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Wenn ältere Menschen Veränderungen ablehnen

Der tägliche Aufstieg in den dritten Stock oder der Wocheneinkauf - im Alter kann der Alltag zur Herausforderung werden. Ein Treppenlift oder Rollator sind hilfreich - doch oft weigern sich betroffene Senioren. Woher die Angst vor Neuem kommt und wie man sie überwindet.
Der immergleiche Blick aus dem Fenster beruhigt viele ältere Menschen. Veränderungen machen ihnen häufig Angst. Dabei können sie das Leben auch leichter machen. Foto: Bodo Marks/dpa-tmn Der immergleiche Blick aus dem Fenster beruhigt viele ältere Menschen. Veränderungen machen ihnen häufig Angst. Dabei können sie das Leben auch leichter machen. Foto: Bodo Marks/dpa-tmn
Köln. 

Wenn ein älterer Mensch schlecht zu Fuß ist, gibt es eine einfach Lösung: den Rollator. Er könnte damit wieder mobil sein, selbst einkaufen gehen oder das Enkelkind besuchen. Trotzdem lehnt manch einer die Anschaffung der Gehhilfe erst mal ab - aus Angst vor der Veränderung.

Mit steigendem Alter fällt es Menschen schwerer, zu akzeptieren, dass nicht alles bleiben kann wie es ist. Auch wer in jungen Jahren abenteuerlustig war und Stillstand hasste, stellt manchmal fest, dass er jetzt - im Alter - nicht mehr so gern Neues entdeckt. Aber woran liegt das? Und was kann man tun, um wieder offener für Veränderungen zu sein?

Steht eine Renovierung an, um die Wohnung zum Beispiel an eine Gehbehinderung anzupassen, bedeutet das für den Menschen vor allem eins: Stress. „Manche leiden zusätzlich an anderen privaten oder existenziellen Problemen”, sagt Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA). Das Wohlbefinden hängt von der Gesamtsituation ab: Körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder psychische Probleme, ausgelöst durch den Tod des Partners, seien häufige Gründe, warum ältere Menschen unflexibler werden.

Eine ablehnende Einstellung gegenüber Neuem hat aber nicht jeder ältere Mensch gleichermaßen. „Manche verlieren die Freude am eigenen Entdecken”, sagt der Neurobiologe Gerald Hüther. Das Gehirn ist dabei nicht der Übeltäter: Ein ganzes Leben lang kann es neue Verschaltungen bilden und bleibt dadurch lernfähig. „Durch neue Erfahrungen und eigenes Entdecken entsteht Freude”, sagt Hüther. Dadurch werde das Belohnungszentrum im Gehirn angeregt und sendet Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin aus. Diese Glückshormone hinterlassen Verankerungen, die durch neue Einflüsse und Erfahrungen immer wieder gestärkt werden. „Dadurch lernt das Hirn und gewöhnt sich an neue Dinge”, sagt Hüther. Das Hirn rostet also nicht - außer man lässt es rosten.

Doch wie schaffen es ältere Menschen, die Freude am Lernen nicht zu verlieren? Wichtig ist, dass Verwandte und nahestehende Personen keinen Druck ausüben. „Die Lust auf Neues muss vom eigenen Willen her kommen”, sagt Hüther. Gemeinsame Kinobesuche oder Familienausflüge können die Lust auf Neues wieder wecken. Kritik an der bestehenden Lage sollte dabei vermieden werden.

Manchmal äußern ältere Menschen, dass sich Veränderungen für sie doch gar nicht mehr „lohnen”. „Ältere haben oft ein negatives Altersbild”, sagt Hans-Werner Wahl, Altersforscher an der Universität Heidelberg. Dann hilft es, in den Blick zu nehmen, dass sich das Leben positiv verändern lässt. Wird die Wohnung an neue Bedürfnisse angepasst, kann der Betroffene zum Beispiel wieder mehr selbst erledigen. Während der Umbauarbeiten ist es hilfreich, wenn er von einer nahestehenden Person begleitet wird. Sie kann beispielsweise erklären, wie die neue Spülmaschine funktioniert oder den neuen Fernseher einrichten. Im Anschluss hilft eine Ermunterung, das neue Gerät selbst auszuprobieren.

Egal ob es um ein neues technisches Gerät geht oder um eine Alltagshilfe wie einen Rollator: Ängste oder Unsicherheit dürfen nicht einfach übergangen werden. „Der Rollator ist für viele das optische Zeichen einer Behinderung”, sagt Sownski. Daher sträuben sich manche gegen die Gehhilfe - obwohl sie nützlich ist. Gespräche und Probegänge könnten die Ablehnung gegen das neue Gefährt manchmal mindern. Überhaupt sollte man Probe- und Schnupperangebote nutzen: Ob das der gemeinsame Besuch eines Seniorencafés ist oder eine Probestunde in der Tanzschule - erste Berührungsängste lassen schnell nach. Das gilt auch für eine neue Haushaltshilfe. Sie wird zu einem Probearbeitstag eingeladen, um sie erstmal kennenzulernen. Das nimmt dem Betroffenen häufig die Angst vor fremder Unterstützung.

Ist der Rollator erstmal angeschafft, stellt manch einer fest, dass er dadurch ein Stück Selbstständigkeit zurückgewonnen hat. Die Haushaltshilfe ist oft genug nicht nur eine wertvolle Unterstützung, sondern bereichert auch als Persönlichkeit den Alltag. Am Ende muss der eine oder andere dann zugeben: „Das war ja doch eine ganz gute Idee.”

(Von Jule Zentek, dpa)
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