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Radgipfel: Fahrradfahren soll beliebter werden

Mehr Radverkehr könnte vor allem in großen Städten viele Probleme lösen. Beim Europäischen Radgipfel in Salzburg werden Anreize zur Förderung des Radverkehrs diskutiert. Wie lassen sich notorische Autofahrer vom Wechsel auf das Fahrrad überzeugen?
Verlockende Infrastruktur: Ein eRadschnellweg verbindet den Göttinger Bahnhof mit dem Nordcampus der Universität. Foto: Swen Pförtner Verlockende Infrastruktur: Ein eRadschnellweg verbindet den Göttinger Bahnhof mit dem Nordcampus der Universität.
Salzburg. 

Radfahren hat viele Vorteile: Es ist klimafreundlich, gesund und kostensparend. Staus und Luftverschmutzungen wären Geschichte, würden mehr Menschen auf das Zweirad und ihre Muskelkraft setzen.

In vielen Städten wird derzeit darüber gegrübelt, wie man das Radfahren beliebter machen kann. Denn Städte wie Münster - hier legen die Menschen 43 Prozent ihrer Wege mit dem Rad zurück - tragen den Titel Fahrradstadt durchaus mit Stolz. In Österreich hat sich die Bundesregierung sogar zum Ziel gesetzt, den Anteil des Radverkehrs an allen Wegen in der Alpenrepublik bis 2025 zu verdoppeln. Auf dem Europäischen Radgipfel wird seit Montag (24. September) in Salzburg darüber diskutiert, wie das allgemein gelingen kann.

- Radschnellwege: Ein besonders wichtiges Thema sind dabei immer wieder Radschnellwege, also ein eigenes Streckennetz für Radler. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club verweist dabei vor allem auf die Niederlande. „Ein tolles Beispiel ist der RhijnWaalpad zwischen Arnhem und Nijmegen. Hier gibt es superleichtläufigen durchgehend rot eingefärbten Asphalt, vier Meter Standardbreite für beide Fahrtrichtungen, Vorfahrt in Kreuzungsbereichen, Raststätten mit Fahrradwerkzeug, Snacks und Wegeinfos”, erklärt Sprecherin Stephanie Krone. In Deutschland entsteht ein ähnlicher Radschnellweg derzeit zwischen Dortmund und Hamm, zwischen Essen und Mülheim an der Ruhr ist er bereits befahrbar. Den meisten Betrieb gebe es auf dem Weg zu den klassischen Berufsverkehrszeiten - aber eben ohne großen Stau. „Also genau so, wie wir uns das gewünscht haben”, sagt der Sprecher des Regionalverbands Ruhr, Jens Hapke.

- Bildung: Parallel zum Schwimmunterricht auch ein paar Radfahr-Stunden in der Schule? Martin Blum hält das durchaus für eine diskussionswürdige Idee. „Wir brauchen Radfahr-kompetente Kinder”, sagt der Rad-Experte der Mobilitätsagentur Wien , der seine Vorschläge zur Verdopplung des Radverkehrs auf dem Gipfel vorstellen will. Die Basis könnte in den ersten Schuljahren gelegt werden, anschließend könnte der Sportunterricht auch mal aus einer Fahrradtour bestehen, erklärt Blum.

- Verkehrsführung und Infrastruktur: Rote Ampeln, Einbahnstraßen, Autos. Das sind nur ein paar Hindernisse, die Radfahrer im Alltag aufhalten - und auch in Gefahr bringen. Wichtig ist daher eine intelligente Verkehrsführung in Kommunen, meint Bernhard Gutzmer, Fahrradbeauftragter der Stadt Freiburg. Dass die Stadt in Baden eine der fahrradfreundlichsten Orte Deutschlands ist, liege vor allem an einem kontinuierlichen Ausbau der Rad-Infrastruktur. So laufen quer durch die Stadt zwei Radvorrangrouten, auf denen Fahrradfahrer fast freie Bahn haben. Zudem setzt die Stadt im Innenstadtbereich auf Tempo 30-Zonen, um den Radverkehr sicherer zu machen. Wichtig ist laut Gutzmer zudem, dass in der Stadt ausreichend Abstellplätze für Radler zur Verfügung stehen. Die Zahlen sprechen für sich: Laut Gutzmer konnte der Anteil der Radfahrer in Freiburg seit 2010 um 40 Prozent gesteigert werden.

- Sicherheit: Mit dem Drahtesel eingeklemmt zwischen Lastwagen und dem Bordstein zur Arbeit - ohne sichere Wege steigt keiner gern auf das Fahrrad. Geschützte Radfahrstreifen könnten die Situation aber schon bald verbessern. Noch Ende September soll etwa in Berlin der erste dieser Wege auf der Holzmarktstraße fertiggestellt werden. Auf beiden Fahrbahnseiten gibt es für Radfahrer dann einen farblichen markierten, 3,5 Meter breiten Weg, der mit Pollern von den Fahrbahnen für die Autos abgetrennt ist.

- Fahrrad-Leasing: Geld sparen, die Mitarbeiterzufriedenheit stärken und einen Beitrag zum Umweltschutz leisten: Arbeitgeber können mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn sie Beschäftigten statt einem Dienstauto ein Dienstfahrrad bieten, erklärt Tassilo Holz von JobRad. Das Freiburger Unternehmen ist deutschlandweit einer der größten Anbieter im Bereich Dienstrad-Leasing. Das Geschäftsmodell von JobRad ist denkbar einfach: Arbeitnehmer suchen sich ein Fahrrad aus - in 60 Prozent der Fälle ist das ein E-Bike - der Arbeitgeber least das Rad und überlässt es dem Mitarbeiter zur freien Nutzung. Im Gegenzug behält er einen kleinen Teil des Bruttogehalts des Arbeitnehmers ein und bedient damit die Leasingrate. Laut Holz kooperiert JobRad bundesweit bereits mit rund 5000 Fahrradhändlern und über 10.000 Arbeitgebern. Darunter seien Schwergewichte wie SAP, die Deutsche Bahn und Bosch.

(Andreas Schurr und Fabian Nitschmann, dpa)
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