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Der Ex ist immer da

Eine Trennung tut weh. Am besten ist es, den Kontakt mit der verflossenen Liebe erst mal abzubrechen. Nur ist das nicht möglich, wenn der Ex in der gleichen Klasse sitzt.
Keine SMS schreiben und Blickkontakt meiden: Das ist zunächst die beste Strategie, wenn man mit dem Ex in eine Klasse geht. 	Foto: Diagentur/dpa Keine SMS schreiben und Blickkontakt meiden: Das ist zunächst die beste Strategie, wenn man mit dem Ex in eine Klasse geht. Foto: Diagentur/dpa

Wenn eine Beziehung zu Ende geht, ist das in den meisten Fällen schmerzhaft und traurig - vor allem , wenn es sich um die erste große Liebe handelt. Mühsam und zum Scheitern verurteilt erscheinen dann die Versuche, den anderen zu vergessen. Und was, wenn der oder die Verflossene zu allem Unglück jeden Tag in der gleichen Klasse sitzt und schon räumlich ständig präsent ist? „Der Liebeskummer kann dann länger dauern“, sagt Jutta Stiehler, Leiterin des Dr.-Sommer-Teams der Zeitschrift „Bravo“.

Singleberater Christian Thiel aus Berlin weiß, wie die wichtigste Regel bei Liebeskummer lautet: „Kein Kontakt!“ In der Schulklasse ist das natürlich ein Problem: „Man muss eine Regel umsetzen, die sich nicht umsetzen lässt.“ Als Notlösung bleibe nur so wenig Kontakt wie möglich. „Keine Anrufe, keine SMS, keine Mails, nur höfliches Begrüßen.“ Jutta Stiehler spricht vom größtmöglichen Rückzug: „Sich vor oder nach der Schule aus dem Weg gehen und sich so hinsetzen, dass man den anderen nicht die ganze Zeit anschauen muss.“

Sich so zu verhalten, löst das Problem jedoch nicht. „Man kann natürlich versuchen, sich möglichst aus dem Weg zu gehen und gewisse Berührungspunkte zu meiden wie Gruppenarbeit oder gemeinsame Pausen“, sagt Nina Pirk von der Nummer gegen Kummer in Wuppertal. „Trotzdem sieht man sich ja täglich, und die Mitschüler beobachten die Situation neugierig.“ Das sei vor allem am Anfang belastend.

Das Thema meiden

Diese unangenehme Situation müssen Jugendliche erst einmal ertragen. „Es gibt kein Patentrezept“, sagt Pirk. Aber beide können versuchen, vernünftig damit umzugehen. Christian Thiel empfiehlt: „Am besten mit niemandem aus der Klasse über die verflossene Liebe reden.“ Das führe nur zu Druck, weil man sich immer frage: Was könnte der andere über mich verbreiten? Deshalb: „Keine Gespräche nach dem Motto ,Der oder die hat das und das gesagt‘. Das landet sowieso bei dem anderen.“

Jugendliche müssten ihr Leid außerhalb der Klasse bewältigen, sagt Thiel. „Im Freundeskreis, bei dem es wirklich nicht die Runde macht, bei Freunden, die sicher nichts erzählen.“ Über tiefen Liebeskummer sollten die Eltern Bescheid wissen. „Wer niemand zum Reden hat, sollte sich anonymen Rat holen, etwa über das Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche.“

Dass keine pikanten Details aus der Beziehung oder persönliche Befindlichkeiten weitererzählt werden sollten, gilt im Übrigen für beide. „Es gibt keine Regel, die besagt, dass es demjenigen besser geht, der sich getrennt hat“, sagt Thiel. „Man kann dieser Person nur den gleichen Ratschlag geben: nicht über den oder die Ex reden.“ Geht es einem trotz Trennung wieder besonders gut, sollte man das nicht allzu sehr vor sich hertragen. „Manchmal machen das Jungs wie Mädels. Aber das hilft keinem weiter.“

Jutta Stiehler hält es nicht für verkehrt, an die Fairness des anderen zu appellieren: „Man kann zum Beispiel sagen: ,Mir geht es mit der Situation nicht gut. Du musst das ja nicht so raushängen lassen, dass es dir wieder gut geht‘.“ Das gehe aber nur, wenn beide es schafften, die gemeinsame Zeit in guter Erinnerung zu halten.

Ein weiterer Tipp von Nina Pirk, um in bestimmten Momenten nicht zu sehr gekränkt zu werden: Mögliche Situationen, die im Schulalltag auf einen zukommen könnten, durchspielen und überlegen, wie man reagieren möchte. „Das kann einem mehr Sicherheit in der Situation geben.“ Es könne bei der Verarbeitung schlechter Gefühle helfen, solche Überlegungen gemeinsam mit Freunden durchzuspielen.

Wer Glück hat, trennt sich kurz vor Beginn der Ferien - denn diese bieten Zeit für einen Tapetenwechsel, sagt Thiel. „Man kann weit wegfahren oder im Sommer einen sechswöchigen Schüleraustausch machen.“ Das sei eine gute Strategie für mehr Abstand. „Räumliche Trennung jeder Art kann eine Hilfe sein.“

Sich etwas Gutes tun

Ansonsten hilft eine Strategie, die noch bei keinem Liebeskummer geschadet hat: „Sich etwas Gutes tun, etwas Schönes unternehmen“, sagt Nina Pirk. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: „Sich beim Sport auspowern, shoppen gehen, sich eine neue Frisur zulegen.“ Es gehe vor allem darum, auf sich selbst zu achten und zu versuchen, das Erlebte gut zu verarbeiten. „Es ist ganz normal, dass sich der Umgang miteinander für eine gewisse Zeit fremd anfühlt.“

Von einem Klassenwechsel wegen dem oder der Ex halten die Experten wenig. „Man kann nicht einfach die Klasse wechseln oder die Traurigkeit, die einfach da ist, wegwischen“, sagt Jutta Stiehler. Und auch Nina Pirk findet: „Das ist eine radikale Maßnahme, die selbst bei schweren Mobbingfällen erst als letzte Möglichkeit in Erwägung gezogen werden sollte.“

Und auch wenn der oder die Verflossene in der gleichen Klasse sitzt und der Liebeskummer deshalb länger anhält, stellt sich früher oder später eine innere Ruhe ein. Man kann wieder nach vorne schauen. „Irgendwann wird es besser, auch wenn man sich das in dem Moment nicht vorstellen kann“, sagt Stiehler.

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