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Kinder zum Erzählen animieren

Kinder sind nicht immer redselig. Oft haben Eltern das Gefühl, ihrem Nachwuchs alles aus der Nase ziehen zu müssen. Wer einige Dinge beachtet, macht den Kindern das Erzählen leichter.
Eltern wollen gern wissen, was das Kind tagsüber gemacht hat. Voraussetzung für eine ausführliche Auskunft ist, dass man dem Kind wirklich Aufmerksamkeit schenkt. Foto: Andreas Pacek/Westend61/dpa-tmn Eltern wollen gern wissen, was das Kind tagsüber gemacht hat. Voraussetzung für eine ausführliche Auskunft ist, dass man dem Kind wirklich Aufmerksamkeit schenkt. Foto: Andreas Pacek/Westend61/dpa-tmn
München. 

Wenn Eltern ihr Kind aus dem Kindergarten abholen oder es mittags aus der Schule nach Hause kommt, lautet die erste Frage oft: „Und, wie war's heute?” Meist folgt darauf eine eher einsilbige Antwort.

Es ist wichtig, dass Kinder erzählen. Nicht nur für die Eltern, die wissen wollen, was den Nachwuchs beschäftigt, sondern auch für die Entwicklung des Kindes selbst.

Wenn Kinder beim Nachhausekommen erstmal schweigsam sind, heißt das nicht, dass sie generell kein Interesse haben, zu erzählen, sagt Prof. Fabienne Becker-Stoll vom Staatsinstitut für Frühpädagogik. Eltern sollten sich einmal selbst beobachten: Ob jemand nach einem anstrengenden Arbeitstag sofort erzählen möchte oder erst einen Moment für sich braucht, sei vom Typ abhängig. „Kinder sind unterschiedlich, genau so, wie es Erwachsene auch sind”, erklärt die Psychologin.

Bei Kindern komme hinzu, dass sie mehr Zeit als Erwachsene brauchen, um die Übergänge im Alltag zu meistern. „Sich neu zu organisieren für eine andere Umgebung, das kostet Kinder mehr Kraft und Energie als uns Erwachsene.” Es hilft, Kindern Zeit zum Umschalten zu lassen.

Dass Kinder über ihren Tag sprechen, ist wichtig, denn beim Erzählen lernt ein Kind Selbstachtsamkeit. Es wird sich bewusst über das eigene Innenleben, Gefühle und Gedanken, Dinge, die es lustig findet und die es gut gemacht hat, erklärt Becker-Stoll. „Im Gespräch mit den Eltern findet das Kind Worte dafür, wie es ihm geht. Das ist ganz schwer und muss erst gelernt werden.”

Eltern können ihr Kind unterstützen, indem sie inhaltsleere Fragen wie „Na, wie war's heute?” vermeiden. Solche Fragen signalisieren dem Kind, dass eigentlich kein wirkliches Interesse besteht, erklärt der Psychologe Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). „Wichtig ist, Gesprächssituationen schön und gemütlich zu gestalten”, erklärt Becker-Stoll.

Um Kinder zum Erzählen zu ermuntern, sollten Eltern generell offene Fragen stellen, also Fragen, auf die nicht einfach mit „ja” oder „nein” geantwortet werden kann. Statt „Hat's Spaß gemacht heute?” also besser: „Was hat heute besonders Spaß gemacht?” Es kann auch helfen, gezielt nach konkreten Ereignissen zu fragen, von denen man weiß, dass sie das Kind mag - wie etwa den Sportunterricht.

Dann ist es wichtig, den Erzählungen des Kindes aktiv zuzuhören. „Aktiv zuhören heißt, dass ich das, was ich wahrnehme, also Gefühle, Körperreaktionen und Verhaltensweisen des Kindes, in Worten zurückgebe”, erklärt Regula Ferro-Hertenstein . Sie ist Familienberaterin und schulische Heilpädagogin in der Schweiz. Erzählt das Kind beispielsweise von einer schlechten Note und macht dabei ein trauriges Gesicht, können die Eltern sagen: „Du siehst enttäuscht aus.” Wichtig dabei ist: „Nach einem solchen Satz muss ich auf eine Reaktion warten.” Durch aktives Zuhören zeige man dem Kind echtes Interesse und ermutige es zum Weiterreden.

Eltern sollten außerdem versuchen, nicht wertend zu reagieren. Auch mit gut gemeinten Ratschlägen sollten sie sich zurückhalten, sagt Becker-Stoll. Statt dem Kind zu sagen, was es nach einem Streit mit einem Freund tun könnte, lieber etwas bemerken wie: „Das ist echt eine schwierige Situation. Was könntest du da denn jetzt machen?”

(Von Jessica Kiefer, dpa)
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