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Wie ein Time-out beim Streiten hilft

Kaum etwas zermürbt in einer Partnerschaft so sehr wie Dauer-Zoff. Stundenlang die gleichen Themen, immer wieder die alte Leier. Damit es nicht zu einer ernsten Krise oder gar Trennung kommt, raten Psychologen zu Streit-Pausen. Wie setzt man sie um?
Beschimpfungen und pauschale Vorwürfe: Viele Paare kennen Streits, die aus dem Ruder laufen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Beschimpfungen und pauschale Vorwürfe: Viele Paare kennen Streits, die aus dem Ruder laufen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Köln/Berlin. 

Keine Beziehung verläuft immer nur harmonisch. Dabei ist Streit grundsätzlich nicht schlimm: Er hat Psychologen zufolge eine wichtige Ventilfunktion.

„Bei vielen Paaren prallen zwei Kulturen aufeinander”, sagt Berit Brockhausen , Buchautorin aus Berlin. Manche Dinge müssen einfach geklärt werden. „Das zeigt aber, dass da etwas ist zwischen den Partnern. Wir streiten uns nur mit Menschen, die uns wichtig sind.”

Wenn ein Streit jedoch immer wieder eskaliert, die Partner sich anschreien, beleidigen oder Vorwürfe machen, endet das in Missmut. „Solche Paare werden mit der Zeit feindselig, misstrauisch, denken: 'Der andere meint es nicht mehr gut mit mir'”, sagt Brockhausen. Psychologen raten deshalb zum Time-out: Die Partner unterbrechen den Streit, bevor er richtig fies wird. Sie regen sich ab und reden später weiter. Das erfordert guten Willen. Und einige Regeln:

VERTRAG VEREINBAREN: In einem ruhigen Moment sollten beide Partner ausmachen, dass sie Beschimpfungen, pauschale Vorwürfe und Ähnliches nicht wollen. Dazu können sie einen Vertrag unterschreiben, sagt der Diplom-Psychologe Peter Groß aus Köln. Brockhausen zufolge sollten beide Partner überlegen, ab wann ein Streit nichts mehr bringt. „Das kann zum Beispiel sein, wenn ich die gleiche Sache zum dritten Mal erkläre”, sagt die Diplom-Psychologin. Man könne sich vorher eine Art Codewort oder einen Satz überlegen. „Oder ich schreibe mir etwas auf, das ich dem Partner dann zeige, wie eine Gelbe Karte”, rät sie. 

ZEIT BEGRENZEN: Streit sollte nicht ausufern. „Wenn es immer auf endlose Diskussionen hinausläuft, macht das mürbe und kaputt”, sagt Groß. Brockhausen ergänzt: „20 Minuten reichen! Wenn das Problem dann nicht geklärt ist, lieber erneut eine Pause machen.” Helfen könnten dabei ein Timer oder eine Eieruhr. Die Begrenzung der Zeit erhöht die Bereitschaft, sich erneut auf ein kontroverses Thema einzulassen.

Wichtig ist: Sagt einer „Stopp”, dann gilt das. „Wenn einer von beiden das Gefühl hat, das geht ihm gerade zu weit, darf er oder sie das jederzeit sagen, auch mitten im Satz”, erläutert Groß. Die Situation wird dann sofort unterbrochen, die Partner gehen auseinander. Der andere muss die Auszeit akzeptieren, sonst ist der Vertrag wirkungslos. Die Evangelische Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen in Dortmund empfiehlt in einem Leitfaden zu konstruktivem Streiten: Überlegen Sie, welche Folgen eine weitere Eskalation hätte - und ob Sie diese in Kauf nehmen wollen.

GESPRÄCH FORTFÜHREN: Wer im Streit ein Time-out einfordert, muss unbedingt einen Zeitpunkt nennen, wann das Gespräch weitergehen soll. „Es ist sehr wichtig, später weiterzureden und den strittigen Punkt wieder aufzugreifen”, sagt Brockhausen. Für das Klärungsgespräch überlegt man sich am besten, was einen so aufgeregt hat: „Seien Sie dabei ehrlich mit sich selbst.” Umso leichter könne man später mit dem Partner reden, und umso weniger angegriffen fühle der sich.

PROBLEM ERKENNEN: Viele Paare glauben, sie streiten wegen Kleinigkeiten wie nicht gespültem Geschirr oder herumliegenden Socken. „Meist ist das aber nur der Anlass”, erklärt Brockhausen. In Wahrheit gehe es um mehr. Zum Beispiel: Beide arbeiten in Vollzeit, einer fühlt sich überlastet und denkt: Ich habe meinen Partner schon so oft darum gebeten. Daraus wird schnell: Was ich fühle, zählt für ihn nicht. Beide sollten sich in Ruhe überlegen, wo das wahre Problem liegt.

GUTES KLIMA SCHAFFEN: Für das Klärungsgespräch sollten beide wach sein und Zeit haben. „Auf keinen Fall morgens vor dem ersten Kaffee oder abends todmüde auf dem Sofa”, rät Brockhausen. Statt sich am Tisch frontal gegenüberzusitzen, sollte man lieber spazieren gehen und Händchen halten. „Dann hört man einander ganz anders zu”, sagt die Expertin. Auch die eigene Einstellung und Haltung können das Gespräch beeinflussen: Betrachtet man den Partner als Gegner oder als Verbündeten, mit dem man eine Lösung finden will? „Ich kann sagen: 'Das war unmöglich von dir.' Ich kann den anderen aber auch einladen: 'Das hat mich total beschäftigt. Es würde mich interessieren, was du darüber denkst.'”

Literatur:

Berit Brockhausen: Schöner streiten. Der kleine Paarberater. 2016, Kösel-Verlag, 48 Seiten, 9,99 Euro, ISBN-13: 978-3-466-34628-8

(Von Olivia Konieczny, dpa)
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