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Gewalt gegen Kinder - ein Überblick

Auch wenn Gewalt in der Erziehung mittlerweile sozial geächtet ist - viele Kinder erfahren diese noch immer in der sensibelsten Phase ihres Lebens. Besonders Kinder aus armen Familien sind davon betroffen. Das hat oft Langzeitschäden zur Folge.
Wer seine Kinder in der Erziehung schlägt, riskiert psychische und physische Schäden. Auch ein „Klaps auf den Po” kann bereits Traumata auslösen. Foto:Maurizio Gambarini/dpa Wer seine Kinder in der Erziehung schlägt, riskiert psychische und physische Schäden. Auch ein „Klaps auf den Po” kann bereits Traumata auslösen. Foto:Maurizio Gambarini/dpa
Berlin. 

a target="_blank" href="www.kindervertreter.de/downloads/Pressekonferenz%2001.%20Juni%202016%20PKS%202015.pdf">Kriminalitätsstatistiken und Studien der vergangenen Jahre zeigen: Gewalt in der Erziehung ist gesellschaftlich immer weniger akzeptiert. Trotzdem erfahren viele Kinder noch immer Gewalt, physisch und psychisch. Ein Überblick:

Wie viele Deutsche haben in ihrer Kindheit Gewalt erfahren?

Knapp ein Drittel (30,8 Prozent) der Bundesbürger gibt an, in der Kindheit körperliche oder emotionale Gewalt erfahren zu haben, fast jeder siebte (13,9 Prozent) Deutsche ist demnach Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Das ergab eine repräsentative Umfrage unter etwa 2500 Bundesbürgern zwischen 14 und 94 Jahren, die Forscher der Universität Ulm im vergangenen März vorstellten.

Wie akzeptiert sind Schläge in der Kindererziehung heutzutage noch?

In der Nachkriegszeit waren Schläge in der Kindererziehung oft noch die Regel, seitdem wächst die Zahl derer, die körperliche Strafen ablehnen. Für die Mehrheit sind „ein Klaps auf den Po” oder eine Ohrfeige mittlerweile tabu, sagte der Ulmer Experte für Kindeswohlgefährdung Jörg M. Fegert im vergangenen Jahr. Im vergangenen Jahr fanden 44,6 Prozent einen „Klaps auf den Po” akzeptabel (2005: 76,2 Prozent); eine leichte Ohrfeige bewerteten 17 Prozent als in Ordnung (2005: 53,7 Prozent). Eine Tracht Prügel mit Blutergüssen oder das Schlagen mit einem Stock sahen im vergangenen Jahr nur noch 0,1 beziehungsweise 0,4 Prozent als vertretbar an (2005: jeweils 1,9 Prozent).

Wer ist am häufigsten betroffen?

Eine Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung aus dem Jahr 2013 zeigt: Heranwachsende aus armen Familien sind am stärksten von körperlicher Gewalt betroffen. Sozial besser und durchschnittlich gestellte Kinder erfahren den Angaben zufolge deutlich seltener Gewalt. Am häufigsten finden Misshandlungen innerhalb der Familie statt.

Welche Rolle spielt das Internet?

Das Internet spielt neben der Familie eine große Rolle. Die Psychologin Julia von Weiler von der Organisation „Innocence in Danger” sprach Anfang des Jahres von 700 000 Erwachsenen in Deutschland, die sexuelle Online-Kontakte zu Kindern hatten. Sie forderte, schon den Versuch des sogenannten Cybergrooming - also das Ansprechen Minderjähriger im Netz mit dem Ziel sexueller Kontakte - unter Strafe zu stellen.

Welche Spätfolgen bewirken Gewalterfahrungen in der Kindheit?

Menschen, die Missbrauch oder Vernachlässigung erlitten, haben ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen sowie ein höheres Suizidrisiko. Deutlich häufiger als Menschen ohne Gewalterfahrungen leiden sie an Übergewicht, Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronischen Schmerzen, sagte Markus Huber-Lang, Chirurg am Zentrum für Traumaforschung der Uni Ulm im März 2017.

(dpa)
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