Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Die Traumfabrik

Bilder >

Unter all den automobilen Stars und Sternchen auf der Los Angeles Auto Show wirkt der Mazda CX-3 irgendwie ein bisschen deplatziert. Eine knappe halbe Stunde vom berühmten Walk of Fame entfernt, erstrahlen Downtown bei der Automesse im Convention Center nämlich vor allem jene Karossen im Scheinwerferlicht, die für Lust und Luxus, Leistung und Leidenschaft stehen: Sportwagen, edle Limousinen und SUVs, deren Opulenz sich gleichermaßen in hohen PS-Zahlen wie horrenden Preisen ausdrückt.

Die Motorshow in L.A., die an zehn Ausstellungstagen bis zum 30. November wieder rund eine Million Besucher anlocken soll, ist eben auch Hollywood. Eine Traumfabrik, in der die meisten der hier gezeigten Debütanten für den flanierenden Autofan unerschwinglich bleiben werden. Auf den Mazda CX-3 trifft das eben nicht zu. Vielmehr ist das kompakte SUV, aus einem weniger verklärten deutschen Blickwinkel heraus betrachtet, eine der interessantesten Weltpremieren in der kalifornischen Mega-City.

Mazda CX-3: Potenzial
zum Bestseller

Der Japaner tritt nämlich hierzulande, wenn er im kommenden Juni in den Handel kommt, in einem Segment an, das wächst und wächst und wächst. Er spielt in der gleichen Liga wie etwa der Opel Mokka, nur dass er längst nicht so rustikal, sondern sportlich schick zu attraktiven Preisen, die deutlich unter 20 000 Euro beginnen sollen, auf Kundenjagd geht. Und Vieles spricht dafür, dass der CX-3 seinen größeren Bruder CX-5 als Bestseller im internen Mazda-Ranking ablösen könnte, ohne diesen groß zu kannibalisieren. Denn neben dem anerkanntermaßen besten Design unter allen Japanern kann das neue Kompakt-SUV mit einer breiten Vielfalt punkten: Front- und Allradantrieb sind in allen Varianten mit Handschalter und Automatik kombinierbar, es gibt eine ganze Liste von Assistenzsystemen, die in dieser Klasse nicht selbstverständlich sind, und effiziente Skyactiv-Motoren (ein 2,0-Liter-Benziner mit 120 oder 150 PS, ein 1,5-Liter-Diesel mit 105 PS) sorgen für flottes Vorankommen ebenso wie für einen sparsamen Umgang mit dem Sprit.

Für Lust und Leidenschaft steht der Mazda CX-3 also durchaus, ebenso wie seine mit auf der Bühne stehende Neuauflage des Roadsters MX-5. Für Luxus und Leistung dagegen stehen eher all die vornehmlich deutschen Debütanten rings umher.

Mercedes etwa überlässt das Podium voll und ganz seinen Submarken: Dem altbewährten Haustuner AMG, der auch wegen seines Hauptabsatzmarktes Kalifornien von Verkaufsrekord zu -rekord eilt und mit dem GT-Sportler die Blicke auf sich zieht. Und dem neuen Ableger Mercedes-Maybach, der mit einer nochmals um 20 Zentimeter gestreckten Langversion der S-Klasse einen neuen Versuch unternimmt, den Namen des genialen Motorkonstrukteurs Wilhelm Maybach in der Luxusklasse zu etablieren. Der S600-Maybach ist mit einem 530 PS starken V12-Zylinder ausgerüstet und wird ab kommendem Februar ausgeliefert. Mit Preisen, die unter 200 000 Euro beginnen, tritt er immerhin eine Preisklasse tiefer an als die 2012 eingestellten Maybach-Limousinen.

Ordentlich auf den Putz hauen auch BMW und Porsche. Hier sind es die 575 PS starken M-Varianten der in den USA sehr beliebten SUV-Brummer X5 und X6, dort die GTS-Version des Cayenne und des Klassikers 911 (siehe eigener Artikel). Selbst VW lässt sich nicht lumpen und verwandelt den Praktiker Golf Variant als R-Modell in einen Eiltransporter mit 300 PS.

Audi hingegen beschränkt sich auf eine Studie, die allerdings nicht weniger von Schaulustigen umlagert ist: Der Prologue, der auch Vorbote eines A9 Coupés ist, gibt einen Ausblick auf die künftige Designlinie der Ingolstädter, außen mit einem leicht veränderten Singleframe-Kühlergrill und innen mit einem neuartigen Cockpit. Mit Ausnahme des Startknopfs werden hier alle Funktionen nur noch per Touchscreen angesteuert, das sich über das gesamte Armaturenbrett bis hin zum Beifahrer hinzieht.

Die Sache mit der
Brennstoffzelle

Ach ja, und dann wäre da noch die Sache mit der Brennstoffzelle. Die USA, respektive Kalifornien, haben bekanntlich die strengsten Abgasvorschriften. So gehören hier paradoxerweise, trotz ebenso strenger Tempolimits, zwar einerseits die PS-stärksten Sportler zum alltäglichen Straßenbild, andererseits belegen die hohe Hybrid-Dichte – jedes zweite Taxi hier etwa ist ein Toyota Prius – und der Zuwachs von Elektroautos das Bemühen um emissionsarmes Fahren.

Toyota hatte schon im vergangenen Jahr angekündigt, verstärkt auf Stromer zu setzen, die Wasserstoff tanken und diesen via Brennstoffzelle in elektrische Energie umwandeln. In L.A. debütiert jetzt der serienreife Mirai (siehe eigener Artikel), weshalb sich einige der medialen Zeigefinger schon wieder auf Volkswagen richten. Unter dem Motto: Wird wie beim Hybrid schon wieder eine Entwicklung verpennt?

Golf Hymotion und Audi A7
h-tron als Demonstration

So enthüllt der VW-Konzern deshalb gleich zwei Demonstrationsobjekte, den VW Golf Hymotion und den Audi A7 h-tron. Der eine mit „normaler“ Brennstoffzellen-Technik, der andere als aufwendiger Plug-in-Hybrid, der neben der Brennstoffzelle noch über einen wiederaufladbaren batterieelektrischen Antrieb verfügt, um über eine Boost-Funktion dem A7 eine sportlichere Dynamik zu verpassen. Beide Fahrzeuge überzeugten bei Probefahrten in Los Angeles und bewiesen, dass die Technik nicht das Problem ist. „Wir können die Brennstoffzelle jederzeit in jedem unserer Fahrzeuge einsetzen“, sagt VW-Pressesprecher Peter Thul. „Probleme bereitet die Infrastruktur.“ Derzeit gebe es gerade einmal 13 Tankstellen in ganz Deutschland, und hohe gesetzliche Auflagen für Wasserstoff-Zapfsäulen ließen ein einigermaßen akzeptables Netz auch auf lange Sicht kaum möglich erscheinen. Deshalb setze man auf batterieelektrischen Antrieb und Plug-ins.

In L.A. dominiert eh der konventionelle Antrieb. Und zwar ohne Zurückhaltung . . .

Michael Lennartz

Zur Startseite Mehr aus Auto & Verkehr

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse