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Schwule, Lesben und Klischees: „Wer ist bei euch der Mann?”

Die Ehe für alle kommt ab dem 1. Oktober. Für Schwule und Lesben ist das ein Meilenstein im Kampf gegen Diskriminierung. Aber sind auch die Vorurteile verschwunden? Eine Spurensuche.
Homosexuelle Paare haben immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Foto: Daniel Naupold/dpa Homosexuelle Paare haben immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen.
Berlin. 

Es hat sich herumgesprochen, dass nicht alle Friseure schwul sind und nicht alle Lesben kurze Haare haben. Deutschland hat jetzt die Ehe für alle und ist mit Homosexuellen so tolerant wie nie zuvor, es gibt kaum Vorurteile mehr, könnte man meinen. Die Realität sieht es etwas anders aus.

Jan Noll, Chefredakteur des schwul-lesbischen Stadtmagazins „Siegessäule”, kennt die Klischees, die nach wie vor herumgeistern. „Der schwule Friseur hält sich”, sagt er. Noch immer würden bei Schwulen die Männlichkeit und bei Lesben die Weiblichkeit infrage gestellt.

Wenn Noll sein Berliner Umfeld und die Filterblase im Internet verlässt, hört er solche Sätze: „Ich finde ja toll, dass du so offen schwul bist. Aber warum müssen denn alle Schwulen so tuntig sein?” Er vermisst in Deutschland das Gespür für Alltagsdiskriminierung. Das gesellschaftliche Klima sieht er dank „AfD und Konsorten” eher rückwärtsgewandt. „Es wäre naiv zu glauben, dass das, was wir erreicht haben, in Stein gemeißelt ist.”

Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland bemerkt noch viel Unsicherheit in der Gesellschaft. „Je näher man ranzoomt, desto brüchiger wird es”, sagt Ulrich. Nach dem Motto: „Sie sollen zwar heiraten dürfen, aber ich möchte nicht sehen, dass sie sich küssen.” Selbst wenn Homosexuelle anders sind: „Darum kann es nicht gehen.” Und auch wenn alle Schwule Friseure wären und alle Lesben kurze Haare hätten: „Gibt es deswegen einen Grund, sie schlechter zu behandeln?”

Das Klischee vom schwulen Mann als Paradiesvogel mit Prosecco-Flasche in der Hand hat überlebt. Das liegt auch daran, dass die schrillen Dragqueens bei den Straßenparaden zum Christopher Street Day so ein gutes Fotomotiv sind. Wer interessiert sich da schon für die vielen Leute mit Jeans und T-Shirt?

Für Frauen gibt es das Magazin „Straight”, das weg will von den Klischees. In einem „ Bullshit Bingo ” listete es Hetero-Sprüche auf: „Ich kenn' auch welche. Die sind eigentlich ganz normal”. Oder: „Und wer ist bei euch der Mann?”

Gängig ist auch die Frage, ob die Lesben nicht doch etwas im Bett vermissen. „Nein danke, uns fehlt nichts”, schreibt Autorin Nadine Lange dazu im gerade erschienenen Buch „Heteros fragen, Homos antworten”. „Wir vermissen keine Typen im Bett - deswegen sind wir ja Lesben. Glaubt's einfach.”

An einem Klischee ist dem Buch zufolge aber etwas dran: Viele Schwule mögen Schlagersängerin Marianne Rosenberg („Er gehört zu mir”). Aber klar gibt es auch Schwule, die „Kitschtrullas” wie Barbra Streisand und Liza Minnelli nicht leiden können. Dem Selbstbewusstsein von maskulinen Frauen, in der Szene „butches” genannt, hat es gut getan, dass es mit Kerstin Ott jetzt eine Schlagersängerin aus ihren Reihen gibt. Andere halten sich bei Otts Hit „Die immer lacht” die Ohren zu.

Was die Ehe für alle angeht, die am Sonntag die eingetragene Lebenspartnerschaft ablöst, so kennen die Hochzeitsplaner schon lange die Feste, die Männer- und Frauenpaare feiern. Die sind gar nicht so viel anders. „Es gibt alles”, sagt Hochzeitsplaner Marco Fuß. Manche Lesben stehen demnach ganz konservativ mit Sägebock vorm Standesamt. Schwule Hochzeiten seien manchmal sogar spießiger als Hetero-Hochzeiten. Planer Ulrich Knieknecht sieht bei den homosexuellen Paaren, dass es bei ihnen wenig um formale Gründe geht. „Wenn sie heiraten, ist es eine ganz bewusste Entscheidung aus Liebe.”

(Von Caroline Bock, dpa)
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