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Beruf Hundefriseur: Fassonschnitte für Vierbeiner

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Charly wirbelt herum. Der Rüde ist ein lebhaftes Tier, doch als es ans Waschen geht, wird der Shih-Tzu-Mischling ruhig. „Er weiß, was jetzt kommt“, erklärt Rainer Wolff. Der Berliner leitet einen Hundesalon im Stadtteil Wilmersdorf. Dort bietet er das ganze Paket: Waschen, Bürsten, Schneiden und Krallenpflege. Bei seinen Kunden ist die Freude über den Friseurbesuch geteilt: Die Herrchen freuen sich danach über ihre frisierten Lieblinge, die Hunde darüber, endlich wieder raus zu sein.

„In den Augen der Hunde sind Friseure nicht immer die besten Freunde“, sagt Wolff. Die Geräusche des Föns, das Wasser, langes Stehen beim Bürsten und Schneiden. All das sei gegen ihre Natur, sagt der 49-Jährige. Das muss jedem klar sein, der Hundefriseur werden will. Liebe zum Hund ist deswegen nur eine Voraussetzung für den Job. Noch wichtiger ist ein angstfreier, sicherer Umgang mit den Vierbeinern.

Nur an den richtigen Stellen anfassen

Übertriebene Zimperlichkeit sei genauso falsch, mahnt Wolff. „Man muss die Anatomie der Hunde genau kennen.“ Nur dann kann an der richtigen Stelle beherzt zugepackt werden: Beim Waschen drückt Wolff Charly die Ohren ran und braust ihm von hinten das Köpfchen ab. „Das ist wichtig, denn in die Ohren darf kein Wasser, sie sind sehr empfindlich.“ Hunde schnappen mitunter nach dem Friseur oder dessen Geräten. Für diese Fälle braucht es Erfahrung: Wolff erkennt die Anzeichen bereits, bevor der Hund beißt. Manchmal hilft nur ein Maulkorb. „Das richtige Handling der Hunde muss man sich über Jahre erarbeiten.“

Hundefriseur – oder auch „Groomer“ – ist kein gesetzlich anerkannter Ausbildungsberuf. Jemand, der wie Wolff drei Jahre lang gelernt hat, darf sich ebenso so nennen, wie jene, die einen mehrwöchigen Lehrgang absolviert haben.

„Es ist eher Berufung als Beruf“, sagt Ute Klaßen. Sie leitet in Castrop-Rauxel die Groomer-Academy, bildet also selbst aus. Der Kurs an ihrer Schule dauert fünf Wochen und kostet rund 2500 Euro. Dort lernen angehende Hundefriseure unter anderem, dass jede Rasse ihre eigenen Fellschnitte hat. „Ein Rauhaardackel kann nicht wie ein West-Highland-Terrier frisiert werden“, erklärt Klaßen.

Keiner sollte ohne solide Kenntnisse über Arbeitsgeräte, Arbeitsschutz sowie das Wesen und die Bedürfnisse der Hunde an die Tiere ran, betont Klaßen. Künftige Hundefriseure sollten sich im Klaren sein, dass nicht nur gestriegelte Chihuahuas in den Salon kommen werden. „Man sollte auch keine Angst vor großen und schmutzigen Hunden haben“, sagt Klaßen. Waschen und Bürsten ist ebenso Teil des Geschäfts wie Schneiden und Scheren.

Auch bei Hunden gibt es Standardfrisuren. Die sind für verschiedene Rassen vom internationalen Verband FCI („Fédération Cynologique Internationale“) vorgegeben. „Jene Schnitte muss man beherrschen“, sagt Brigitte Bleidorn, die seit 38 Jahren Hundefriseurin ist und einen Salon in Remagen bei Bonn leitet. Für Hundebesitzer, die mit ihren Lieblingen bei Wettbewerben starten, sind diese Frisuren essenziell. Sitzt dann nicht jedes Haar, winken keine Preise.

Allerdings sind die FCI-Schnitte kein Muss. Bleidorn findet einige der Standards ohnehin nicht ideal. „West-Highland-Terrier haben kurze Beine. Das Fell soll aber lang nach unten fallen und oben kurz sein“, nennt sie ein Beispiel. „Das sieht doch nicht schön aus.“ Besteht der Kunde für seinen Liebling nicht auf einer Standardfrisur, bleibt viel Raum für Kreativität – in Absprache mit dem Hundebesitzer.

„Groomer“ müssen sich
einen Namen machen

Der Markt für Hundefriseure sei umkämpft, sagt Rainer Wolff. „Umso wichtiger ist es, mit konstant guter Arbeit Stammkunden zu gewinnen.“ Auch ein Alleinstellungsmerkmal kann hilfreich sein: Wolff frisiert die Hunde seiner Kunden ausschließlich mit Effilierschere und Kamm – egal ob große Hunde wie Afghane oder kleinere wie Yorkshireterrier.

Seine Technik ähnelt der für den Fassonschnitt beim Menschen: Mit dem Kamm stellt Wolff die Haare auf und schneidet sie dann fransig ab. „So ist, im Gegensatz zum Scherer, eine individuelle Haarlänge realisierbar.“ Je nach Größe des Hundes und dem Zustand von dessen Haarpracht dauert ein Schnitt zwischen 20 Minuten und zwei Stunden.

Nach der Ausbildung machen sich Hundefriseure in der Regel selbstständig. Je nach eigenem Anspruch liege die Preisspanne für die Einrichtung des Salons bei 3000 bis über 10 000 Euro, schätzt Brigitte Bleidorn. Wer 40 Stunden in der Woche arbeitet und gute Qualität liefert, kann sich laut Ute Klaßen aber eine sichere Existenz aufbauen. „Wichtig ist, sich einen Namen zu machen.“ Tom Nebe, dpa

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