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Nachfrage steigt: Hybrid-Technologie ist heimlicher Gewinner der Diesel-Misere

Ein Dieselauto kaufen? Angesichts der Debatte um den Selbstzünder dürfte mancher Konsument bei dieser Frage ins Grübeln kommen. Hybridautos hingegen gelten als umweltfreundlich - und werden nun beim Autosalon in Genf beworben.
Der Diesel ist in Verruf geraten. Branchenexperten erkennen einen Trend zur Hybrid-Technik. Der Diesel ist in Verruf geraten. Branchenexperten erkennen einen Trend zur Hybrid-Technik.
Genf. 

Langsam, aber sicher raus aus der Nische: Binnen weniger Jahre ist die Nachfrage nach Hybridautos in Deutschland deutlich gestiegen.

Lag ihr Anteil an neu zugelassenen Autos 2015 hierzulande nur bei 0,9 Prozent, so sind es inzwischen immerhin schon 1,9 Prozent - der Wert hat sich also mehr als verdoppelt. Das geht aus Zahlen des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen hervor. Der rasante Anstieg werde weitergehen, ist sich dessen Chef Ferdinand Dudenhöffer sicher. Beim Autosalon in Genf, der am 9. März beginnt, werden Hybridautos ein großes Thema sein.

Hybride sind aus Dudenhöffers Sicht ein Gewinner des Abgasskandals. „Ohne Dieselgate würde der Hybrid vor sich hinschlummern”, sagt der Professor. Die Logik dahinter: Die Nachfrage nach Dieselautos werde sinken - und so dürften auch Autobauer verstärkt Hybride als Alternativen anbieten. „Hybride werden schneller steigen und den Ausstieg aus dem Diesel begleiten”, so Dudenhöffer.

Die Autos mit Benzin-Verbrennungsmotor und einem Elektroantrieb an Bord gelten in der ganzen Branche als wichtige Brückentechnologie hin zur Elektromobilität. „Die Autokonzerne können ihren Kunden die Vorteile der Elektromobilität aufzeigen, zugleich aber weiter die gewohnte Verbrennungstechnologie nutzen”, sagt Peter Fuß vom Beratungsunternehmen EY. Der Verkauf dieser Autos helfe den Konzernen zudem, ihren Flottenausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (Co2) zu senken und dadurch EU-Vorgaben zu erfüllen - ein enorm wichtiger Faktor für die Firmen, so Fuß.

Aus Verbrauchersicht machten Hybride vor allem bei häufigen Stadtfahrten Sinn, wenn viel Bremskraft in Energie umgewandelt wird. Im Vergleich zu reinen Elektroautos sei es zudem positiv, dass man nicht auf die noch spärlich vorhandenen Stromladesäulen angewiesen ist, erläutert Fuß.

Zu den Autobauern, die inzwischen stärker auf die Hybridtechnologie setzen, gehört Porsche. Die VW-Tochter stellt beim  Genfer Branchentreff die Limousine Panamera in einer neuen Hybridversion vor. Porsche-Chef Oliver Blume spricht von einem „klaren Bekenntnis zur Elektromobilität”.

Oder geschieht das nur auf Druck des Gesetzgebers? „Natürlich helfen uns Hybridautos bei der Erfüllung gesetzgeberischer Vorgaben zum CO2-Flottenausstoß”, sagt Blume. „Aber unsere Triebfeder ist eine andere: Diese Technologie ist nachhaltig und umweltschonend, zugleich ermöglicht sie eine sehr sportliche Fahrweise mit Zusatzbeschleunigung dank E-Antrieb.” Allzu große Meriten hat Porsche bisher noch nicht bei der Technologie - 2016 war nur etwa jeder 200. Porsche auf deutschen Straßen eine Hybridversion (0,5 Prozent).

Damit ist der Stuttgarter Sport- und Geländewagenbauer im Vergleich zu anderen deutschen Herstellern keineswegs hinten dran - 165 405 Hybridautos waren Anfang 2017 laut Kraftfahrtbundesamt in Deutschland zugelassen, was einem Anteil von 0,36 Prozent des Pkw-Bestandes entspricht. Zum Vergleich: Der Anteil von reinen Elektroautos liegt nur bei 0,07 Prozent (34 000 Fahrzeuge).

Mit großem Abstand Marktführer ist Toyota - der japanische Konzern setzt im Gegensatz zu deutschen Wettbewerbern schon seit Jahrzehnten auf die Hybridtechnologie. Sehr präsent auf deutschen Straßen sind Toyota-Prius-Taxis - meistens handelt es sich hierbei um normale Hybride, bei denen sich der E-Motor bei Bremsvorgängen auflädt. Die Elektroreichweite liegt hier nur bei drei Kilometern. Bei sogenannten Plug-Ins, also Fahrzeugen mit Stromaufladung per externem Kabel, sind es etwa 50 Kilometer.

Dass es beim Verkauf von Hybridautos in Deutschland zuletzt deutlich aufwärts ging, lag auch an der staatlichen Kaufprämie von 3000 Euro pro Plug-In-Auto. Sie gelten als Elektrofahrzeug und spielen damit eine Rolle beim Ziel der Bundesregierung, 2020 eine Million Elektro-Autos auf deutschen Straßen zu haben. Laut Kraftfahrtbundesamt stieg der Hybridbestand in Deutschland 2016 um gut ein Viertel (26,8 Prozent).

Auch andere Experten bescheinigen der Technologie eine gute Zukunft. „Bislang waren deutsche Hersteller eher in der Dieselentwicklung aktiv und konnten dort erhebliches Know-How ansammeln”, sagt der Leiter des ADAC-Technikzentrums, Reinhard Kolke. „Mittelfristig wird es aber sicherlich mehr Hybrid-Fahrzeuge als Übergangstechnologie geben.” In ADAC-Tests schnitten Hybrid-Modelle sehr gut ab. Und Unternehmensberater Fuß sagt: „Die Dieseldiskussion wird den Hybridverkauf sicherlich ankurbeln.”

Er attestiert Daimler, VW und BMW eine deutlich gestiegene Investitionsbereitschaft für Elektroantriebe und damit auch für Hybridfahrzeuge. „Das ist keineswegs nur ein grünes Feigenblatt, sondern ein immer wichtigerer Geschäftszweig”, sagt der Berater. „Die deutschen Autobauer holen sukzessive auf - wenngleich Toyota angesichts einer 20-jährigen Hybrid-Erfahrung natürlich länger am Markt präsent ist.” Kritisch sieht Fuß allerdings, dass die aufwendige Technik manch Fahrzeug um etwa zehn Prozent schwerer und damit auch den Benzinverbrauch erhöhe.

Und wie lang geht die hybride Aufholjagd noch weiter? Noch einige Jahre - doch das Ende sei absehbar, meint Professor Dudenhöffer. „Um das Jahr 2025 wird der Hybrid seinen Höhepunkt überschritten haben - dann werden die richtigen Elektroautos dominieren.”

(Von Wolf von Dewitz, dpa)
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