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Band verzweifelt gesucht

Mit einer Band gemeinsam proben und eigene Lieder auf Konzerten spielen? Davon träumen viele junge Musiker. Doch die passende Band zu finden ist nicht immer einfach.
Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch für die Gründung einer Band.	Foto: Christiane Pauly/dpa Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch für die Gründung einer Band. Foto: Christiane Pauly/dpa

In ihrer Band zu spielen, das ist für Nadine das Beste, was in ihrem Leben bisher passiert ist. „Wie ein riesengroßer Traum, der in Erfüllung gegangen ist“, sagt die 16-Jährige. Die Schülerin aus Essen spielt Keyboard und ist seit rund einem Jahr Mitglied in der Band „A Certain District“. Und sie ist begeistert: „Einfach diese Verbundenheit zwischen uns, weil wir alle das Gleiche wollen: Musik machen. Und zwar zusammen, nicht jeder alleine für sich in seinem Zimmer.“

Viele Musiker suchen zwar eine Band, doch das ist manchmal ganz schön schwierig. Wo wird mein Instrument gebraucht? Wer spielt ähnlich gut wie ich? Wer hat wann Zeit zum Proben? Und wem gefällt die gleiche Musik wie mir?

Søren Hundertmarck hat ein Internetportal entwickelt, auf dem sich Musiker eine Band suchen können - oder umgekehrt. Ihm selbst kam die Idee dazu, weil seine eigene Band mehrere Male vergeblich mit einer Zeitungsanzeige nach einem Gitarristen gesucht hatte. Auch in der Schule - beispielsweise über das schwarze Brett - könne man fündig werden, sagt er.

Auch Thomas Victor hält die Schule für einen guten Ort zur Bandsuche. Er ist der Leiter der Essener Rock-Pop-Schule, über die Nadine ihre Band fand. „Aushänge oder Anfragen bei Musikschulen sind ebenfalls gute Möglichkeiten, Kontakt zu anderen Musikern zu bekommen“, sagt Victor. Soziale Netzwerke wie Facebook könnten ebenso interessante Kontakte ermöglichen.

Erste Auftritte

Nadine bewarb sich bei der Rock-Pop-Schule in Essen und spielte dort vor. Die Musiklehrer haben sie dann mit anderen Bewerbern, die ähnlich gut waren und ähnliche Musik mochten, zu einer Band zusammengestellt. Fertig war die Gruppe „A Certain District“ - und inzwischen gab es sogar schon die ersten Auftritte.

„Bei uns ist es so, dass wir uns super gut verstehen, obwohl wir uns ja erst seit einem knappen Jahr kennen“, erzählt Nadine. „Aber wir haben von Anfang an gut zusammen arbeiten können und sind auch gute Freunde geworden.“ Keiner habe vorher eines der anderen Mitglieder gekannt: „Bis auf unseren Bassisten und Drummer, die sind Brüder.“

Beim Musikgeschmack sind sie sich nicht immer einig. Alle hörten zwar gern Rockmusik - die Jungs etwas härtere. „Aber wir haben uns in der Mitte getroffen. Es ist auch immer eine Frage, wie offen man anderen Richtungen gegenüber ist und wie man zu Kompromissen steht“, meint Nadine.

In einer Band müssten zwar nicht unbedingt alle miteinander befreundet sein, meint Thomas Victor. Die Chemie müsse aber stimmen. Auch wenn sich alle gut verstehen, ließen sich Probleme aber nicht vermeiden. „Musiker sind nur Menschen und manchmal sogar sehr schräge Typen. So, dass man schon etwas Toleranz mitbringen sollte, um die Chemie in der Band nicht von Anfang an zu stören.“

Solange die Band nicht zu gegensätzliche musikalische Ziele habe, seien die Probleme meistens nicht allzu ernst. Victor findet auch, dass ein Lied sich durch unterschiedliche Spielweisen etwas zurechtbiegen lässt. So könne man in einem Heavymetal-Song sogar mal ein bisschen Reggae andeuten.

Søren Hundertmarck hat noch einen Tipp, wenn eine schon bestehende Gruppe ein neues Mitglied aufnimmt. „Hat eine Band schon ein Liederrepertoire, sollte man dem Interessenten vor dem ersten Treffen einige Aufnahmen oder Noten zukommen lassen.“ So könne sich dieser besser auf die schon eingespielten Songs vorbereiten.

Ganz wichtig sei, dass die Band wie ein Team funktioniere und jeder seinen Teil dazu beitrage, das gemeinsame Ziel anzustreben, sagt Hundertmarck.

Pünktlich zu Proben

„Verlässlichkeit ist sehr wichtig“, findet Nadine. Zu den Proben sollten alle pünktlich sein. Schließlich wollen die Nachwuchs-Musiker so viel wie möglich schaffen. Wenn mal jemand nicht könne, sei das zwar schwieriger - funktioniere aber auch.

Komplizierter wird es, wenn ein Mitglied bei einem Konzert fehlt, weil es krank oder auf Klassenfahrt ist. Dann suchen „A Certain District“ einen Ersatzmusiker. „Das ist zwar nicht so toll, aber es ist besser, als wenn man einen Auftritt sausenlässt.“

„Das Allerwichtigste in einer Band ist, wie ich finde, der Zusammenhalt. Dass alle hinter einem stehen. Auch wenn man mal einen Fehler macht.“ Nadine und ihre Band treffen sich nicht nur zu den geplanten Proben. Sie erarbeiten auch an anderen Tagen neue Songs und sammeln gemeinsam Ideen. „Ohne Engagement hat man gar keine Chance, besser zu werden“, sagt Nadine. „Und man muss mit Herz dabei sein, sonst kann man alles knicken.“

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