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Typologie des Karnevals

Der eine beobachtet argwöhnisch das närrische Treiben, während der andere nach fünf Tagen Feiern immer noch nicht genug hat. Beim Karneval gibt es verschiedene Typen. Foto: Carmen Jaspersen Der eine beobachtet argwöhnisch das närrische Treiben, während der andere nach fünf Tagen Feiern immer noch nicht genug hat. Beim Karneval gibt es verschiedene Typen. Foto: Carmen Jaspersen
Köln. 

Wer öfter Karneval feiert, kennt die Typen: den Grapscher, der nur die Kamelle will. Den Norddeutschen, der sich deplatziert fühlt. Oder den Fanatiker, bei dem die Bläck Fööss ganzjährig laufen.

Im Karneval sind ziemlich viele schräge Vögel unterwegs. Gerade während der tollen Tage. Ab Weiberfastnacht (27. Februar) steuert der Straßenkarneval vielerorts auf seinen Höhepunkt zu. Hier eine Orientierungshilfe:

Der Grapscher: Er will nicht aufdrehen, sondern abräumen. Spannt einen Regenschirm auf, um besonders viel Kamelle einzufangen. Tritt einem Kind auf die Finger, um sich einer Tafel Schokolade zu bemächtigen. Am Ende kann er die Beute kaum noch nach Hause schleppen. Hoffentlich reißt ihm die Tüte.

Der Verweigerer: Er lebt zwar in Köln, Mainz oder Düsseldorf, erweist sich aber als nicht karnevalisierbar und flieht spätestens an Weiberfastnacht in die Eifel oder ins Möbelzentrum. Sein Karnevalsmotto: «Der Trick ist, dass man sich verpisst, bis wieder Aschermittwoch ist.»

Der Sitzungsfetischist: Wenn er eine Überzeugung hat, dann die, dass Karneval ohne Mützenzwang Anarchie ist. Deshalb achtet er nicht nur selbst auf die peinliche Einhaltung der Kleidungsvorschriften, er hat auch auf andere Vereinsmitglieder ein wachsames Auge. Die karnevalslose Zeit überbrückt er bevorzugt mit alten Büttenreden von Bembel-Titan Heinz Schenk auf youtube.

Der Fünf-Tage-Clown: Immer wieder kann man erleben, wie gerade die gehemmtesten und humorlosesten Typen an Karneval völlig aus der Rolle fallen. Ihr Motto lautet: Heute feiern, morgen wieder in der Reihe tanzen. Die kalendarisch vorgeschriebene Witzischkeit hält exakt fünf Tage an.

Der Norddeutsche: Ortsfremder Humorfeind, der nur deshalb mit dabei ist, weil ihn die rheinische Erbtante zu einem Besuch genötigt hat. Steht die ganze Zeit unverkleidet und mit einem «Was mach hier eigentlich?»-Gesichtsausdruck am Straßenrand.

Der Lokalpolitiker: Gibt im Karneval nicht unbedingt eine gute Figur ab. Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters ist zum Beispiel Westfale. Als er vor Jahren mal versuchte, bei der Prinzenproklamation eine lustige Rede zu halten, gab man ihm anschließend den Rat, dies nie, nie wieder zu tun.

Der Fanatiker: Karneval als Ersatzreligion - das gibt es durchaus. Klassische Biografie: Vater Sitzungspräsident, Mutter Karnevalsprinzessin, die Bläck Fööss liefen ganzjährig. Schlimmster Moment im Leben: Der Karnevalsfreitag, als ihm die Nasennebenhöhlen aufgestochen wurden und er sich den Rosenmontagszug im Fernsehen anschauen musste.

Der Normalo-Jeck: Gefühlte 90 Prozent der Rheinländer sind bekennende Pappnasen. Sie feiern mit - sind aber auch froh, wenn die Schnapsleichen wieder abgeräumt werden.

(Von Christoph Driessen, dpa)
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