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Auf verändertes Essverhalten bei Teenagern mit Diabetes achten

Schlank sein um jeden Preis? Viele Jugendliche sind mit ihrem Körper unzufrieden, jedes Mittel ist ihnen recht, um Pfunde loszuwerden. Teenager mit Diabetes Typ 1 können eine besonders gefährliche Form der Essstörung entwickeln.
Vor allem junge Frauen mit Diabetes Typ 1 entwickeln die gefährliche Essstörung. Foto: Hans Wiedl Vor allem junge Frauen mit Diabetes Typ 1 entwickeln die gefährliche Essstörung. Foto: Hans Wiedl
Köln. 

Schlank sein um jeden Preis? Viele Jugendliche sind mit ihrem Körper unzufrieden, jedes Mittel ist ihnen recht, um Pfunde loszuwerden. Teenager mit Diabetes Typ 1 können eine besonders gefährliche Form der Essstörung entwickeln.

Die sogenannte Diabulimie ist eine gefährliche, wenig bekannte Essstörung, die Jugendliche mit Diabetes Typ 1 entwickeln können. Die Teenager nehmen dabei eigenmächtig und gegen die ärztliche Empfehlung weniger Insulin zu sich, um Gewicht zu verlieren. Zeige ein Heranwachsender mit Diabetes Typ 1 eine unerklärliche Gewichtszunahme oder -abnahme und esse er ungern mit der Familie zusammen, sollten Eltern aufmerksam werden und den Jugendarzt informieren, rät Harald Tegtmeyer-Metzdorf, Sprecher des Ausschusses für Psychosomatik und Psychotherapie im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Ebenfalls bedenklich sei, wenn der Jugendliche es vermeidet, in Gegenwart von anderen Insulin zu nehmen beziehungsweise zu spritzen und sich fast nur noch mit seinem Körper, Gewicht und Essen beschäftigt. Längerfristig kann dieses Verhalten zu frühzeitigen Diabeteskomplikationen wie Erblindung und einer verkürzten Lebenserwartung führen.

"Junge Diabetes-Patienten müssen sich mehr als ihre Altersgenossen mit Ernährung, Gewicht und körperlicher Aktivität befassen und ihren Therapieplan streng einhalten", sagt der Kinder- und Jugendmediziner. Das sei eine schwere Aufgabe. "Viele junge Menschen haben vor der Diagnosestellung Diabetes Typ 1 unter anderem durch Flüssigkeitsverlust abgenommen und werden mit Beginn der Therapie zunächst wieder dicker", erläutert er. Dadurch könne sich eine "Gewichtsphobie" entwickeln. "Eine Insulinreduktion, sogenanntes Insulin-Purging, erscheint dann oftmals als der erfolgreichere Weg, um Pfunde zu verlieren", warnt Tegtmeyer-Metzdorf.

Mediziner wurden auf diese Form von Essstörung aufmerksam, da ihnen eine zunehmende Anzahl von Heranwachsenden mit Diabetes - vor allem junge Frauen - auffiel. Diese klagten über Magen- und Nervenleiden oder häufige Episoden von Ketoazidose - eine Entgleisung des Stoffwechsels durch Übersäuerung. All diese Komplikationen treten normalerweise bei Diabetespatienten erst im Laufe von Jahrzehnten auf.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass betroffene Jugendliche am besten von einem interdisziplinären Team beraten werden. Dazu gehören ein Ernährungsberater, Psychotherapeut sowie Endokrinologe oder Diabetologe und der Kinder- und Jugendarzt.

(dpa)
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