind, die Motorhaube schier endlos lang und die Kotflügel so luftig und schwungvoll wie ein Ballkleid im leichten Wind. 1935 gebaut und nach New York geliefert, funkelt das braune Prunkstück im Cockpit wie die Auslage eines Juweliers. Mittig zwischen Fahrer und Passagier befinden sich fünf Rundinstrumente, die in einem Chromring gefasst und in einem Cockpit aus Perlmutt installiert sind. Neben Drehzahlmesser, Tankuhr, Tacho und Öldruck blickt man auf drei Kontrollleuchten und Blinkerhebel. Kinder oder Schwiegermütter reisen weniger feudal auf zwei Notsitzen, die unter einer Klappe im Heck verborgen sind.

Gestartet wird nach dem Einschub eines winzigen Schlüsselchens, dann zieht man den Choke und drückt kurz den Knopf neben dem Lenkrad. Dann grummelt von Ferne der mächtige Achtzylinder, und die Kolben beginnen langsam durch fünf Liter Hubraum zu stampfen. Im Dauerbetrieb mobilisieren sie immerhin 74 kW/100 PS. Überwindet man einen leichten Druckpunkt im Gaspedal, schaltet sich kurz ein Kompressor zu und erhöht die Leistung unter lautem Geheule auf 118 kW/160 PS.

Während die Vorgänger komplizierte Kraftfahrzeuge waren, an deren Steuer man sich eher wie ein Maschinist gefühlt hat und beim Fahren noch richtig arbeiten musste, ist der Mercedes fast so unkompliziert wie ein modernes Auto. Klar ist die Lenkung etwas schwergängig, der Wendekreis groß wie bei einem Ozeandampfer, und die Bremsen erfordern eine gewisse Weitsicht. Aber das Fahrwerk ist tatsächlich extrem komfortabel, und das Getriebe wechselt seine drei Gänge reibungslos.

Wer genügend freie Bahn hat, der kann auch einen Schnellgang einlegen. Dann sind bis zu 160 km/h möglich, sagt Michael Plag, der im Classic-Center von Mercedes die Vorkriegsautos betreut. Dann wird der Spezialroadster zum Autobahn-Kurier und erreicht Geschwindigkeiten, von denen man damals selbst in Sportwagen nur träumen konnte. Heute müsste man dafür weit über 300 km/h fahren, bringt Plag das Rekordtempo des Roadsters in Relation.

Doch Vorsicht: Erstens braucht man ein bisschen Auslauf, wenn man aus dem Schnellgang wieder zurückschalten will. Und zweitens sollte man den 500 K nur mit Samthandschuhen anfassen. Vor allem, wenn einem Plag kurz vorher erzählt hat, wie rar und wertvoll der Roadster ist.

Denn viel mehr als 30 Exemplare seien zwischen 1934 und 1936 nicht gebaut worden. Und wie viele davon überlebt haben, wisse so recht keiner. Zumal in den vergangenen Jahren immer wieder Fälschungen aufgetaucht seien: Insgesamt kommt der 500 K laut Mercedes in seinen drei Jahre Laufzeit über alle acht Karosserievarianten zusammen nur auf eine Produktion von 342 Einheiten. Gehandelt werde der Spezialroadster deshalb kaum. Und falls doch mal einer versteigert werde, würden schnell zweistellige Millionensummen fällig: „Das letzte Mal fiel der Hammer bei über 15 Millionen Dollar”, sagt Plag.

(Von Thomas Geiger, dpa)
Bilderstrecke Der elegante Mercedes 500 K Spezialroadster
Der mächtige Kühlergrill steht steil im Fahrtwind und üppige Kotflügel wölben sich über den Rädern. Foto: Constantin von Kageneck/Daimler AGIns Lenkrad des sportlichen Spezialroadsters griffen seinerzeit nur die ganz Reichen und Schönen.Achtzylinder mit fünf Litern Hubraum für 74 kW/100 PS im Dauerbetrieb. Foto: Constantin von Kageneck/Daimler AG
Zur Startseite Mehr aus Auto & Verkehr

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen