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Erste Ausfahrt mit Wasserstoff

<span></span> Foto: Ingo Barenschee (Volkswagen AG)

Man hört gleichsam das Rauschen im Walde: Hyundai und Toyota bieten jetzt in Serie gebaute Elektro-Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb an, und schon raschelt es im Busch. Als nächster Hersteller steht Honda zum Serienstart mit der Brennstoffzelle bereit: Die viertürige Limousine FCX Clarity mit 136-PS-Elektromotor befindet sich seit einigen Jahren in der Erprobung und soll noch 2015 auf den Markt kommen.

Und wo bleiben die Deutschen? Wie schon beim Hybridantrieb hecheln sie hinter der Konkurrenz aus Asien her. Dabei verfügt Mercedes bereits über eine Testflotte von knapp 100 B-Klasse-Fahrzeugen mit Brennstoffzelle und 136-PS-E-Motor – drei davon fuhren 2010 über vier Kontinente hinweg 30 000 Kilometer weit, um die Zuverlässigkeit des Antriebskonzepts zu beweisen. 2015 sollte die Serienproduktion anlaufen, dann wurde eine Kooperation mit Ford und Nissan beschlossen und auf einmal hieß es: 2017.

In noch weiterer Ferne sind die nächsten Beiträge aus Deutschland zu erwarten. Unter Zugzwang geraten zauberte Audi flugs einen A7 h-tron genannten Prototypen aus dem Hut, dessen Brennstoffzelle einen jeweils 116 PS starken Elektromotor pro Achse mit Strom versorgt. Und VW präsentierte auf die Schnelle Fuel-Cell-Konzeptfahrzeuge auf Basis von Golf Variant und Passat, die 136 Elektro-Pferde mit Wasserstoff füttern. Unter dem Motto: Technisch können wir’s, es macht nur noch keinen Sinn.

BMW wiederum hatte zu Beginn des Jahrtausends 100 Siebener gebaut, deren V12-Benzinmotor auch mit Wasserstoff gespeist werden konnte – ohne Brennstoffzelle. Dieses Konzept ist jedoch ad acta gelegt, die Bayern haben stattdessen eine Kooperation mit Brennstoffzellen-Pionier Toyota geschlossen. Der Nachteil: Vor 2020 darf BMW kein eigenes Fahrzeug mit dieser Technologie auf den Markt bringen. Lauter deutsche Zukunftsmusik mithin, während Japan und Korea schon die erste Geige spielen.

Science Fiction
gegen SUV

Bleiben wir also im Hier und Heute. Wobei der Toyota Mirai seinem Namen (auf Deutsch: Zukunft) alle Ehre macht und eher aussieht, als käme er aus dem Morgen – Mr. Spock vom Raumschiff Enterprise lässt grüßen. Auch die Gestaltung des Cockpits verlangt dem Perry Rhodan der Neuzeit etwas Eingewöhnung ab. Ansonsten wartet das UFO auf vier Rädern mit viel Platz auf vier bequemen Ledersesseln, zahlreichen Assistenzsystemen und Komfortfeatures auf. Unter der Haube arbeiten Brennstoffzelle und E-Motor Hand in Hand. Die 154 Pferde stehen gut im Futter und sorgen bei einer Spitze von knapp 180 km/h für ordentliche Fahrleistungen. Dass eine 1,9 Tonnen schwere Limousine mit dem Fokus auf Komfort auch in Kurven nicht unbedingt als Rennwagen hergenommen werden sollte, liegt dagegen auf der Hand.

Einen ganz anderen Ansatz wählte Hyundai. Wo Toyota rund um den Antrieb gleich ein eigenes Auto baut – ähnlich wie einst beim Hybrid-Debütanten Prius –, da transferieren die Koreaner die neue Technik mit dem ix35 in ein bekanntes Serienmodell. Ergo findet man sich auf Anhieb zurecht. Und man weiß bei einem SUV von vornherein, dass es viel Platz gibt, allzu viel sportlicher Elan aber eher nicht zu erwarten ist. Es geht denn auch nicht ganz so stürmisch los, wie man es von anderen E-Autos kennt, aber trotzdem flott voran bis etwa 120 km/h, danach wird es bis zur Spitze von 160 km/h zäh.

500 Kilometer weit
elektrisch fahren

Das Beste aber: Man fährt angstfrei elektrisch. Mehr als Summen ist nicht zu hören, ehe Fahrtwind und Abrollgeräusche auch das übertönen – und trotzdem braucht man nicht ständig besorgt auf den Reichweitenzähler zu starren, wie man es sich bei batteriegespeisten Elektroautos nun mal leider angewöhnen muss. 500 Kilometer am Stück sind mit Mirai und ix35 Fuel Cell bei einem Verbrauch von rund einem Kilo Wasserstoff auf 100 Kilometer durchaus drin. Das Stöffchen kostet derzeit knapp zehn Euro pro Kilo, ist auf 100 Kilometer gerechnet also nicht teurer als Benzin. Das Tanken an sich geht unproblematisch über die Bühne – nur muss man eben erst mal eine Tankstelle finden.

Für Otto Normalverbraucher ergeben diese Autos auch aufgrund der hohen Anschaffungskosten ohne staatliche Förderung (noch) keinen Sinn. Sie zeigen aber, dass schon heute geht, was morgen notwendig ist.

Und vielleicht müssen wir ja nicht warten, bis die weltweiten Öl- und Erdgasvorräte erschöpft sind, ehe ausreichend Tankstellen zur Verfügung stehen und Wasserstoff mit Hilfe regenerativer Energiequellen hergestellt wird. Wo das geschehen wird, ist allerdings auch klar: Genug Wüsten zum Bau von ausreichend vielen Solarkraftwerken bieten wieder genau jene Länder, die heute Öl und Gas liefern. Und ob sie Öl, Erdgas oder Wasserstoff durch die Pipeline jagen, dürfte den Scheichs egal sein. So gesehen bleibt eben doch alles beim Alten.

Matthias Huthmacher

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