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Heiße Öfen und dicke Dinger

Natürlich, Automessen sind nicht eindimensional. Zumindest die großen nicht, wie die North American Internation Auto Show (NAIAS), die in Motown Detroit traditionell das neue Autojahr einläutet, bis zum 25. Januar wieder über 800 000 Besucher in die Cobo-Hallen locken soll und der sich langsam erholenden „dying city“ („sterbenden Stadt“) regen Business-Betrieb bescheren wird.

So gibt Mercedes bei der immer noch wichtigsten Ausstellung der Branche auf dem amerikanischen Kontinent mit dem autonomen Forschungsfahrzeug F 015 und seinem futuristischen, zum „Lebensraum“ im Lounge-Charakter umfunktionierten Innenraum sogar schon einen Ausblick auf eine noch ferne automobile Zukunft vielleicht jenseits des Jahres 2030. So werden hier und dort auch ein paar attraktive neue Elektroautos präsentiert wie der Chevrolet-Volt-Nachfolger, von dem es allerdings keinen Opel-Ableger mehr geben wird, die Bolt genannte Studie des selben Herstellers mit rund 300 Kilometer Reichweite oder der ein oder andere Plug-in-Hybrid. Aber so hemmungslos leistungsorientiert im Hier und Heute verankert war die Detroit Motorshow schon lange nicht mehr.

Der dramatisch gesunkene Spritpreis, der in den Staaten derzeit bei umgerechnet knapp 50 Euro-Cent pro Liter Benzin liegt, lässt einen in diesen Dimensionen nicht mehr für möglich gehaltenen Gigantismus wieder aufblühen. Heiße Öfen und dicke Dinger. Leistungsstarke Sportler, große SUVs oder Light Trucks und gigantische Pick-ups sind gefragt – wie in alten Zeiten.

Knalleffekt bei Ford:
GT ist der Star der Messe

300, 400, 500 und noch mehr PS – die scheinbar wichtigste Botschaft dieser Messe prangt rundherum in riesigen Lettern auf den überdimensionalen Leinwänden. Und alle machen sie mit bei der Leistungsschau. Selbst Ford, der ehemalige US-Riese, der als einziger der früheren „Big Three“ die Krise immerhin aus eigenen Kräften meisterte, konzentriert sich ganz auf seine „Performance-Cars“.

So wird der F150-Pick-up, das meistverkaufte Auto in den Staaten überhaupt, in einer aufgemotzten Raptor-Version präsentiert, die zwar keinen V8-Motor mehr unter der Haube hat, mit ihrem 3,5-Liter-Sechszylinder aber stärker sein soll als der 417-PS-Vorgänger. Zudem lässt Ford-Chef Mark Fields mit dem für die Rennstrecke optimierten Shelby GT350-R (über 500 PS) den schnellsten Serien-Mustang vorfahren, der jemals gebaut wurde, und toppt das Ganze noch mit einem echten Knalleffekt: der Ford GT. Mit dem Supersportwagen zielen die Amerikaner sogar auf eine Klientel ab, die sich sonst nur bei Ferrari und Co. umsieht. Mit Karbon-Karosse, über 600 PS und einem rassigen Outfit soll er Anfang 2016 auf den Markt kommen – 50 Jahre nach dem legendären LeMans-Sieg seines Vor-Vorgängers. Keine Frage, dass er für das US-Publikum in Detroit der ganz große Star dieser Messe ist.

Die Power-Bolzerei geht weiter über die Cadillac-Limousine CTS-V mit 649 PS über den Sechs-Meter-Riesen-Pick-up Nissan Titan mit einem 5,0-Liter-V8-Diesel und 310 PS bis zum Comeback des japanischen Kult-Sportlers Honda NSX, der in den USA unter der eigenen Marke Acura vertrieben wird. Er hat gleich vier Motoren an Bord. Neben dem V6-Benziner immerhin auch drei Elektro-Triebwerke, die für eine Gesamtleistung über 550 PS gut sein sollen.

Keine Angst, die deutschen Hersteller, die stets einen starken Auftritt in Detroit pflegen, mischen da kräftig mit. Mercedes hat für den neuen GLE und die C-Klasse die AMG-Versionen im Gepäck, bei BMW gipfelt das 6er-Facelift im 560 PS starken M6, der in allen drei Varianten (Coupé, Cabrio, Gran Coupé) angeboten wird, und selbst Mini präsentiert mit dem John Cooper Works (231 PS) leistungsmäßig sein Maximum.

Porsche zeigt neben der GTS-Variante des Targa seinen Bestseller Cayenne in der nun stärksten Turbo-Version mit 570 PS. Und bei Audi debütiert die Neuauflage des Dickschiffs Q7, die immerhin auch als Diesel-Plug-in-Hybrid e-tron kommen wird. Dass seine 1,7 Liter Normverbrauch reine Augenwischerei sind, liegt allerdings nicht an Audi, sondern an der Unzulänglichkeit der Messmethode. Aber zumindest in den USA interessiert das derzeit eh niemanden. Michael Lennartz

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