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Für Anleger: Wann sich offene Immobilienfonds lohnen

Immobilien gelten als solide Geldanlage - aber müssen Sparer deshalb gleich ein Haus oder eine Wohnung kaufen? Nicht unbedingt. Eine Alternative können offene Immobilienfonds sein. Doch die Fonds bergen auch einige Risiken.
Offene Immobilienfonds investieren oft in Büroimmobilien. Sie bringen meist verlässliche Renditen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Offene Immobilienfonds investieren oft in Büroimmobilien. Sie bringen meist verlässliche Renditen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Bremen. 

Niedrige Zinsen machen Immobilien als Anlage interessant. Doch nicht jeder möchte sein ganzes Geld in ein Haus oder eine Wohnung stecken. Wer Immobilien nur als Beimischung für sein Depot nutzen will, kann zu offenen Immobilienfonds greifen.

„Das sind Investmentfonds, die nicht in Wertpapiere und Bankanlagen, sondern vorrangig direkt in Immobilien investieren”, erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Offene Immobilienfonds halten in der Regel viele Immobilien in verschiedenen Städten, Regionen und Ländern. Dort investieren die Fondsmanager meistens in gewerbliche Bürokomplexe, Hotels und Einkaufszentren, aber auch in Wohnimmobilien. „Anleger können durch den Kauf von Anteilen in diese Immobilien investieren”, sagt Oelmann. „Dann profitieren sie von deren Mieterträgen und Wertsteigerungen”

Die derzeit hohen Immobilienpreise machen die Fonds für Anleger attraktiv: „Anleger haben im vergangenen Jahr knapp sieben Milliarden Euro neue Gelder in offene Immobilienfonds angelegt”, sagt ein Sprecher des Fondsverbands BVI. Nach Mischfonds gehören offene Immobilienfonds damit momentan zu den beliebtesten Publikumsfonds.

Zur großen Beliebtheit offener Immobilienfonds tragen die niedrigen finanziellen Hürden bei. „Anleger können schon mit kleinen Summen - 50 bis 100 Euro - breit gestreut in Immobilien investieren”, sagt Karin Baur von der Zeitschrift „Finanztest” der Stiftung Warentest.

Doch im Gegensatz zu offenen Aktien- oder Mischfonds könnten Anleger ihre Anteile nicht kurzfristig verkaufen. Für Neukäufer gilt Baur zufolge eine Haltefrist von zwei Jahren. „Alternativ können Anleger ihren Anteil eventuell über die Börse verkaufen - dann aber oft mit Abschlägen”, sagt Baur.

Ein weiterer Nachteil: Die Kauf- und Verwaltungskosten offener Immobilienfonds sind recht hoch, wenn man sie mit der erwarteten Rendite vergleicht. „Eine Investition kann sich deshalb nur längerfristig rechnen”, sagt Oelmann.

Zudem kann das Fondsvermögen hohen Schwankungen unterliegen. Denn die Fonds-Anteile können börsentäglich gekauft und zurückgegeben werden. Oftmals ist es jedoch gar nicht möglich, große Immobilien kurzfristig zu verkaufen. Auch das wurde Anlegern schon zum Verhängnis: „Über dieses Aussetzungsrisiko muss jede Bank ungefragt aufklären”, sagt die Expertin.

Für den Fall, dass viele große Investoren ihre Gelder abziehen, haben Fonds sogenannte Liquiditätspuffer in Bankguthaben, Anleihen und Cash. Doch dies konnte einigen Fonds nicht mehr helfen. Manche mussten kurzfristig schließen. „Anleger kamen nicht an ihr Geld”, sagt Oelmann.

Viele Fonds ereilte dieses Schicksal während der Finanzkrise 2008. „Die betroffenen Fonds konnten auch nicht wieder geöffnet werden, weil unter anderem viele Kleinanleger damals einfach an ihr Geld wollten”, erklärt Oelmann. So wurde die komplette Auflösung der Fonds beschlossen. Einige Anleger verloren daraufhin mehr als 30 Prozent ihres investierten Vermögens.

Kann so etwas wieder passieren? „Insgesamt ist die Gefahr geringer geworden”, sagt Oelmann. Dafür hätten die neu eingeführten Kündigungsfristen gesorgt. Auch die Höhe vorübergehender Entnahmen wurde begrenzt. „Eine neue Finanz- oder breite Vertrauenskrise kann aber immer noch dazu führen, dass sehr viele Kleinanleger zusammen die Liquiditätspuffer eines Fonds an seine Grenzen bringen.”

Wie einzelne Fonds in der Vergangenheit abgeschnitten haben, könnten Anleger im Internet herausfinden, zum Beispiel auf den Seiten der Stiftung Warentest. „Grundsätzlich empfehlen wir, nicht mehr als zehn Prozent des Geldes in offene Immobilienfonds anzulegen”, sagt Baur.

Anleger können sich an der Faustformel orientieren, die Ersparnisse jeweils zu einem Drittel in Immobilien, Aktien oder Anleihen anzulegen. „Wer bereits ein Immobilienvermögen hat, sollte seine Ersparnisse stärker in Aktien und Anleihen investieren”, sagt der BVI-Sprecher. Wer aber noch nicht über eine Immobilie verfügt, könne mit offenen Immobilienfonds breit aufgestellt am Markt einsteigen.

Auch Oelmann rät: „Offene Immobilienfonds eignen sich für Anleger, die neben Geldreserven wie Tages- und Festgeld, auf Anleihen und Aktien auch einen Teil auf Immobilien streuen möchten und länger als fünf oder sieben Jahre auf das Geld verzichten können.”

(Von Leonard Kehnscherper, dpa)
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