Über HIV sprechen: Auf negative Reaktion des Partners gefasst sein

Mit dem neuen Partner über alles reden können - auch über die eigene Krankheit? Vertrauen spielt eine wichtige Rolle, wenn Menschen über ihre HIV-Diagnose sprechen. Vor einer negativen Reaktion kann es nicht immer schützen.
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Berlin. 

Mit dem neuen Partner über alles reden können - auch über die eigene Krankheit? Vertrauen spielt eine wichtige Rolle, wenn Menschen über ihre HIV-Diagnose sprechen. Vor einer negativen Reaktion kann es nicht immer schützen.

Am Anfang einer Beziehung schweben Verliebte auf Wolke 7 - umso schwieriger ist es für HIV-Infizierte, dem neuen Partner die Krankheit anzuvertrauen. "Man kann nicht sagen, es gibt einen richtigen Zeitpunkt", sagte Heike Gronski von der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin. "Es ist jedes Mal eine schwere Entscheidung und kostet immer wieder einen Ruck."

Jeder Infizierte müsse wissen, wann er genügend Vertrauen zu seinem Partner gefasst habe. "Weil es meistens ja auch darum geht, dass diese Information nicht öffentlich gemacht werden soll." Auf der anderen Seite könne einen die Reaktion des Partners bei einer sehr engen Bindung besonders hart treffen. Wer schon über beide Ohren verliebt sei, empfinde eine Zurückweisung umso schmerzhafter.

Gronski empfiehlt HIV-Positiven, dass sie zunächst selbst sicher mit der Infektion umgehen können. "Umso überzeugender und selbstbewusster kann ich die entscheidenden Informationen an den Mann oder die Frau bringen."

Während des Gesprächs müsse der Infizierte darauf vorbereitet sein, dass der Partner über die Krankheit sprechen will und viele Fragen hat. Außerdem sei es gut, darauf gefasst zu sein, dass dieser sehr negativ reagieren kann: "Wenn der Partner aufsteht und sagt: 'Lass mich in Ruhe, ich will dich nie wieder sehen', ist es gut, eine Strategie zu haben, wie ich damit umgehen kann", sagt Gronski.

Der Infizierte sei nicht dazu verpflichtet, über seine Diagnose zu sprechen - solange er seinen Partner beim Sex schützt. Dennoch komme es immer wieder vor, dass der Freund oder die Freundin mit Schuldzuweisungen reagieren, unabhängig davon, ob sie verhütet hätten oder nicht. "Dann kommt man sehr schnell in eine Debatte hinein: 'Du hast mich nicht geschützt und liebst mich ja gar nicht - wie konntest du nur?'".

Sagt man es dem Partner generell sehr spät, belaste dies mit der Zeit die Beziehung. "Wenn man sich immer näher kommt, kann es passieren, dass man Dinge im Zusammenhang mit der Infektion aus Angst versteckt und sich womöglich sogar in Lügen verstrickt." Dabei gebe es unzählige Paare, die trotz der Infektion glücklich zusammenlebten.

Den anderen trieben nach dem Gespräch meist zwei Sachen um: Die Angst um den Partner, aber auch die Angst, sich anzustecken. "Das sind Themen, die den Partner erst einmal schocken können. Dann geht es darum, offen darüber zu reden." Laut Gronski gibt es durch verbesserte Therapiemöglichkeiten fast kein Übertragungsrisiko mehr. Viele wüssten das nicht, in einer Beziehung sei es aber von großer Bedeutung. "Es entlastet sehr, wenn der Partner weiß, dass er den anderen nicht anstecken kann."

HIV und Aids

Das Humane Immunschwächevirus (HIV) ist die Ursache für die unheilbare Krankheit Aids. Es wird heute vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierte Injektionsnadeln übertragen. Das Virus ist sehrwandlungsfähig. Viele Tests für einen Impfstoff sind bisher gescheitert. Der Erreger legt unter anderem bestimmte Immunzellen lahm. Deshalb kann das Abwehrsystem des Körpers Krankheitserreger wie Bakterien und Viren nicht mehr wirkungsvoll bekämpfen. Selbst an sich harmlose Infektionen können so zur tödlichen Bedrohung werden.

Nach einer erkannten HIV-Infektion lassen sich Ausbruch und Symptome von Aids ("Acquired Immune Deficiency Syndrome", erworbene Immunschwäche) in Industrieländern heute mit verschiedenen Medikamenten bekämpfen. Sie verhindern die Vermehrung des Erregers im Blut, können ihn aber nicht aus dem Körper entfernen. Lebensqualität und Lebenserwartung von Patienten sind durch diese Therapien deutlich gestiegen. Da es die Medikamente aber erst seit rund 15 Jahren gibt, können Forscher Langzeiterfolgen noch nicht einschätzen.

(dpa)
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