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Neue Proportionen

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Mazda hat einen Lauf. Schon im vergangenen Jahr steigerten die Japaner ihren Absatz um fast 20 Prozent – und die wirklich großen Premieren kommen erst noch. Gleich drei in diesem Jahr: Im Herbst der sehnlichst erwartete Nachfolger des MX-5, im Sommer der CX-3 für das Boom-Segment der kleinen Geländewagen und schon jetzt zum Monatsende die Neuauflage des Mazda 2. Der hat zwar als Kleinwagen per se den geringsten Sex-Appeal dieses Trios, hat sich dafür aber auch am hübschesten herausgeputzt. Deshalb behauptet sich der Benjamin ganz selbstbewusst bei der großen Mazda-Familien-Party und zeigt attraktiven, frisch erneuerten Konkurrenten wie Opel Corsa, Skoda Fabia, Smart Forfour oder Hyundai i20 kalt die kesse Schulter.

Gutes Fahrwerk,
knackige Schaltung

Dieses Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Der neue Zweier kann mittlerweile selbst Erfolgsmodellen wie dem VW Polo oder dem Ford Fiesta die Stirn bieten. Für das Design haben die Japaner ihre Styling-Sprache Kodo geschickt eingesetzt: Obwohl der Zweier um 14 Zentimeter in die Länge geht und zwei Zentimeter höher wird, sieht er so aus, als trage er kein Fitzelchen Blech zu viel. Mit weit aufgerissenem Kühlermaul ganz tief unten auf der Straße, schnellen Strichen an der muskulösen Flanke, breiten Hüften und einem kessen Heck möchte er gegen die deutschen Konkurrenten punkten.

Und der Mazda 2 fährt sich auch gut: Das Fahrwerk schafft geschickt die Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit. Die Lenkung ist zwar etwas leichtgängig, aber deshalb nicht minder präzise. Die Schaltung ist fast so kurz und knackig wie beim MX-5, und die Motoren haben den nötigen Biss: Egal ob 90 PS-Benziner oder 105-PS-Diesel – beide packen kräftig zu und treiben den Japaner flott voran. Wer die kleinen Vierzylinder mit hohen Drehzahlen bei Laune hält, fühlt ein Brennen und Glühen, das man in dieser Klasse bislang weder von Mazda, noch von den bürgerlichen Konkurrenten kannte. Immerhin schafft der schnellste Zweier den Sprint von 0 auf 100 in 8,7 Sekunden und kommt auf bis zu 200 km/h. Wer es langsam und gemütlich angehen lässt, der hört kaum, dass da überhaupt ein Motor unter der Haube steckt.

Die neuen Proportionen beinhalten einen um acht Zentimeter gestreckten Radstand und fußen auf einem konsequenten Leichtbau: Denn obwohl der Mazda 2 größer geworden ist und mit 4,06 Metern fast schon an die Tür zur Golfklasse klopft, setzt der Kleinwagen keinen Speck an. Als eines der leichtesten Autos im Segment bringt es die Basisversion nur auf 970 Kilo. Und somit wirkt der Mazda 2 angenehm handlich und leichtfüßig.

Außerdem sinkt mit dem Gewicht natürlich der Verbrauch: Der neue Diesel ist trotz seiner üppigen 105 PS laut EU-Norm mit mageren 3,4 Litern zufrieden, und für die drei Leistungsstufen des 1,5-Liter-Benziners von 75 bis 115 PS sollen Werte zwischen 4,5 und 4,9 Litern erreichbar sein.

Obwohl der Zweier in einem sehr preissensiblen Segment antritt und Mazda weit entfernt von jedem Premium-Anspruch ist, sparen die Japaner nicht bei Ausstattung und Ambiente. Im Gegenteil: Als erster seiner Klasse bietet der Zweier ein Head-up-Display an, er hat LED-Scheinwerfer, bei einem drohenden Auffahrunfall bremst die Elektronik, die auch über die Fahrspur wacht und in den toten Winkel schaut. Und auf dem Armaturenbrett thront ein freistehender Monitor, über den ein Infotainment-System mit Online-Anbindung flimmert.

Hohe Ladekante, Defizite beim Platz im Fond

Dazu noch die noble Materialauswahl, die weich unterschäumten und mit Leder bezogenen Konsolen oder die detailverliebt konstruierten Lüfterdüsen – schon fühlt man sich in dem Mazda fast ein bisschen wie in einem Mercedes und die A-Klasse wirkt plötzlich gar nicht mehr so unerreichbar. Dabei haben die Japaner bei der Preisgestaltung sogar Maß gehalten. Zwar kann man den Zweier mit den stärkeren Motoren und den passenden Extras in die Nähe von 20 000 Euro treiben. Aber zumindest das Basismodell gibt es für bescheidene 12 790 Euro und damit auf dem Niveau des Vorgängers.

Bei aller Begeisterung für den kleinen Japaner gibt es neben dem vielen Licht auch ein wenig Schatten. Die Liebe zum Detail im Innenraum lässt außerhalb des primären Sichtfelds merklich nach, sodass etwa Sonnenblenden und Handbremshebel nur halb so vornehm wirken wie der Rest des Cockpits. Das Platzangebot ist in der zweiten Reihe allenfalls durchschnittlich, und die Freude am großen Kofferraum wird von der hohen Ladekante getrübt. Aber man kann das Stemmen von Koffern und Kisten natürlich auch als Aufforderung zur körperlichen Ertüchtigung sehen. Denn so sportlich-chic, wie der Mazda 2 geschnitten ist, kann auch dem Fahrer ein bisschen Training nicht schaden. Thomas Geiger

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