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Fahrpause: So klappt die Rückkehr hinters Steuer

Führerschein ja, Autofahren nein. Vor allem bei der älteren Generation ist diese Konstellation nicht ungewöhnlich. Die Schwierigkeiten kommen dann beim Wiedereinstieg in den Straßenverkehr.
Nach längerer Fahrabstinenz raten Experten dazu, das Steuer erst nach vorheriger Übung zum Beispiel bei einer Fahrschule wieder in die Hand zu nehmen. Foto: Markus Scholz Nach längerer Fahrabstinenz raten Experten dazu, das Steuer erst nach vorheriger Übung zum Beispiel bei einer Fahrschule wieder in die Hand zu nehmen. Foto: Markus Scholz
Bonn. 

Führerschein mit 20, dann die frühe Heirat mit Familiengründung und hinter dem Steuer des Familienautos saß stets der Ehemann. „Das ist früher der Klassiker gewesen”, sagt Gerhard von Bressensdorf von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF).

Deshalb kehren vor allem ältere Führerscheininhaberinnen nach einer längeren Auszeit wieder in den Straßenverkehr zurück, erklärt der Experte. „Wollen oder müssen Frauen - und übrigens genauso auch Männer - dann wieder selbst Autofahren, fangen sie oftmals fast bei Null an”, sagt der Fahrlehrer, „viele sind nie richtig gefahren, die haben es besonders schwer”. Auf die leichte Schulter nehmen sollten Wiedereinsteiger die Rückkehr nie. „Eine gute Selbsteinschätzung ist ebenso wichtig wie ein Blick von außen”, sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Er rät daher, das Fahrvermögen von einer anderen Person beurteilen zu lassen.

„Wer fünf Jahre lang nicht am Steuer saß, hat vor allem die Übung verloren. Wer noch länger nicht Auto gefahren ist, hat oft auch viel Respekt davor, sich überhaupt wieder ans Steuer zu setzen”, sagt auch Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE). Entsprechend könne es schon ausreichen, zunächst einen Verkehrsübungsplatz aufzusuchen um sich über Trainingsrunden in einem geschützten Rahmen wieder ans Fahren zu gewöhnen.

Eine Alternative ist die professionelle Begleitung durch die Fahrschule. Je nach Umfang und Dauer müssten Wiedereinsteiger mit Kosten zwischen 250 und 1000 Euro rechnen, sagt von Bressensdorf: „Alle Fahrschulen bieten auch Nachschulungskurse an.” Er rät Wiedereinsteigern als ersten Schritt, sich in einer Fahrschule des Vertrauens beraten zu lassen.

Ein standardisiertes Nachschulungsprogramm gebe es nicht, dazu seien die Anforderungen zu individuell. Der Fahrlehrer überprüft den praktischen und theoretischen Wissensstand und gibt dann eine Empfehlung für den Umfang der Nachschulung. „Ob ein Wiedereinsteiger am normalen Theorieunterricht in der Fahrschule teilnehmen soll, muss im Einzelfall entschieden werden”, so von Bressensdorf. „Bei vielen Wiedereinsteigern sind die Grundkenntnisse ja noch vorhanden, es geht also darum, ganz gezielt nachzuschulen.”

Wiedereinsteiger seien beispielsweise oft mit den Fahrerassistenzsystemen nicht vertraut, weil es die früher schlicht nicht gab. Schwierigkeiten haben ältere Wiedereinsteiger nach Erfahrung des BVF sonst vor allem mit komplexeren Kreuzungsverkehren und dem Mitschwimmen im Verkehr. Dies resultiere dann oft in einer zu defensiven Fahrweise und Angst vor dem Einfädeln auf Autobahnen oder im Kreisverkehr.

Wie wichtig eine gründliche Auffrischung ist, zeigt auch ein Blick auf die Unfallzahlen. Denn wenn ältere Autofahrer an einem Crash beteiligt sind, sind sie überdurchschnittlich oft auch schuld daran. „In der Altersgruppe ab 75 werden drei Viertel der Unfälle von den älteren Menschen verursacht, ein höherer Anteil als in der Hochrisikogruppe der jungen Autofahrer bis 25 Jahre”, sagt Rademacher.

Je nach allgemeinem Gesundheitszustand könne es zudem sinnvoll sein, sich vor einem Wiedereinstieg einmal gründlich durchchecken zu lassen. „Man sollte die Anforderungen im Auto nicht unterschätzen, das reicht vom Reaktionsvermögen bis hin zu einer gewissen Beweglichkeit hinterm Steuer”, so Rademacher.

(Von Claudius Lüder, dpa)
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