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Standardgummis, Slicks und Stollen - Vielfalt der Fahrradreifen

Wenn das Knacken der Glasscherben zu hören ist, ist es meist schon zu spät. Ein tiefer Schnitt geht durch den Fahrradreifen, und Ersatz muss her. Doch welcher ist der richtige? Schlauchlos, mit grobem oder feinem Profil und in welcher Größe?
Grob ist nicht immer gut: Mountainbike-Reifen sind im Gelände unverzichtbar, auf der Straße tritt der Fahrer aber meist gegen einen recht hohen Rollwiderstand an. Foto: Andrea Warnecke Grob ist nicht immer gut: Mountainbike-Reifen sind im Gelände unverzichtbar, auf der Straße tritt der Fahrer aber meist gegen einen recht hohen Rollwiderstand an. Foto: Andrea Warnecke
Göttingen/Bremen. 

Wenn das Knacken der Glasscherben zu hören ist, ist es meist schon zu spät. Ein tiefer Schnitt geht durch den Fahrradreifen, und Ersatz muss her. Doch welcher ist der richtige? Schlauchlos, mit grobem oder feinem Profil und in welcher Größe?

Wer einen neuen Fahrradreifen kaufen muss, kann nicht blind ins Regal greifen. Welcher Pneu zum Velo und zu den Ansprüchen des Fahrers passt, hängt von vielen Faktoren ab.

"Der erste Schritt zum neuen Reifen ist, die passende Größe herauszufinden", erklärt Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Orientierung geben dabei die Angaben auf der Flanke des alten Mantels, der ersetzt werden soll. Während sich der Laie oft an den Maßangaben in Zoll wie "28 x 1 1/4" für Reifendurchmesser und -breite orientiert, schauen Fachleute auf eine weitere, zweiteilige Größenangabe in Millimeter: etwa "50-406". Kürzel wie solche stehen für Reifenbreite und Nenndurchmesser der Felge. Sie folgen der exakteren ETRTO-Norm (European Tire and Rim Technology Organization).

Auf die meisten Felgen passen Reifen in verschiedenen Dimensionen. Hier sollten Kunden aber keine Experimente machen, sondern sich beim Händler informieren, welche Abweichungen an ihrem Fahrrad möglich sind, rät der Rad-Experte.

Bei der Reifensuche tauchen womöglich Mäntel auf, für die kein Fahrradschlauch benötigt wird. Diese "Tubeless-Modelle" bringen in erster Linie eine Gewichtsersparnis, die jedoch für den Alltagsradler den hohen Preis ab 40 Euro aufwärts kaum wettmachen dürfte. "Gute Standardreifen mit Schlauch gibt es schon für die Hälfte", betont Michael Wild von der Paul Lange Gruppe, einem führenden Importeur für Zweiradkomponenten. Unpraktisch ist auch, dass schlauchlose Reifen nur mit einer speziellen Dichtmasse geflickt werden können.

Welcher Reifentyp geeignet ist, hängt maßgeblich vom Einsatzfeld des Fahrrads ab. An den beliebten Citybikes für die Stadt sind meist Allround-Reifen montiert. "Hier versuchen die Reifenhersteller in der Regel einen Kompromiss aus guten Rolleigenschaften, geringem Gewicht und einem hohen Pannenschutz zu finden", sagt Wild.

Große Unterschiede gibt es beim Profil. Glatte Reifen rollen auf Asphalt am besten. Nahezu profillose Slicks sind aber vornehmlich für Rennradfahrer interessant und weniger für den alltäglichen Einsatz. Zum Beispiel bei Nässe bieten sie weniger Bodenhaftung als breitere Allround-Reifen mit Konturen im Gummi.

Das gröbste Profil besitzen Stollenreifen für Mountainbikes. Die breiten Pneus krallen sich im weichen Untergrund fest, haben aber auf der Straße den Nachteil, dass ihr Rollwiderstand recht hoch ist. Dadurch wird das Treten anstrengender - "zumal Mountainbiker meist mit vergleichsweise niedrigem Luftdruck fahren", ergänzt Fehlau.

Wie leicht oder schwer Fahrradreifen rollen, hängt nämlich stark vom Luftdruck ab. Je strammer Fahrradreifen aufpumpt sind, desto geringer ist der Rollwiderstand - aber auch der Fahrkomfort, weil die stoßdämpfende Wirkung der Gummis nachlässt. Bei wenig Luft lässt sich ein Fahrrad nicht mehr sicher manövrieren, weil das Fahrverhalten schwammig wird.

Um den passenden Luftdruck zu finden, rät Fehlau, sich am jeweils zulässigen Maximalwert zu orientieren, der auf der Reifenflanke in den Einheiten "bar" oder "psi" abgelesen werden kann. Für exakte Luftzufuhr benötigt man eine Pumpe mit Druckmesser (Manometer). Fährt sich das Rad anschließend zu unkomfortabel, kann der Reifendruck etwas nach unten korrigiert werden.

Entscheidend sei der Luftdruck auch für den Pannenschutz, sagt Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Schlappe Pneus sind durch ihre vergrößerte Auflagefläche anfälliger, vor allem für sogenannte Schlangenbisse, ergänzt Christian Wurmbäck vom Reifenhersteller Continental. Damit sind parallele Löcher im Schlauch gemeint, die beim Überfahren einer Kante mit schlaffen Pneus entstehen können: Dabei kann der Mantel so stark eingedrückt werden, dass die Felgenränder den Schlauch durchschlagen.

Immer beliebter werden Fahrradreifen mit eingebautem Pannenschutz. Diese Modelle verfügen über eine Extraschicht Gummi, die unter der Lauffläche in den Reifen eingearbeitet ist. "Da kommt keine Reißzwecke durch, viele Plattfüße lassen sich dadurch verhindern", sagt Fehlau. Doch diese Reifen sind ein paar Euro teurer und etwas schwerer als Modelle ohne Pannenschutz.

Auf feine Risse im Mantel achten

Viele feine Risse in der Reifenflanke signalisieren, dass ein Pneu alt ist und ausgewechselt werden sollte - auch wenn die Luft noch hält. Denn der Mantel könnte an einer besonders maroden Stelle plötzlich einreißen und der herausquillende Schlauch platzen. Dass das Reifengummi mit der Zeit marode wird, ist ganz normal. Allerdings sollten Radbesitzer wissen, dass Fahrradreifen schneller altern, wenn sie zum Beispiel längere Zeit mit wenig Luftdruck auf einer Stelle stehen. Dann bilden sich Falten im Gummi und es bricht. Wer länger nicht fährt, sollte sein Velo auf eine Wandhalterung hängen.

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