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Nichts für Hektiker: Wie man Kindern Geduld beibringt

Sich in Geduld üben und die Aufmerksamkeit eine Zeit lang nur auf eine Sache richten - das fällt vielen Kindern schwer. Eltern können sie darin unterstützen, indem sie ihnen ein Gefühl für Zeit vermitteln - und Geduld selbst vorleben.
Mit zunehmendem Alter lernen Kinder immer mehr, sich zu gedulden. Foto: Westend61 Foto: dpa Mit zunehmendem Alter lernen Kinder immer mehr, sich zu gedulden. Foto: Westend61
Vogt. 

Einer vorgelesenen Geschichte bis zum Ende zuhören, sitzenbleiben, bis alle am Tisch aufgegessen haben, die Eltern ein Telefonat beenden lassen - abwarten ist für viele Kinder eine Herausforderung. Wer seinem Kind dabei helfen will, Geduld zu lernen, braucht vor allem eins: Geduld.

In vielen Situationen beweisen Kinder ganz von selbst Geduld, erklärt Buchautor und Kinderarzt Herbert Renz-Polster. „Wer sein Kind beim Spielen beobachtet, sieht, dass es sich oft selbst Zügel anlegt und auf etwas hinarbeitet.” Zum Beispiel beim Verstecken spielen: Ohne äußere Zwänge warten Kinder geduldig im Versteck. So lernen sie, ihre Gefühlswelt zu regulieren, erklärt Renz-Polster.

Dabei sollte Warten stets positiv besetzt sein: „Warten darf für Kinder kein Stress sein, es muss sich gut anfühlen.” Eine klassische Situation: Vater oder Mutter telefoniert, das Kind möchte etwas erzählen. Wer seinem Kind trotzdem einen Augenblick Aufmerksamkeit schenkt und erklärt, dass man nach dem Gespräch noch einmal in Ruhe spricht, zeigt: Du bist mir wichtig. Das motiviert das Kind zu warten.

Ein konkretes Alter, in dem Kinder Geduld erlernen, gibt es nicht, meint Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Wenn Kinder anfangen zu sprechen und eine Reflexion ihrer Umwelt zeigen, kann man anfangen, ihnen Geduld beizubringen. Bei vielen Kindern ist das ungefähr im Alter von zwei bis drei Jahren. Allerdings können Kinder noch nicht die Zeit überblicken: „Man kann einem Zweijährigen nicht sagen, dass man in zehn Minuten wieder da ist.”

Wartezeiten müssen gerade bei kleinen Kindern an konkreten Dingen erklärt werden. Wer seinem Kind sagt: „Nachdem du dich bettfertig gemacht hast, lese ich eine Geschichte vor”, macht die Zeit begreifbar. Oberste Maxime, bei dem Versuch, Geduld beizubringen: Eltern sind das Vorbild. „Wer permanent hektisch durch die Gegend rennt, sollte sich nicht wundern, wenn auch das Kind unruhig ist”, sagt Schliewenz. „Selbst zwischendurch innehalten und zum Beispiel das Smartphone mal warten lassen - so können wir Geduld vorleben.”

Nicht auf alle Kinder überträgt sich Geduld aber von allein. Dann kann man diese Eigenschaft üben. Schon kleine Erfolge wertschätzen, hilft: „Wenn das Kind abwartet und nicht dazwischenredet, sollten Eltern das Verhalten loben”, rät Schliewenz.

Mit dem Alter ändert sich auch das Zeitfenster, in dem ein Kind Geduld aufbringen kann und muss, meint Ulric Ritzer-Sachs von der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Im Grundschulalter wird Geduld wichtiger, denn im Unterricht wird diese Fähigkeit abverlangt.

Auch zu Hause lässt sich Geduld üben. Ein Trick ist, mit einer Eieruhr bestimmte Zeiträume abzugrenzen, verrät Ritzer-Sachs. Wer beim Lieblingsspiel des Kindes merkt, die Aufmerksamkeit geht verloren, kann eine Eieruhr stellen und sagen: „Komm, bis die Uhr klingelt, spielen wir weiter.” So üben Kinder, etwas zu Ende zu bringen. Dabei sollte man die Eieruhr nicht durch den Timer auf einem Handy ersetzen. Auch davon, Zeitgefühl anhand einer Fernsehsendung oder dem Spiel auf einem Tablet begreifbar zu machen, rät Ritzer-Sachs ab. „Bildschirme lenken ab und fordern eine spezielle Form der Aufmerksamkeit.”

Literatur:

Herbert Renz-Polster: Menschenkinder. Artgerechte Erziehung - was unser Nachwuchs wirklich braucht, Kösel, 17,99 Euro, 256 Seiten, ISBN-13: 9783466310685

Herbert Renz-Polster: Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt, Kösel, 19,95 Euro, 512 Seiten, ISBN-13: 9783791338248

(Von Marie Blöcher, dpa)
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