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Himmel oder Hölle: WG mit dem besten Freund birgt Risiken

Geht eine Wohngemeinschaft wegen versäumter Spüldienste und gedankenlosem Butterdiebstahl in die Brüche, ist das blöd. Ein Drama ist es nicht. Haben aber zwei beste Freunde die WG gegründet, löst sich mit dem gemeinsamen Haushalt manchmal noch viel mehr auf.

Die eigene Wohnung ist für manche Studenten der erste echte Rückzugsort ihres Lebens. Klappt es mit dem Mitbewohner nicht, ist das nervig. Hat sich ein Student seinen besten Freund als Mitbewohner dazugeholt, kann es richtig an die Nieren gehen, wenn das Zusammenleben nicht funktioniert. Den Grund erklärte Wilfried Schumann. Er leitet die Psychologische Beratungsstelle von Universität und Studentenwerk Oldenburg.

„Einen besten Freund hat man in vielen Situationen gewissermaßen exklusiv.“ Das verstärke sich noch, wenn beide zusammenziehen. Klingt doch wie das Paradies, oder? Grundsätzlich schon, sagte Schumann. „Das gravierendste Problem daran ist aber: Kann ich es ertragen, wenn mein Freund eine Liebesbeziehung eingeht und dann eine dritte Person ganz oft bei uns zu Hause ist?“ Mit der Exklusivität ist es dann erst mal vorbei. Das stellt eine Freundschaft zwar auch ohne gemeinsame WG auf die Probe. „Aber wenn man das in der eigenen Wohnung hautnah erlebt, ist das natürlich noch intensiver.“ Der Psychologe will besten Freunden auf keinen Fall davon abraten, zusammenzuziehen. „Was kann man sich Schöneres vorstellen, als mit einer Person zusammenzuleben, mit der man sich gut versteht?“ Allerdings ist das Risiko hoch, dass der eine plötzlich Eigenschaften des anderen zu spüren bekommt, die eben nur der Wohnalltag offenbart - und die ihm gehörig auf den Geist gehen.

Lebensgewohnheiten, Putzgewohnheiten, Erwartungen: „Das sollte man vorher alles abchecken“, rät Schumann. Wie checkt man so was? Während einer Reise lasse sich viel über die Gewohnheiten des Begleiters erfahren, regt der Experte an. Hat er einen ganz anderen Lebensstil als ich, einen ganz anderen zeitlichen Rhythmus?

Ist die WG bereits gegründet und kurz davor, in die Brüche zu gehen, sollten sich die Freunde nicht gleich wütend trennen. „Nicht immer in Extremen denken“, empfiehlt Schumann. „Das Zaubermittel ist Kommunikation.“ Am besten setzen sich beide zusammen und suchen ruhig einen Ausweg. „Es kann eine Freundschaft ja auch weiterbringen, sich hinzusetzen und ein Problem zu lösen.“ Ist die einzige Lösung eine Trennung: okay, warum nicht? „Dann nehme ich eben die Seite von ihm, mit der ich gut zurechtkomme und verzichte auf den Rest.“

(dpa)
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