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Volvo PV444 - Der Bucklige Bestseller

Auch ein schöner Rücken kann entzücken: Sein rundes Heck brachte dem PV444 den weniger charmanten Spitznamen Buckelvolvo ein. Foto: Thomas Geiger Auch ein schöner Rücken kann entzücken: Sein rundes Heck brachte dem PV444 den weniger charmanten Spitznamen Buckelvolvo ein. Foto: Thomas Geiger
Göteborg. 

Der Buckelvolvo riss es raus: Mit dem Modell PV444 avancierte Volvo zum Großserienhersteller. Vor 70 Jahren wurde der erste Prototyp enthüllt. Trotz seiner schon damals altmodischen Anmutung gingen massenhaft Vorbestellungen ein.

Knapp zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, im März 1947, erschien das Auto, das Schweden durch den wirtschaftlichen Wiederaufschwung fahren sollte: der PV444, besser bekannt als Buckelvolvo. Die Entwicklung das Wagens begann bereits einige Jahre zuvor, am 1. September 1944 wurde ein erster Prototyp während einer Automobilausstellung in der Königlichen Tennishalle von Stockholm enthüllt - 70 Jahre ist das her.

Der Grundstein für die Popularität wurde schon auf der Messe gelegt: Dort verloste Volvo an jedem Tag ein Auto, dessen Kürzel Firmengründer Assar Gabrielsson aus dem Personvagn mit 4 Zylindern, vier Sitzen und 40 PS (29 kW) kombiniert hatte. Und weil in den zehn Tagen der Ausstellung jeder zehnte Schwede durch die Tennishallen flanierte, füllten sich die Auftragsbücher schnell. 2300 Reservierungen waren die Bilanz.

Bis zur ersten Auslieferung des PV444 am 3. Februar 1947 waren es sogar 10 000 Vorbestellungen. Mit einer solchen Resonanz hatte am Stammsitz in Göteborg niemand gerechnet, denn mehr als 2000 Exemplare hatte Volvo bis dahin noch von keiner Modellreihe gebaut.

Um den Absatz weiter anzukurbeln, verlangte Volvo zum Start der Großserienproduktion absolut konkurrenzlose und kaum kostendeckende 4800 Kronen. So viel hatte auch der allererste Volvo von 1927 gekostet. Bis der bucklige Bestseller 1958 vom technisch nur behutsam weiterentwickelten PV544 mit fünf Sitzen abgelöst wurde, kam er auf eine Gesamtproduktion von 195 959 Fahrzeugen. Nimmt man seinen eng verwandten Nachfolger hinzu, streckte sich die Karriere der Konstruktion sogar über 17 Jahre und 440 000 Einheiten.

Der PV444 stand aber nicht nur für den Aufstieg Volvos zum Massenhersteller. Mit dem Buckel eroberte der schwedische Hersteller auch viele Kunden in den USA. Dort machte der PV444 Volvo quasi über Nacht zum zweitgrößten Importeur. Ab 1958 war der Buckelvolvo auch im freien Verkauf in Deutschland zu haben.

„Davon ist heute allerdings nicht mehr viel übrig geblieben”, sagt Reinhard Foerster, ein Privatsammler aus dem hessischen Zwingenberg, und schätzt den Fahrzeugbestand zwischen Flensburg und Garmisch auf vielleicht noch 50 Autos. Eines davon parkt in seiner Tiefgarage.

„Alle Autodesigner aus Schweden waren ins glorreiche Detroit ausgewandert”, hat der Sammler recherchiert. Als Volvo ein paar davon zurückgeholt hatte, zeichneten die, was sie gewohnt waren: amerikanische Vorkriegswagen. „Deshalb hatte der PV444 schon bei seiner Premiere so eine wunderbare Patina”, schwärmt Foerster.

Das Design war von gestern, aber die Technik mit einer selbsttragenden Karosserie und einer vorderen Einzelradaufhängung auf dem neusten Stand. Davon profitieren Sammler wie Foerster noch heute. Sein Buckelvolvo wird zumindest im Sommer fast täglich bewegt. 40 306 Kilometer zeigt aktuell der Tacho und hat schon den ersten Durchlauf hinter sich.

„Ohne große Probleme übrigens”, sagt Foerster und freut sich über die robuste Konstruktion: „Öfter mal das Öl wechseln, immer das gute Super Plus tanken und bisweilen den Vergaser putzen - viel mehr braucht der Vierzylinder unter der langen Haube nicht.” Zwar versprach Volvo für den 1,4-Liter-Motor einst eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Doch weil der erste der drei Gänge noch nicht synchronisiert und deshalb ziemlich hakelig ist, lässt Foerster es lieber langsam angehen.

Wer sich für einen PV444 interessiert, dürfte es mit dem Kauf schwer haben. Zwar ist der Buckelvolvo kein exklusiver Exot, und selbst ein gutes Exemplar sollte nicht mehr als 15 000 bis 18 000 Euro kosten, sagt der Sammler. „Aber man muss halt erst mal eines finden.” Die Zeiten, in denen man beim Urlaub in Schweden in jeder zweiten Scheune einen Glückstreffer landen konnte, seien lange vorbei.

Abgesehen davon ist der PV444 ein dankbarer Oldtimer. Dank der technischen Nähe zum Nachfolger und den Möglichkeiten des Internets sei die Ersatzteilversorgung einfach, sagt Foerster. Zwar liebt er seinen buckligen Bestseller heiß und innig. Doch wenn der Sammler in den Schweden-Urlaub fährt, lässt er den alten Buckel lieber in der Garage. Die Tortur mit dem Wohnwagen im Schlepp überlässt er einem Volvo 960er Kombi.

(Von Thomas Geiger, dpa)
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