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Schanghai Motorshow: Und ewig lockt das SUV

Was wären die deutschen Auto-Hersteller ohne China? Arm dran, könnte man antworten.
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Denn sie erreichen einen Marktanteil von mehr als 21 Prozent und haben im vergangenen Jahr 3,9 Millionen Fahrzeuge im Reich der Mitte verkauft. Und noch sind die Tendenzen aussichtsreich. Im ersten Quartal 2015 kamen rund fünf Millionen neue Autos auf die Straßen, das Wachstum liegt bei elf Prozent. Die besondere Vorliebe der chinesischen Kunden gilt den SUV (Sport Utility Vehicles), die einen Anteil von 25 Prozent ausmachen. Klar, dass die 16. Internationale Autoausstellung in Schanghai von den Herstellern aus der Alten Welt gerade für diese Spezies als Plattform für Premieren genutzt wird.

Die Formen der begehrten Trutzburgen auf Rädern sind ebenso fließend wie variantenreich. Audi nutzt die Publikumsaufmerksamkeit in Schanghai um eine weitere Vision der Prologue-Serie vorzustellen. Allroad heißt das jüngste Derivat, das die Zukunft der zu erwartenden Neuigkeiten aus Ingolstadt vorwegnimmt. Die Aussichten sind äußerst dynamisch. Das Heck ergibt sich einer eher fliehenden Form, flach stehende D-Säulen und eine sehr niedrige Dachlinie dominieren, betont werden horizontale Linien. Gewürzt wird die stämmige Gestalt mit einem Hybridantrieb nach Plug-in-Rezept, der Normverbrauch von weniger als drei Liter Benzin auf 100 Kilometer ist ebenso unrealistisch wie der des BMW X5 Drive40e, dem mit ähnlichem Antriebskonzept 2,8 Liter Treibstoff für 100 Kilometer Strecke reichen sollen.

Höchstleistungen bemüht auch das Mercedes-Benz GLC Coupé Concept, eine Studie der coupéartigen Version des C-Klasse-SUV auf einer neuen Plattform. 376 PS leistet der konventionelle Dreiliter-V6, 520 Nm Spitzendrehmoment bringt die AMG-Maschine über 21 Zoll große Riesenräder auf die Straße. Erscheinen soll die Serienversion 2016.

Etwas länger wird der Nachfolger des Phaeton brauchen, bis er den Weg zum Kunden findet. Das VW C Coupé Concept GTE zeigt, wie sich Chefdesigner Klaus Bischoff die Formensprache der neuen Generation vorstellt, betont werden vor allem horizontale Linien. Während ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe die 500 Nm Drehmoment und 245 PS Leistung des Hybridantriebs auf die Straße bringt, arbeitet VW dem Vernehmen nach bereits an einem Automaten mit zehn Gängen. Ganz konventionell ist dagegen der Scirocco GTS motorisiert, 220 PS leistet seine Zweiliter-TSI-Maschine. Der VW Gran Santana auf Basis des Skoda Rapid Spaceback soll zumindest in China neuer Kassenschlager des Konzerns werden, mit seinem Stummelheck und damit wenig Platz für Gepäck wird er in der Volksrepublik jedoch kaum als Nachfolger des millionenfach verkauften Santana-Taxi taugen.

In einer höheren Spielklasse ist Volvo unterwegs, mit einer besonders hochwertigen Version des neuen XC 90 wollen die Schweden als Tochtermarke des chinesischen Herstellers Geely vor allem solvente Kunden überzeugen.

Mini adaptiert die Google-Brille für das Automobil und kündigt sie als „Augmented Vision“ (erweiterte Realität) an. Mit Hilfe der vernetzten Sehhilfe und den Kameras des Autos werden Hindernisse virtuell angezeigt, sie wirkt wie ein permanentes Head-Up-Display und hilft ihrem Träger auch nach dem Aussteigen bei der Navigation als Fußgänger.

Geringe Präsenz zeigen die japanischen Marken in Schanghai. Mitsubishi spendiert dem Outlander ein sanftes Facelift, das im Sommer auch bei uns die Baureihe auffrischt, Honda lotet mit der Studie D-Concept den Spielraum für ein großes SUV aus.

Und die chinesischen Hersteller? Ergehen sich in einer Fülle von landesspezifischen Neuheiten, die formal und qualitativ erheblich zugelegt haben. Das SUV-Konzept von Qoros, der PHEV 2, wird sich gewiss auch in Europa um die Kundengunst bemühen. Sonst werden Extreme bemüht, etwa mit dem Supersportler K50 von Event oder dem sehr militärisch wirkenden Geländewagen G. Patton. Gute Bekannte wie Landwind oder Rote Fahne stellen Hybridversionen der bei uns eher unverkäuflichen Limousinen und SUVs vor. Aber die einheimischen Marken kopieren nicht mehr so dreist, rücken näher und beweisen, dass viel vom Knowhow aus Übersee die Standards der Autoindustrie in China nach oben gerückt hat. Martin Andörfer

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