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Sucht in Pflegeheimen weit verbreitet

Alkohol und Medikamente werden auch Millionen Älteren in Deutschland zum Verhängnis - in Pflegeheimen leiden viele Bewohner unter Suchtproblemen. Was können Angehörige tun?
Suchtprobleme sind in deutschen Pflegeheimen weit verbreitet. Foto: Arno Burgi Suchtprobleme sind in deutschen Pflegeheimen weit verbreitet. Foto: Arno Burgi
Berlin. 

Alkohol und Medikamente werden auch Millionen Älteren in Deutschland zum Verhängnis - in Pflegeheimen leiden viele Bewohner unter Suchtproblemen. Was können Angehörige tun?

Viele Pflegebedürftige in Deutschland sind abhängig von Alkohol und Medikamenten. Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion hervor. Die Regierung zitiert darin eine repräsentative Umfrage, nach der vier von fünf stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen Menschen mit Suchtproblemen in ihren Reihen haben. Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit stehe dabei im Zentrum.

In manchen Fällen gibt es dafür Anzeichen, auf die Angehörige bei Besuchen achten sollten: "Dazu gehört bei Alkohol zum Beispiel, wenn immer größere Mengen konsumiert werden. Am Anfang war es nur ein Glas, später ist es dann eine Flasche", erklärt Michael Klein, Professor am Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. Rieche die Person außerdem häufig nach Alkohol oder falle durch Entzugserscheinungen wie Händezittern, Schlafprobleme oder Übellaunigkeit auf, sollten Angehörige die Betroffenen darauf ansprechen. Ein Warnsignal sei außerdem, wenn der ältere Mensch bei Besuchen nicht klar wirke und vor sich hindämmere.

Am besten sei es, im Gespräch seine subjektive Sicht zu schildern: "Ich mache mir Sorgen um dich, ich merke, du bist manchmal nicht richtig ansprechbar", rät Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Bei den eingenommenen Medikamenten sollten Angehörige versuchen zu hinterfragen, ob sie wirklich nötig seien. Im Zweifelsfall sollten sie sich an den Hausarzt oder an den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung wenden, rät Suchtexperte Klein. Sie könnten abklären, um welche Mittel es sich handele. Man müsse zwischen Beruhigungs- und Schmerzmedikamenten unterscheiden: "Bei Tranquilizern gibt es für eine Dauerverschreibung keine medizinische Indikation." Angehörige sollten darauf achten, dass Ältere diese Mittel höchstens vier bis sechs Wochen einnehmen.

Anders sei es bei Schmerzmitteln, die Ältere häufig wegen bestimmter Erkrankungen nehmen müssten. Zu der Pille aus der Packung gebe es aber manchmal Alternativen: "Man muss sich anschauen: Was ist das für eine Erkrankung? Kann man die Beschwerden auch durch Physiotherapie in den Griff kriegen?", erläutert Klein. Er empfehle, am besten einen Schmerzmediziner hinzuziehen. Der könne den Patienten auf die richtige Dosierung einstellen.

Die beste Prophylaxe gegen Sucht sei sowohl geistige als auch körperliche Aktivität. Dazu könnten sich Angehörige das Angebot des Heims anschauen: "Gibt es beispielsweise Ergotherapie oder andere Bewegungsformen?", sagt Klein. Diese Formen der Stimulanz seien wichtig. Die Praxis sehe aber häufig anders aus: Zu wenig Personal und zu wenig Zeit führten dazu, dass den Älteren ruhigstellende Mittel verordnet würden.

"Nach Einschätzung der Pflegenden sind im Mittel sieben Prozent der Klientinnen und Klienten in den stationären Pflegeeinrichtungen medikamentenabhängig", heißt es weiter der Regierungsantwort. Die SPD-Suchtexpertin Angelika Graf geht davon aus, dass bis zu zwei Millionen Menschen über 60 Jahre problematisch viel psychoaktive Medikamente nehmen. Vor allem Frauen seien betroffen. 27 Prozent der älteren Männer wiesen hingegen einen gefährlichen Alkoholkonsum auf. Daten zur Sucht im Alter gibt es im Internet.

(dpa)
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