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Sarg im XXL-Format für schwergewichtige Tote

Hinterbliebenen ist es oft peinlich, wenn ein sehr dicker Angehöriger gestorben ist. Der Transport des Toten kann problematisch sein. Doch es gibt Lösungen - und die sollen würdevoll sein.
Für manche Tote bedarf es einen größeren Sarg im Vergleich zu einem üblichen. Foto: Daniel Karmann Für manche Tote bedarf es einen größeren Sarg im Vergleich zu einem üblichen.
Berlin. 

Manchmal kommt der Tod ziemlich massiv daher. Wenn

Treppe oder Fahrstuhl zu schmal sind, muss die Leiche mit

Schwerlasttrage und Kran aus der Wohnung gehievt werden.

„Das gibt es immer wieder. Wir achten sehr darauf, dass trotzdem alles würdevoll abläuft”, sagt Bianka Olm von der Berliner Feuerwehr. Sie erinnert sich an einen Fall, da wurde ein Fenster aufgestemmt, damit der dicke Tote seine letzte Reise antreten konnte. Einmal sei auch der Leichensack zu klein gewesen. „Wir haben den Mann in eine Lkw-Plane gewickelt.” Solche Fälle seien aber nur ein „sehr, sehr kleiner Teil” der rund 450 000 Einsätze der Hauptstadt-Feuerwehr im Jahr.

Extrem übergewichtige Tote seien zwar weiter die Ausnahme, heißt es

auch beim Bundesverband Deutscher Bestatter. „Doch das nimmt zu”,

sagt Sprecher Oliver Wirthmann. Auch beim Sterben spiegele sich die

Entwicklung der Gesellschaft wieder. Von 911 000 Toten im Jahr 2016

hätten einige Tausend Adipositas (starkes oder krankhaftes

Übergewicht) gehabt. 80 Prozent der Verstorbenen passten aber in

normierte Särge.

Über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland ist übergewichtig,

fast ein Viertel ist krankhaft übergewichtig, heißt es auf der

Internetseite des Leipziger IFB (Integriertes Forschungs- und

Behandlungszentrum Adipositas-Erkrankungen). „Die Gruppe der adipösen

und stark adipösen Menschen wächst”. Laut Deutscher Adipositas

Gesellschaft beginnt krankhaftes Übergewicht bei einem Body-Maß-Index

(Quotient aus Gewicht und Körpergröße zum Quadrat) von 30.

Auch in Brandenburg werden immer mehr Übergewichtige bestattet. Und

das kann ins Geld gehen. In Potsdam sagt der Bereichsleiter für

Friedhöfe, Gunther Butzmann, die Gebühren für eine Erdbestattung

würden auch nach der Anzahl der Träger berechnet. Und für einen

schweren Sarg werden eben nicht vier, sondern sechs gebraucht. Da

könnten schon mal Mehrkosten von ein paar Hundert Euro hinzukommen.

Ähnlich ist die Situation in Bayern. Die Erdlöcher für zentnerschwere

Tote müssten deutlich größer sein und eine extra Schalung bekommen,

damit sie nicht einstürzen, erläutert Gerhard Wellenhöfer von der

Friedhofsverwaltung Nürnberg. Der Stadtrat in Fürth hat beschlossen,

dass ab 140 Kilogramm von Sarg und Leiche eine Zusatzgebühr von 120

Euro fällig wird.

Über die höheren Gebühren gebe es oft Diskussionen, sagt Bestatter

Jörg Freudensprung vom Bestatterverband Bayern. Letzten Endes würden

das die Angehörigen aber einsehen - „wenn auch widerwillig”. Häufig

höre er: „Er hatte doch schon so viel abgenommen. Er wiegt doch nur

noch 200 Kilo.” Wie bei den Gesundheitskosten gebe es in der

Gesellschaft einen „grundsätzlichen Dissens”, wer für die höheren

Kosten aufkommen soll.

Oftmals sei es Angehörigen auch peinlich, wenn ein extrem

übergewichtiger Verwandter zu Grabe getragen wird, berichtet

Wirthmann. „Der qualifizierte Bestatter sorgt aber dafür, dass mit

dem Verstorbenen pietätvoll umgegangen wird.”

Denn es gibt noch andere Herausforderungen. Mittlerweile müssen für

die Feuerbestattung laut Bundesverband Krematorien nachgerüstet oder

modernisiert werden, weil die Öfen für überbreite Särge zu klein

sind. Und die Verbrennung dauere auch länger.

In der Urne spiele das Schwergewicht des Verstorbenen aber keine

Rolle mehr, meint der langjährige Berliner Bestatter Gerd Müller. Er

habe schon mehrfach erlebt, dass Angehörige vorher nicht sagen, dass

ein korpulenter Toter abgeholt werden soll. Dann müsse der Transport

umorganisiert und ein Sarg im XXL-Format bestellt werden.

Der Bundesverband Bestattungsbedarf beobachtet, dass seit zwei, drei

Jahren verstärkt Särge mit Übergroße angefordert werden. „Die Größe

des Standardsarges verschiebt sich, Übermaße sind eine stark

steigende Tendenz”, sagt Sprecher Christoph Windscheif. 2 Meter Länge

und 0,70 Meter Breite Standardmaß reichten öfter nicht mehr und schon

gar nicht für Menschen, die zuletzt bis zu 300 Kilogramm wogen. Oft

müsse der Sarg auch mit zusätzlichen Leisten verstärkt werden. Viele

Bestatter haben laut Verband aber übergroße Exemplare auf Lager.

(Von Jutta Schütz, dpa)
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