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Das gesunde Maß: Übergewicht bei Kindern verhindern

Mit einem Mix aus ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung lässt sich Übergewicht bei Kindern entgegensteuern. Eltern spielen dabei die Schlüsselrolle. Nur sie können ihre Kinder schon früh für einen gesunden Lebensstil begeistern.
Etwas Süßes als Trostpflaster oder zur Belohnung: So fördern Eltern ungesundes Essverhalten bei Kindern. Foto: Markus Scholz Etwas Süßes als Trostpflaster oder zur Belohnung: So fördern Eltern ungesundes Essverhalten bei Kindern. Foto: Markus Scholz
Bremen. 

Ist der Griff zu Cola und Schokolade selbstverständlich, Bewegung aber die Ausnahme, dann ist Übergewicht häufig die Folge - das gilt für jedes Alter.

Der Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern: Wer erwachsen ist, trägt die Verantwortung selbst, für den Lebensstil der Kinder sorgen die Eltern. Merken sie, dass ihr Kind übergewichtig oder auf dem Weg dahin ist, sollten sie eingreifen, rät Torsten Spranger vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Oft sind es bestimmte Verhaltensmuster der Eltern, die das Übergewicht fördern. Das beginnt schon im Säuglingsalter: „Ein schreiendes Baby ist nicht unbedingt ein hungriges Baby”, erklärt Spranger. Eltern sollten versuchen, das Bedürfnis des Kindes herauszufinden: Ist es Müdigkeit? Oder hilft vielleicht eine Kuscheleinheit?

Auch bei der späteren Entwicklung des Essverhaltens spielen Eltern die Schlüsselrolle, meint Dana Urban von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Eltern sollten ihre Kinder von Anfang an einbinden, wenn es um die Frage geht, was auf den Tisch kommt: „Man sollte essen begreifbar machen - wortwörtlich.” Schon für kleine Kinder ist es spannend, Lebensmittel anzufassen, zu riechen und zu probieren.

Viele Kinder haben trotz Bemühungen der Eltern mit Übergewicht zu kämpfen, schildert die Pädagogin. Genetische Veranlagungen, bestimmte Essgewohnheiten, fett- und zuckerhaltige Produkte oder Essen als tröstender Ausgleich: Die Gründe für Gewichtszunahme bei Kindern können ganz verschieden sein. Wer unsicher ist, ob sein Kind übergewichtig ist und wie man darauf reagieren soll, kann sich an Erziehungsberatungsstellen wenden, rät Urban. Auch auf der Internetseite des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte finden Eltern medizinische Informationen und Anlaufstellen zur Beratung.

„Gerade weil die Gründe für Übergewicht so verschieden sind, ist eine

individuelle, umfassende Hilfestellung wichtig”, meint Lydia Lamers von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bei der Ernährung gibt es aber auch einige Faustregeln, die Eltern beachten sollten: Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Brot, Reis und Kartoffeln sollten den Hauptbestandteil ausmachen, tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Milchprodukte einen kleineren Teil. Nur sparsam sollten fettige Lebensmittel und Süßigkeiten für Kinder auf den Tisch kommen.

Bewusste Ernährung kann Spaß machen, vor allem wenn man sie gemeinsam umsetzt, sagt Urban. Um Kinder auf den Geschmack von frischen Lebensmitteln zu bringen, bieten sich kleine Tricks an: „In einem Sinnesquiz kann man zum Beispiel Rohkost blind probieren und dann erraten lassen.”

Nicht nur was, sondern auch wie gegessen wird, ist für eine gesunde Gewichtsentwicklung entscheidend, sagt Spranger: Besonders wichtig ist es, dass regelmäßig gemeinsam Mahlzeiten eingenommen werden. Gerade für Kinder sollte Essen einen Ausschließlichkeits-Charakter haben: „Der Klassiker ist das Abendbrot beim Fernsehen - für eine gesunde Ernährung ist das sehr problematisch.” Denn das Sättigungsgefühl wird von den Kindern nicht wahrgenommen, wenn sie auf den Fernseher konzentriert sind.

Bewegung wirkt sich rundum positiv auf die Gesundheit aus: Ungefähr 90 Minuten sollten sich Kinder am Tag bewegen. Regelmäßige Bewegung finden sie zum Beispiel durch ein sportliches Hobby, sagt Urban. „Viele Sportvereine haben Schnupperangebote für Kinder, die man auf der Suche nach dem passenden Sport ausprobieren kann.”

Auf keinen Fall sollten die Themen Ernährung und Bewegung aber den Alltag der Familie dominieren, warnt Spranger. Gerade wenn Kinder älter werden und Schönheitsideale eine Rolle zu spielen beginnen, ist es wichtig, den schmalen Grad zwischen bewusster Ernährung und einer zwanghaften Kontrolle nicht zu überschreiten.

(Von Marie Blöcher, dpa)
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