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Ratgeber Altern: Was bei einer Gangstörung zu tun ist

Gehen zu lernen, ist alles andere als trivial. Und so kann es auch passieren, dass diese Fähigkeit im Laufe des Lebens wieder nachlässt. Bei älteren Menschen stecken gleich mehrere Ursachen dahinter. Darum heißt die Devise: Wer sich fit hält, läuft länger rund.
Ein Rollator macht das Leben einfacher. Die alleinige Lösung für eine Gangstörung ist er aber nicht. Foto: Jens Büttner Ein Rollator macht das Leben einfacher. Die alleinige Lösung für eine Gangstörung ist er aber nicht.
Aachen/Grevenbroich. 

Kurz mal zum Bäcker gehen. Aufstehen und sich eine Tasse Kaffee holen. Oder überhaupt morgens aus dem Bett steigen. Für die meisten Menschen gehören diese Dinge zum Alltag. Manchen - vor allem älteren Menschen - machen sie aber zu schaffen.

Eine Gangstörung schränkt das Leben erheblich ein. Umso wichtiger ist es, sie nicht einfach so hinzunehmen. Die meisten Betroffenen können selbst dazu beitragen, wieder besser unterwegs zu sein.

Gangstörungen gibt es in vielen verschiedenen Formen: Manche Menschen hinken, andere machen winzige Tippelschritte, wieder andere watscheln. „Alles, was beim Gehen von den Normen abweicht, ist letztendlich eine Gangstörung”, sagt Nils Lynen, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie aus Aachen. Vor allem Senioren sind aufgrund von Muskelabbau und Gelenkverschleiß betroffen.

Die Ursache liegt häufig in den Nerven oder im Bewegungsapparat. „Das Gehen ist ein komplexer Vorgang, bei dem Knochen, Muskeln und das Nervensystem sowie das Gleichgewichtsorgan zusammenspielen”, sagt Uwe Meier, Neurologe in Grevenbroich. Senden das Gehirn oder Nerven aus irgendwelchen Gründen nicht mehr genügend Impulse, fällt das Gehen schwer oder funktioniert gar nicht mehr.

Auch Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose äußern sich mitunter durch einen merkwürdigen Gang. Sind Nerven durch einen Diabetes, Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch geschädigt, heben Betroffene die Füße übermäßig an. Und in manchen Fällen ist es die Psyche, die den Gang auf die eine oder andere Art beeinträchtigt.

Im Alter kommt ein weiterer wichtiger Faktor hinzu: Verschleiß. „Vor allem, wenn Hüfte oder Knie betroffen sind, ist ein gestörter Gang wahrscheinlich”, erklärt die Physiotherapeutin Rita Schütte aus Brilon. Für den Betroffenen ist allerdings zunächst schwer auszumachen, woher die Probleme genau rühren. Darum gilt: „Wenn eine Gangstörung länger als eine Woche andauert, sollte dies ärztlich abgeklärt werden”, rät Schütte.

Bei älteren Menschen geht eine Gangstörung meist auf eine Kombination von mehreren Ursachen zurück, erklärt Meier. So kommen häufig zu Durchblutungsstörungen im Gehirn Verschleißerscheinungen an Nerven und Gelenken. Und weil sich die Betroffenen dann nicht mehr so viel bewegen, bauen sie zusätzlich Muskelmasse ab. Zur Behandlung von Gangstörungen gehören daher immer Krankengymnastik und physikalische Anwendungen wie Bewegungsbäder und Massagen. „Das stärkt die Muskelkraft und verbessert die Koordination”, so Lynen.

Die Betroffenen müssen in der Regel selbst aktiv mitarbeiten, um sich wieder besser bewegen zu können. So gilt es, die Muskulatur, den Gleichgewichtssinn und die Ausdauer regelmäßig zu trainieren. Eine Möglichkeit ist, gemeinsam mit einem Physiotherapeuten das Gehen auf einem Laufband zu üben.

Auch zu Hause können Betroffene sich fit halten. „Koordination und Ausdauer kann jeder ganz einfach am Waschbecken trainieren”, sagt Schütte. Dazu hält man sich am Becken fest, steht auf einem Bein und malt mit den Zehen des anderen Fußes Zahlen auf den Boden. Dabei nach und nach versuchen, sich nicht mehr am Becken festzuhalten, sondern die Übung freihändig auszuführen.

Wichtig ist aber auch, auf eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen zu achten, sagt Lynen. Übergewicht wirkt sich ungünstig aus, genauso wie das Rauchen. Auch zu viel Alkohol ist schädlich. Wer eine athletische Figur hat, nicht raucht und nur in Maßen oder gar nicht trinkt, hat gute Chancen, seinen Gang wieder zu verbessern, so Meier. Manche Patienten schaffen es sogar, aus eigener Kraft irgendwann wieder normal zu gehen.

(von Sabine Meuter, dpa)

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