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Eine Torte aus Windeln

In den USA und in Großbritannien feiern Schwangere vor der Geburt mit Freunden und Familie eine Babyparty. Der Trend schwappt nach Deutschland.
Mutterkult auf amerikanisch: Schwangere lassen sich feiern und beschenken.	Foto: Baby Belly Party/dpa Mutterkult auf amerikanisch: Schwangere lassen sich feiern und beschenken. Foto: Baby Belly Party/dpa

Das Zimmer ist geschmückt, bei Kaffee und Kuchen sitzen Gäste um eine Frau mit ansehnlichem Babybauch. Mit verzücktem Blick begleiten sie, wie die werdende Mutti ein Geschenk nach dem anderen auspackt. Babypartys werden auch in Deutschland immer beliebter. Dabei geht es vor allem um Geschenke als Erstausstattung für die junge Familie.

„Eingeladen werden Mutter, Schwestern, Schwiegermutter, Freundinnen und, wenn man sich näher steht, auch Kolleginnen“, sagt Bärbel Musselmann aus Neuweiler bei Stuttgart, die seit drei Jahren nebenberuflich Babypartys organisiert. Männer, so sagt sie, sind eher selten dabei - und die wenigsten sind scharf darauf.

Organisiert wird die Feier von der Freundin, Schwester, Schwägerin oder manchmal sogar vom Ehemann. Sie wissen, was der Schwangeren am ehesten gefällt: Sollte sie in die Planung einbezogen werden oder darf es eine Überraschungsparty sein? „In letzterem Falle sollte der werdende Vater mit ins Boot geholt werden“, rät Katharina Lehmann, die die Internetseite www.babybellyparty.de betreibt.

Der künftige Vater weiß außerdem, was von der Erstausstattung noch benötigt wird. Mit einer Liste kann in einem Geschäft mit Babyausstattung ein Geschenktisch eingerichtet werden, von dem die Gäste auswählen. Die Preisspanne sollte breit sein, von 5 bis 100 Euro. Für teure Anschaffungen können sich mehrere Leute zusammentun. Gutscheine sind immer willkommen, etwa von einer Drogeriekette zum Kauf von Windeln und Pflegeprodukten oder von einem Geschäft mit Babyausstattung.

Strampler gehen immer

Das hilft den Eltern mehr als Strampler, aus denen das Kind rasch herauswächst. Mit einer Ausnahme: Keine Babyparty ist vollkommen ohne Windeltorte - ein tortenähnliches Gebilde aus Windeln, Babyhautcreme, Wundschutzcreme und Körperöl.

Wenn es doch etwas zum Anziehen sein soll, rät Susanne Lohmann vom Hebammenverband Hamburg zu Stramplern, die nicht über den Kopf gezogen, sondern gewickelt werden. Sie dürfen gerne auch aus einem edleren Material sein wie ein Wolle-Seide-Gemisch - ein Luxus, den sich werdende Eltern selten gönnen.

Eine Alternative zu Stramplern ist laut Lohmann ein Pucksack. In diesen Beutel, der bis unter die Arme reicht, wird das Baby nur mit der Windel bekleidet gelegt. So könnten die Säuglinge die Füße an den Sohlen aneinanderlegen. „Das machen sie gern zur Beruhigung oder für die Stabilität“, so die Hebamme. Eine sehr persönliche Gabe ist Selbstgestricktes oder -gehäkeltes wie Socken, Schühchen oder eine Wolldecke.

Auch die Eltern können verwöhnt werden, etwa mit einem Gutschein für ein Dinner oder eine Fußmassage. „Man kann auch Hilfe im Haushalt nach der Geburt anbieten“, schlägt Lohmann als kostenloses, aber wertvolles Geschenk vor. Zur Geburt sind weitere Geschenke nicht mehr nötig.

Ob ein Geschenktisch vorbereitet ist oder nur Gutscheine gewünscht werden, sollte in die Einladung geschrieben werden. Ebenso wie die Bitte, zu der Feier eine Kleinigkeit zu essen mitzubringen. „Eine Babyparty beginnt gegen 16 Uhr und zieht sich bis in den frühen Abend“, sagt Musselmann. Daher sollte der Organisator planen, wer Kuchen, Muffins oder Salat zubereitet.

Wer die Deko bezahlt

Gefeiert wird im Heim der werdenden Eltern, bei der Organisatorin oder Freunden. Und zwar mit größtmöglich kitschiger Dekoration: Ist das Geschlecht des Babys bekannt, dominieren Hellblau oder Rosa bei Luftschlangen, Luftballons, Kerzen, Servietten, Konfetti und Girlanden. „Wenn es neutraler sein soll, sind Farben wie Gelb oder Vanille passend“, empfiehlt Lehmann. Die Dekoration bezahlt derjenige, der organisiert. „Der Organisator kann jedoch die Gäste bei der Planung fragen, ob sie sich finanziell an Deko oder Leckereien beteiligen möchten, das Geschenk ist dann die Babyparty selbst“, so Lehmann.

Sobald die Gäste bei Kaffee und Kuchen versammelt sind, geht es ans Auspacken der Geschenke. Und auch ohne Spiele kommt keine Babyparty aus. So kann man in der Einladung darum bitten, dass jeder ein Kinderfoto von sich mitbringt. Diese werden an eine Fotowand geheftet, und die Gäste müssen raten, welches Foto welchen Gast zeigt.

Schokolade in Pampers

Außerdem darf der Umfang des Babybauchs geschätzt werden, indem jeder Gast ein Geschenkband in der Länge so abschneidet, dass es einmal um den Bauch der Schwangeren passen würde. Daneben können Etiketten von Breigläschen gelöst werden, und die Gäste müssen die Sorte raten.

Es geht noch rustikaler: So werden Schokoladensorten erwärmt und in eine Windel gestrichen. Die Gäste müssen daran schnuppern und die Sorte erraten. „Maximal drei Spiele reichen, damit die Unterhaltung der Gäste nicht zu oft unterbrochen wird“, rät Musselmann.

Bislang, so berichtet Musselmann, waren Schwangere und Gäste stets begeistert. Und doch trifft sie gelegentlich auf Skepsis: „Einige sagen, eine solche Feier sei vor der Geburt nicht angemessen, da bei der Geburt immer noch etwas passieren könne.“ Dazu sagt Hebamme Lohmann: „In seltenen Fällen, ja.“ Doch sie gibt zu bedenken, dass die Erstausstattung so oder so vor der Geburt gekauft werde. „Und eine solche Feier zeigt die Vorfreude auf das Kind, die alle teilen.“

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