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Friedensstifter: Senioren schlichten Streit in Schulen

Streit mit dem Freund, Ärger in der Klasse: Mit solchen Themen kommen Kinder zu den Schulmediatoren Gisela Eisenreich und Walter Hauser. Foto: Tobias Hase Bilder > Streit mit dem Freund, Ärger in der Klasse: Mit solchen Themen kommen Kinder zu den Schulmediatoren Gisela Eisenreich und Walter Hauser. Foto: Tobias Hase
München. 

Wenn zwei sich streiten, kann ein Dritter oft einen Ausweg zeigen. Vor allem, wenn er im Leben schon viel erlebt und gesehen hat. Auf dieser Idee basiert ein Projekt, das Senioren als Mediatoren in Schulen einsetzt.

Wenn Anna nicht mehr mit Julia spricht, weil die sich gestern mit Alexandra getroffen hat, und wenn Julian glaubt, dass Timo ihn um seine beste Fußballkarte betrogen hat, dann mag das für Erwachsene banal klingen. Doch aus Kindersicht kann ein solcher Streit eine Katastrophe sein. Und nicht immer gelingt die Versöhnung aus eigener Kraft. Hier setzt das Projekt «Seniorpartner in School» (SiS) an: Senioren helfen den Kindern als ehrenamtliche Mediatoren dabei, Konflikte zu bewältigen.

Walter Hauser aus München ist einer von ihnen. Seit eineinhalb Jahren sitzt der 68-Jährige jeden Donnerstag zusammen mit einer Kollegin in einem Raum einer Grundschule im Stadtteil Nymphenburg. Ihre Aufgabe: Sie sollen in Streit geratenen Schülern bei der Lösung ihres Problems zur Seite zu stehen. «Die Themen sind so vielfältig wie der Kinderalltag: Ausgrenzung, Rangeleien - oder auch die Frage, ob man eine Kröte töten darf», erzählt der IT-Ingenieur im Ruhestand.

Wenn die Kinder das Gefühl haben, dass sie Hilfe benötigen, um einen Streit beizulegen, melden sie ihren Wunsch bei ihrer Lehrerin an und gehen zu den beiden Mediatoren. «Für das Kollegium bedeutet das eine große Entlastung», sagt Schulleiterin Andrea Konetschny. «Streitigkeiten in der Pause müssen ansonsten erst in der Klasse aufgearbeitet werden.»

«Schulen brauchen Regeln und Rituale, in denen Konflikte aufgefangen werden», bestätigt der Berliner Schulpsychologe Klaus Seifried. Er leitet das Schulpsychologische Beratungszentrum Tempelhof-Schöneberg. In einer so großen Einrichtung wie einer Schule, in der mehrere hundert Kinder und Erwachsene viel Zeit miteinander verbringen, seien kleine und große Streitigkeiten Alltag. «Entscheidend für das soziale Miteinander ist, wie damit umgegangen wird», sagt der stellvertretende Vorsitzende der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen.

Die Vermittlung in der konkreten Streitsituation sei nur ein Aspekt des Projekts, sagt Walter Hauser. Der zweite lautet: «Den Kindern über den konkreten Streit hinaus Strategien zur Konfliktbewältigung aufzeigen.»

Rund 800 Senioren sind derzeit bundesweit unter dem Dach von «Seniorpartner in School» als Mediatoren in Schulen tätig. Die Nachfrage ist noch längst nicht gedeckt: Ehrenamtliche Mitstreiter werden nach wie vor gesucht. 2001 startete das Projekt in Berlin, mittlerweile gibt es in 13 Bundesländern Landesverbände.

Die bundesweite Dachorganisation hat das Qualitätsmanagement im Blick: Auch nach der Ausbildung treffen sich die Mediatoren zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch und zur Weiterbildung. «Denn es gibt Konflikte, an denen eine solche Form der Streitschlichtung an ihre Grenzen stößt», sagt Schulpsychologe Klaus Seifried.

Das können schwere Fälle von Mobbing oder auch Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Erwachsenen sein. Hier die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, sei sicher eine Voraussetzung für die Streitschlichtertätigkeit. Ein weiteres wichtiges Kapital bringen die Senior-Mediatoren nach Ansicht von Schulleiterin Konetschny schon aufgrund ihres Alters mit: Sie schätzt die Lebenserfahrung der Senioren und die Tatsache, dass sie meist aus Berufen kommen, die nichts mit Schule zu tun haben. «Die Sicht von außen kann manchmal hilfreich sein.»

(Von Eva Dignös, dpa)
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